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StartseiteWirtschaft und GesellschaftLufthansa bittet um Staatshilfe13.03.2020

Enorme GeschäftseinbußenLufthansa bittet um Staatshilfe

Ob privat oder geschäftlich, immer weniger Menschen besteigen derzeit ein Flugzeug, aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Die Lufthansa leidet stark und will jetzt um staatliche Hilfen bitten. Doch nicht nur die Fluggesellschaft spürt die Angst, die gesamte Flugbranche ist betroffen.

Von Mischa Ehrhardt

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Ein Lufthansa-Flugzeug am Boden (picture alliance / Sven Hoppe)
Die Flugbranche ist von der Virus-Epidemie besonders betroffen, weil immer weniger Menschen reisen (picture alliance / Sven Hoppe)
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Die Lufthansa wird Staatshilfen beantragen. Das erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einer Videobotschaft. Ein Sprecher der Fluglinie bestätigte das diesem Sender. Das Unternehmen spreche mit den Regierungen in den Heimatmärkten über mögliche Staatshilfen. Dabei gehe es vor allem um Liquiditätshilfen seitens der Regierung. Die Flugbranche ist von der Virus-Epidemie besonders betroffen, weil immer weniger Menschen reisen.

"Auf der Geschäftsreisen-Seite ist zu beobachten, dass die meisten Unternehmen ihren Mitarbeitern untersagen, noch Geschäftsreisen zu unternehmen. Und die Freizeit-Reisenden werden sich sicherlich auch überlegen, ob sie noch in einen Flieger steigen. Das heißt also, fliegen ist sicherlich – im Moment – abgesagt", sagt Branchenanalyst Guido Hoymann vom privaten Bankhaus Metzler.

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Rund 80 Prozent aller US-Flüge sollen gestrichen werden

Verschärft hat sich die Situation, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump am Mittwoch Einreiseverbote für Menschen aus Europa angekündigt hatte. Die gelten ab morgen für einen Monat. Deswegen wird die Lufthansa rund 80 Prozent ihrer Amerika-Flüge konzernweit streichen. Bereits vorher hatte das Unternehmen angekündigt, dass konzernweit in diesen Wochen rund die Hälfte aller geplanten Flüge wegfallen. Die Folgen der Flugausfälle spürt natürlich auch der Flughafenbetreiber Fraport drastisch. In den vergangenen knapp zwei Wochen seit Anfang März sind die Fluggastzahlen bei Fraport um 35 Prozent eingebrochen. Im Frachtbereich ist der Rückgang mit acht bis zehn Prozent weit weniger stark und hat sich stabilisiert, weil China seine Wirtschaft langsam wieder hochfährt.  

"Das ist aber, um das sehr offen zu sagen, nur ein Teil der Wahrheit. Denn wir sehen von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, ein Stück weit einen Hochlauf, weil der Virus sich eben verstärkt auswirkt. Gucken wir uns also die aktuellen Wochentage an, dann liegen wir hier eher bei minus 45 Prozent, und Bewegungen noch bei minus 28 Prozent. Das wird jetzt aber eher in die Größenordnung Richtung Passagiere gehen".

Sagt Fraport-Chef Stefan Schulte heute bei der Vorlage der Geschäftsbilanz. Schulte befürchtet, dass sich durch das US-Einreiseverbot der Rückgang auf 60 Prozent ausweiten könnte.

Unbezahlter Urlaub oder Teilzeitarbeit sind Gebote der Stunde

Hier schließt sich der Kreis: Denn für die Fraport ist die Lufthansa vor allem an ihrem wichtigsten Standort in Frankfurt entscheidend. Zu normalen Zeiten sorgt der Lufthansa-Konzern am größten Flughafen Deutschlands für über zwei Drittel aller Flugbewegungen. Deswegen laufen seit Ende Februar Sparprogramme – bei Fraport ebenso wie bei Lufthansa. Durch unbezahlten Urlaub oder Teilzeitarbeit sollen die Personalkosten sinken. Neu-Einstellungen gibt es nur noch in einzelnen Ausnahmefällen, alle Kosten werden überprüft. Bei Fraport wird zudem das Instrument der Kurzarbeit massiv kommen.

"Das wird eher die Größenordnung Richtung 10.000 Mitarbeiter annehmen, davon gehe ich derzeit mal aus, ohne dass ich die exakte Zeit Zahl im Moment habe. Da werden wir Sie gerne im Nachgang dann informieren, wenn wir Kurzarbeit beantragen".

Wie sehr sich die Epidemie in diesem Jahr in die Bilanzen beider Konzerne fressen wird, ist noch nicht abzusehen. Zumindest Fraport aber geht aber davon aus, dass es sich um einen Einmaleffekt handelt, der also in einer überschaubaren Zeit dann auch vorbei sein wird.

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