Sonntag, 23.02.2020
 
Seit 15:05 Uhr Rock et cetera
StartseiteVerbrauchertippStromanbieter wechseln30.01.2020

EnergieversorgungStromanbieter wechseln

Verbraucher können mit regelmäßigem Wechseln des Stromanbieters viel Geld sparen. Denn im ersten Jahr können sie oft von Bonuszahlungen profitieren. Inzwischen checken einige Anbieter jedoch die Daten ihrer Neukunden im Vorfeld: Diejenigen, die häufig gewechselt haben, werden als Kunden abgelehnt.

Von Josephine Schulz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein grünes Stromkabel mit einem grünen Stromstecker liegt auf Euro Geldscheinen und Centmünzen. Foto: Jens Kalaene | Verwendung weltweit (dpa / Jens Kalaene )
Stromversorger haben das Recht, potenzielle Neukunden aus verschiedenen Gründen abzulehnen (dpa / Jens Kalaene )
Mehr zum Thema

Neue Stromzähler Digitale Messgeräte liefern direkt an den Stromversorger

Wahl des Stromanbieters Holling: Beim Stromversorger auf Ökostrom-Label achten

"Wir haben einen guten Stromanbieter und den wechseln wir gar nicht - weil wir einen Öko-Stromanbieter haben und da sehen wir keinen Bedarf, den Stromanbieter zu wechseln." "Ich wohne in einer zweier-WG und wir wechseln alle zwei Jahre unseren Stromanbieter, um Bonuszahlungen zu bekommen, "Nö - das ist mir zu stressig. Das ist mir auch egal, da zahle ich lieber fünf Euro im Monat mehr, anstatt mich auch nur zehn Minuten damit zu beschäftigen."

Ob aus Bequemlichkeit oder aus Überzeugung, viele Kunden bleiben ihrem Stromanbieter über Jahre treu. Dabei lässt sich durch einen regelmäßigen Wechsel viel Geld sparen. Denn eine große Anzahl an Stromanbietern buhlt mit hohen Rabatten um Neukunden.

Allerdings läuft der Wechsel nicht immer reibungslos. Trotz der hohen Konkurrenz verschicken Stromanbieter nicht selten eine Ablehnung an potenzielle Neukunden. Das ist auch Maximilian Both aufgefallen. Er ist Mitgründer von Wechselpilot. Das Online-Portal vergleicht für Kunden die Stromtarife und wechselt den Versorger in ihrem Auftrag. Both hat rund 20.000 Verträge seiner Kunden analysiert und festgestellt, dass etwa jeder 10. Antrag abgelehnt wurde.

"Das ist zum einen die Bonität der Kunden, zum zweiten sind das falsch angegebene Daten und neuerdings und immer häufiger sind das grundlose Ablehnungen. Die Versorger lassen sich da nicht in die Karten schauen, also entweder ist das weil der Kunde gerade nicht in das von dem Versorger gesuchte Kundensegment fällt, also entweder zu alt oder zu jung ist, oder zu viel oder zu wenig Strom verbraucht. Was man auch immer häufiger im Markt hört, ist, dass es Versorger gibt, die sich ausrechnen wie wahrscheinlich es ist, dass mein Kunde länger als ein Jahr bleibt."

Stromkonzerne können Neukunden ablehnen

Denn mit den sogenannten Bonushoppern verdienen die Stromanbieter kein Geld. Erst ab dem zweiten Jahr, wenn die Rabatte wegfallen, lohnt sich der Kunde. Boths Analyse der Vertragsdaten hat auch ergeben, dass Versorger unterschiedlich häufig ablehnen. Vattenfall zum Beispiel habe etwa jede fünfte Anfrage zurückgewiesen, RWE drei Prozent.

Vattenfall schreibt auf Nachfrage:

"Wir behalten uns bei Sonderverträgen außerhalb der Grundversorgung vor, einen Auftrag mit Neu- und Bestandskunden vor einer Vertragsbestätigung an den Kunden zu prüfen. In Einzelfällen kann es dabei zu Vertragsablehnungen kommen."

Auch bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kommt es immer wieder vor, dass Menschen sich wegen einer aus ihrer Sicht grundlosen Ablehnung melden, erzählt die Referentin für Energiefragen, Christina Wallraf. Statistiken dazu gebe es aber nicht. Auch hätten die Verbraucherzentralen in diesen Fällen keine Handhabe gegen die Stromanbieter.

"Richtig gut schützen kann man sich eigentlich nicht, denn jeder Stromanbieter kann sich ja aussuchen, mit welchem Stromkunden er einen Stromliefervertrag schließt."

Ein Handy wird per USB-Kabel an den Strom angeschlossen (picture alliance / dpa)Es gibt diverse Onlineportale, die beim Wechsel des Stromanbieters helfen (picture alliance / dpa)

Jeder hat ein Recht auf den Grundversorgungstarif

Nur im sogenannten Grundversorgungstarif, der meist teurer ist, dürfen Kunden nicht ablehnt werden. Wallraf rät den Verbrauchern, keine langwierigen Auseinandersetzungen mit dem Stromanbieter zu führen, sondern einfach einen anderen Tarif auszuwählen.

"Das ist in der Regel auch gar kein Problem, wenn man jetzt abgelehnt wird, da die Auswahl an verfügbaren Tarifen, bei ungefähr 120 Tarifen pro Postleitzahlgebiet liegt, also die Auswahl einfach riesig ist."

Kundendaten beim alten Anbieter löschen lassen

Ob vor allem häufige Wechsler von den Anbietern abgelehnt würden, kann sie nicht mit Gewissheit sagen. Da man jedoch keinen genauen Einblick habe, welche Daten Stromanbieter sammeln oder auswerten würden, empfiehlt sie:

"Wer jedes Jahr einen hohen Bonus mitnehmen will und ein sogenannter Bonushopper ist, der sollte beim alten Anbieter sicherheitshalber die Löschung seiner Daten verlangen."

Für Christina Wallraf und Maximilian Both ist klar: Regelmäßiges Wechseln des Stromversorgers ist sinnvoll. Und niemand sollte aus Angst vor Ablehnung darauf verzichten.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk