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StartseiteKultur heuteSind Komponisten die besseren Interpreten?07.11.2020

Endlich mal erklärtSind Komponisten die besseren Interpreten?

Dass Komponisten ihre eigene Musik besser kennen als andere, versteht sich. Aber sind sie automatisch die besseren Interpreten? Entdeckt ein unabhängiger Interpret nicht möglicherweise andere Facetten einer Komposition?

Von Elisabeth Richter

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Klarinettist Jörg Widmann auf dem Musikfestival Heidelberger Frühling 2016 (imago / Xinhua)
Klarinettist und Komponist Jörg Widmann auf dem Musikfestival Heidelberger Frühling 2016. (imago / Xinhua)
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Der Komponist Richard Strauss war gar nicht begeistert, als eine Sängerin sich um eine besonders schöne Interpretation seiner Elektra bemühte. Stattdessen bremste er sie: Er habe doch schon alles in der Komposition angelegt. Aber sind Komponisten wirklich die letzte Instanz für die Interpreten?

Vom universellen Künstlertum zum Starkult 

Mozart, Mahler, Strawinski dirigierten, Clara Schumann, Paganini oder Liszt spielten ihre Werke selbst. Dieser Universalismus ist heute sehr selten geworden, Künstler wie etwa der Klarinettist Jörg Widmann, der auch komponiert und dirigiert, oder der Dirigent Heinz Holliger, der zugleich Oboist und Komponist ist, sind Ausnahmen. Hochentwickeltes Spezialistentum und der Starkult unserer Zeit lenken das Augenmerk auf die Hochleistungen einzelner Künstler, man muss sich nur die Plakate anschauen: Der Schauwert der Künstlerin oder des Orchesters mit dem großen Namen steht vornean.

Austausch zwischen Komponist und Interpret

Komponisten kennen natürlich die zeitgenössischen Künstler, die ihre Werke spielen könnten. Schon immer hatten viele ihre Interpreten bereits im Kopf, von vielen Arien etwa von Händel oder Mozart weiß man genau, für wen sie geschrieben wurden. Das hohe technische Niveau einzelner Künstler beflügelte die Produktion. So inspirierte der Cellist Mstislaw Rostropowitsch viele Komponisten, Werke für das Instrument Cello zu schreiben. Es gab plötzlich sehr viel Cellostücke, und was damals entstand, ist heute Standard.   

Auf einem aufgeschlagenen Kunstlexikon liegt eine Brille (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch) (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch)Spezialwissen der Kultur - Endlich mal erklärt Postdramatik? Dystopie? Keine Ahnung. Jede Kulturszene pflegt ihre Fachausdrücke, weil sie griffig sind. Wir erklären endlich mal die Begriffe der Spezialsprachen und antworten auf Fragen, die man sich vielleicht nicht zu stellen traut. Denn Arroganz war gestern.

Gefühl statt Struktur 

Die Frage, ob Komponisten wirkllich die besten Interpreten ihrer eigenen Werke sind, kann man nur mit einem entschiedenen Jein beantworten. Für eine gelungene Interpretation müssen technische Fähigkeiten und  Ausdrucksqualität auf sehr hohem Niveau zusammenkommen. Natürlich kann aber ein von seinem Schöpfer gespieltes Werk die Strukturen des Stücks womöglich besser erkennen lassen. Letztlich ist es aber die Vielfalt der Inspirationsquellen, die eine tiefgehende Interpretation ermöglichen, von der das Publikum berührt wird.

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