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StartseiteKultur heuteWas ist eigentlich Tanztheater?28.03.2020

Endlich mal erklärtWas ist eigentlich Tanztheater?

Die Tänzer raufen sich die Haare, stapfen durch Wasserpfützen auf der Bühne, malen, singen oder pflücken Blumen: das moderne Tanztheater blüht in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts. An die Stelle traditioneller Bewegungen des Balletts treten experimentelle, theatrale Ausdrucksformen.

Von Elisabeth Nehring

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Am 5. Oktober 2009 zeigte die Truppe von Pina Bausch in Kairo die Tanzstücke  "Le Sacre du Printemps" and "Bamboo Blues"' in Kairo. (EPA/Mohamed Omar/ dpa/picture-alliance)
Die Truppe von Pina Bausch beim Gastspiel in Ägypten (EPA/Mohamed Omar/ dpa/picture-alliance)
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Der Begriff Tanztheater ist eng mit dem Namen Pina Bausch verbunden. Die von ihr gegründete Tanzkompanie trägt den Begriff schon im Titel: Tanztheater Wuppertal. In den 70er Jahren hat sie es gegründet. Am Opernhaus in Wuppertal wurde das klassische Ballett durch ihr Tanztheater ersetzt. Elisabeth Nehring antwortet auf die Frage, ob Pina Bausch also auch das Tanztheater quasi erfunden hat: "Sie hat es nicht erfunden, aber sie ist die wichtigste Protagonistin des Tanztheaters deutscher Prägung und hat mit ihren über vierzig Produktionen Maßstäbe gesetzt."

Was meinen wir denn eigentlich ganz genau, wenn wir von Tanztheater sprechen? Darauf die Tanzexpertin: "Das Tänzerische und das Theatrale kommen in dieser Bühnenkunst zusammen und bilden ihren Wesenkern." Es gehe weniger um die perfekte Form wie im klassischen Ballett, sondern darum, was die Bewegung ausdrücken soll. Nicht wie sie sich bewegen, sondern was sie bewegt, sei nach Pina Bausch wesentlich. Die Bewegungen hätten ihren Ursprung in den tanzenden Persönlichkeiten. Daraus ergebe sich auch ein revue- oder collageartiger Charakter der Stücke. Auch viele andere Choregraphen sind in diesem Zusammnehnag zu nennen, etwa Johan Kresnik.

Ausdruck der Emotionen

Die Ursprünge des modernen Tanzes gehen bis auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Unter den verschiedenen Strömungen war insbesondere der Ausdruckstanz einflussreich. Mary Wigman und Rudolf von Laban sind wichtige Vertreter dieser Richtung. Der Ausdruckstanz wurde als "Befreiung von den Zwängen des klassischen Tanzes verstanden, von den Einschnürungen des Körpers, der Formelhaftigkeit der Bewegungen." Die Emotionen sollten zum Ausdruck kommen.

Die Bandbreite der Themen kann dabei sehr groß sein. Bei Pina Bausch waren es oft Beziehungsfragen. Johann Kresnik machte politisches Tanztheater etwa Stücke über "Ulrike Meinhof" oder "Hannelore Kohl." Reibungen, Konflike, Machtverhältnisse, Liebe und Sehnsucht, alles könne vorkommen. Gemeinsam sei dem modernen Tanzthater "das gesellschaftliche Interesse an der Realität", so Nehring.

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