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StartseiteSport am WochenendeJapan zwischen Begeisterung und Ignoranz08.08.2021

Ende der Olympischen SpieleJapan zwischen Begeisterung und Ignoranz

Erst war die japanische Bevölkerung Feuer und Flamme für die Spiele, dann komplett dagegen und nun ein bisschen von beidem. Was bleibt außer den sieben neu gebauten Stadien und dem Olympischen Dorf? Und hat die Regierung ihr Versprechen von sicheren Spielen eingelöst?

Von Kathrin Erdmann

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In einem Restaurant in Tokio läuft die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele im Fernsehen. (www.imago-images.de)
In einem Restaurant in Tokio läuft die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele im Fernsehen. (www.imago-images.de)
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Lautstarker Protest in Japan - den gibt es selten, doch Olympia hat die Gesellschaft gespalten. In Gegner, Befürworter und die Shoganais, die "Da kann man nichts machen"-Gruppe. Doch dann holt Japan Medaillen und Medaillen. 

Kazuko: "Ich habe schwimmen und Tischtennis geguckt und genau aufgepasst."

Midori: "Ich hab ein bisschen Skateboard, Fußball und Judo gesehen."

Statt im Stadion sitzen die Japaner wegen Corona eben vor dem Fernseher. Und nutzen jede kleine Chance, doch irgendwie dabei zu sein. Auf Zehenspitzen stehen sie hinter einer Wand, um die BMX-Wettkämpfe zu verfolgen, drängen sich an der Radstrecke… Prägen im Fanshop Olympiamünzen und kaufen ein, was das Zeug hält.

In Tokio steigen die Coronazahlen

Und die Coronazahlen steigen. Innerhalb von einer Woche verdoppelt sich die Inzidenz in Tokio, sie liegt Ende der Woche bei 180 und mehr als 5.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden.

Doch Regierungschef Suga erinnert erstmal nur an sein Versprechen: "Sicher und sorgenfrei." So sollte Olympia sein und ist es auch. Die eingereisten Ausländer bleiben in ihrer Blase, es gibt kaum Corona-Ansteckungen und wenn, dann kommen sie meist von außen, also durch Japaner.

Der Premier ist aber auch mit seinen Landsleuten zufrieden. "Eingeschränkte Fahrpläne, Homeoffice und die Mitarbeit der Bevölkerung haben dazu geführt, dass sich im Zentrum von Tokio nicht mehr Menschen aufhalten als vor Olympia. Die Spiele sind aus meiner Sicht auf jeden Fall nicht verantwortlich für den Anstieg der Coronazahlen."

Die Spiele nicht, aber die Regierung, findet dieser Japaner: "Sie implementiert keine anständigen Maßnahmen, jeder muss sich selbst um seine Gesundheit kümmern."

Japaner haben sich gefragt, wieso sie zu Hause bleiben sollen und gleichzeitig Olympia stattfindet

Die Stadt Tokio ist im Dauernotstand, das nervt die Menschen, denn die meisten Restaurants und Bars sind geschlossen, Alkohol soll nicht verkauft werden. Sie verstehen diese Politik immer weniger, sagt der Kolumnist Osamu Aoki, und das sei auch kein Wunder.

"Auf der einen Seite wird ein solches Fest wie Olympia mit mehreren tausend Menschen abgehalten, aber gleichzeitig sollen die Japaner zu Hause bleiben. Da haben sich viele gefragt, was das soll und sich einfach nicht mehr dran gehalten. Es ist ihnen egal geworden, und deshalb steigen die Zahlen jetzt auch weiter."

Wie sich das auf die Wiederwahl Sugas und die Unterhauswahlen im Herbst auswirken wird, vermag Aoki nicht zu sagen. Dieser Japaner blickt auf jeden Fall pessimistisch in die Zukunft seines Landes. "Ich gehe davon aus, dass Japan wirtschaftlich einbrechen wird. Die Goldmedaillen sind so das letzte Feuerwerk."

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