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StartseiteKultur heuteWas machen Autoren im Autorenkino?24.05.2020

Endlich mal erklärtWas machen Autoren im Autorenkino?

Von der Idee über die Regie bis hin zum Schnitt - beim Autorenkino trifft eine einzige Person die wichtigen künstlerischen Entscheidungen. Autorenfilmerinnen und -filmer besitzen ihre ganz eigene Handschrift. Damit grenzen sie sich oft von den Konventionen der Filmgeschichte ab.

Von Katja Nicodemus

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Der britische Filmregisseur Alfred Hitchcock im Mai 1972 in Cannes (dpa / epa AFP)
Tonangebend - Alfred Hitchcock, Vorbild für das Autorenkino (dpa / epa AFP)
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Besondere Bedeutung bekam das Autorenkino durch die französische Regiebewegung der Nouvelle Vague in den 1950er- und 60er-Jahren. Zum einen, weil deren Begründer – unter anderem François Truffaut, Claude Chabrol und Jean-Luc Godard – stark persönlich geprägte Filme drehten und sich dadurch von ihren Vorgängern absetzten. Zum anderen, weil diese Regisseure, die allesamt auch als Filmkritiker tätig waren, die Regiehandschrift vermeintlicher Filmhandwerker wie Alfred Hitchcock, John Ford oder auch Howard Hawks bewunderten und in ihren Texten analysierten und herausstellten.

Schöpfung und Kontrolle im Doppelpack

Der Autorenfilm ist so alt oder so jung wie das Kino. Letztlich sind schon die um die Jahrhundertwende entstandenen Filme des französischen Kinopioniers Georges Méliès Autorenfilme - jedenfalls im Sinne einer umfassenden kreativen Schöpfung und Kontrolle. Ein Autorenfilmer kann aus fremden Drehbüchern seinen ureigenen visuellen Stil entwickeln - wie Alfred Hitchcock und John Ford. Oder auch mit eigenen Drehbüchern ein filmisches Universum erschaffen - wie François Truffaut und Jean-Luc Godard. Die Grenzen zwischen dem Autorenfilm und dem Nicht-Autorenfilm sind fließend. Dennoch lässt sich der Autorenfilm klar abgrenzen gegenüber Filmen, die weder eine visuelle noch eine erzählerische Handschrift aufweisen.

Auf einem aufgeschlagenen Kunstlexikon liegt eine Brille (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch) (picture-alliance / chromorange / Angelika Maroch)Spezialwissen der Kultur - Endlich mal erklärt Postdramatik? Dystopie? Keine Ahnung. Jede Kulturszene pflegt ihre Fachausdrücke, weil sie griffig sind und zutreffend. Wir erklären endlich mal die Begriffe der Spezialsprachen und antworten auf Fragen, die man sich vielleicht nicht zu stellen traut. Denn Arroganz war gestern.

Entscheidend ist eben diese Handschrift. Und das Vermögen, konventionellen Erzähl- und Genremustern eine ganz eigene Interpretation abzutrotzen. Es mag Tausende von Western geben; aber einem Western von John Ford wohnt immer eine bestimmte Sichtweise inne, eine besondere Art, den Menschen in der Weite der Landschaft zu filmen oder auch erzählerische Klischees zu unterwandern.

Kampfansage an die Vorgänger

Die "Politique des auteurs" der Nouvelle Vague und die Autorentheorie des Neuen Deutschen Films waren immer auch Absetzbewegungen – gegen das in Drehbuchmustern erstarrte französische Kino der 1950er-Jahre oder gegen die Verdrängungsbewegungen des deutschen Nachkriegskinos. Autorenkino bedeutet immer auch eine Kampfansage an die Konventionen der Vorgänger: durch individuelle, radikal persönliche Sichtweisen und Ästhetiken.

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