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StartseiteVerbrauchertippVorsicht bei Vorkasse-Tarifen02.01.2019

EnergieanbieterVorsicht bei Vorkasse-Tarifen

Wenn der Energielieferant plötzlich insolvent ist, bleibt die Wohnung erst einmal kalt und dunkel. Verbraucher haben jedoch ein Recht auf eine Ersatzversorgung - die allerdings teuer werden kann. Doch es gibt noch andere Aspekte, die in einem solchen Fall wichtig sind.

Von Thomas Wagner

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Eine Euro-Münze auf einem Gasherd mit blau leuchtender Gasflamme. (picture alliance / Imagebroker)
Bei Erdgas- oder Stromtarifen gibt es viele Fallstricke - einige lassen sich vermeiden (picture alliance / Imagebroker)
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Martin Demel ist stolzer Eigentümer eines Hauses ganz in der Nähe des Bodensees:

"Seit Jahren bin ich dabei, den Gasanbieter, aber auch den Stromanbieter zu wechseln, um entsprechend Geld ein zu sparen. Da gibt es ja viele Prämien dafür, dass man zu einem neuen Anbieter geht."

Notversorgung ist teuer

Diese Option zu nutzen, ist legitim. Was aber, wenn der neue Energieanbieter mitten in der Vertragszeit Pleite geht?

"Wenn ein Energieanbieter Pleite geht, dann ist es nicht so, dass man keinen Strom oder Gas mehr bezieht. Sondern es gilt ja die gesetzliche Verpflichtung des Grundversorgers, also der Stadtwerke normalerweise, die Energie zu liefern."

Das stimmt insofern, als dass die Lichter zwar nicht ausgehen. Aber:

"Die Ersatzversorgung ist aber teurer."

Sagt Mathias Bauer, Energie-Experte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sein Rat an den auf Sparsamkeit bedachten Verbraucher:

"Er kann dann innerhalb von einer Woche kündigen und dann einen neuen Sondervertrag abschließen mit einem günstigen anderen Stromanbieter oder Gasanbieter."

Nie vorab zahlen

Ganz grundsätzlich empfiehlt Bauer, bereits vor Vertragsabschluss die mögliche Insolvenz eines Anbieters im Hinterkopf zu behalten. Denn: Zu viel eingezahltes Geld wird im Falle einer Unternehmenspleite häufig nicht oder allenfalls in Bruchteilen zurückgezahlt. Deshalb rät Bauer:

"Nie Vorkasse-Tarife nehmen. Keine Parkett-Tarife wählen. Diese Parketttarife – da nehmen Sie zum Beispiel 4.000 Kilowattstunden pro Jahr pauschal ab. Und die sollten Sie dann auch aufbrauchen. Und brauchen Sie die nicht auf, dann reüssiert der Anbieter. Brauchen Sie mehr, dann zahlen Sie deutlich höhere Strom- oder Gaskosten. Das kann dann sehr teuer werden."

Wie aber im Tarifdickicht erkennen, welche Fallstricke ein bestimmter Tarif eines Energieanbieters bereithält?

"Also ich mach den Vergleich der Energie-Anbieter über ein Internet-Portal. Dort gibt es natürlich Kundenbewertungen."

Prämien haben ihre Kehrseite

So Eigenheim-Besitzer Martin Demel. Sich in Portalen über Energie-Anbieter schlau machen, hält auch Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale für eine richtige Strategie. Doch auch hier gibt es Anlass zur Vorsicht: Manche Portale arbeiten direkt mit Anbietern zusammen; die Bewertungen fallen damit nicht zwingend objektiv aus. Allerdings müssen die Portale Kooperationen mit Energieanbietern entsprechend markieren.

"Das ist farblich abgehoben auf dem Internet-Portal. Und dann würde ich mich vorher auch klar entscheiden: Bin ich ein Boni-Jäger?"

Denn: Prämien bei neuen Vertragsabschlüssen werden in der Regel nur im ersten Jahr gezahlt. Danach gibt es in aller Regel kräftige Preisaufschläge. Um dies zu vermeiden, gibt es nach Ansicht von Fachmann Matthias Bauer nur eine Option.

"Dann muss ich schauen, dass ich wiederum innerhalb eines Jahres den Vertrag wechsle. Das ist klar: Der Unternehmer fixt den Verbraucher an. Er lockt den Verbraucher mit dem Bonus. Und den holt er sich im zweiten Jahr rein."

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