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StartseiteInformationen am MorgenTrump spielte Corona-Gefahr bewusst herunter10.09.2020

Enthüllungen von Bob WoodwardTrump spielte Corona-Gefahr bewusst herunter

US-Präsident Donald Trump war schon lange über die Gefahren des Coronavirus informiert - und unternahm nichts. So schreibt es Reporter Bob Woodward in seinem neuen Enthüllungs-Buch und legt auch Belege vor. Doch auch Woodward selbst steht in der Kritik: Hätte er sein Wissen früher preisgeben müssen?

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump hat sich erneut in der Öffentlichkeit mit Mund-Nase-Schutz gezeigt.  (picture-alliance/dpa)
US-Präsident Donald Trump soll sein Wissen über die Corona-Pandemie nicht an die Bevölkerung weitergegeben haben (picture-alliance/dpa)
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Bob Woodward enthüllt: Trump wusste alles über die Corona-Krise und die Folgen. Donald Trump wusste alles – und Bob Woodward kann es in seinem Buch belegen: Er stützt sich auf die 18 Interviews, die der ehemalige Starreporter der "Washington Post" mit Wissen Trumps zwischen Februar und Juli dieses Jahres geführt und samt und sonders mitgeschnitten hat. Trump wusste demnach bereits Ende Januar von den Gefahren, die von diesem Coronavirus ausgehen.

"Ein tödliches Zeug", sagte Trump in einem Interview mit Woodward am 7. Februar. "Viel tödlicher als die härteste Grippe". Trump wusste auch, dass das Virus nicht nur eine Gefahr für ältere Menschen ist, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Er wusste das alles, seit sein Nationaler Sicherheitsberater Robert O´Brien seinen Präsidenten Ende Januar im Oval Office ins Bild setzte. Woodward zitiert O' Brien mit den Worten: "Herr Präsident, das ist die größte Bedrohung der nationalen Sicherheit, der Sie sich in Ihrer Amtszeit gegenübersehen werden". Trump wusste es nicht nur, er erzählte es auch Bob Woodward, der gemeinsam mit Carl Bernstein 1974 die Watergate-Affäre ins Rollen und Präsident Nixon zu Fall gebracht hatte.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Warum täuschte Trump die Öffentlichkeit?

Trump gab sein Wissen aber nicht an die Öffentlichkeit weiter, um sein Land und dessen Bürger zu schützen. Stattdessen tat Trump alles, um die Pandemie und ihre verheerenden Folgen zu verharmlosen, zu verheimlichen und zu vertuschen, so Woodward. Trump am 26. Februar: "Wir befinden uns in einem ausgezeichneten Zustand." Trump am 31. März: "Das Virus wird sich einfach verflüchtigen und wir werden einen großen Sieg feiern."

Aber warum? Warum täuschte Trump die Öffentlichkeit, warum blieb er untätig, warum betrieb er keine Krisenvorsorge und versetzte sein Land nicht umgehend in den Alarmzustand? Weil er die Krise bewusst herunterspielen wollte, antwortete Trump Bob Woodward bereits am 19. März: "I wanted to always play it down." Weil er keine Panik machen wollte.

Donald Trump im Weißen Haus (imago-images/Mediapunch) (imago-images/Mediapunch)USA:Trumps Impfstoff-Versprechen im Wahlkampf 
US-Präsident Donald Trump hat bereits mehrfach versprochen, dass ein Impfstoff gegen COVID-19 bald auf dem Markt sein wird. Möglichst vor der US-Wahl am 3. November. Behörden, Wissenschaftler und Pharmaunternehmen reagieren mit Besorgnis und distanzieren sich von Trump.

Kritik von Gouverneur

Woodward kommt zu einem vernichtenden Urteil: Trump sei zu keinem Zeitpunkt willens gewesen, alle Kräfte seiner Regierung zu mobilisieren, um der Lage Herr zu werden – stattdessen habe er stets versucht, die Schuld auf die Bundesstaaten abzuwälzen. Meine Güte, wenn er das gewusst hätte, so der demokratische Gouverneur von New Jersey im Interview mit CNN, dann hätte er schon damals seinen ganzen Bundesstaat dichtgemacht.

Joe Biden, der demokratische Gegenkandidat Donald Trumps im Präsidentschaftswahlkampf, reagierte umgehend: Trump attestierte er eine skandalöse Vernachlässigung seiner Amtspflichten, wie er sagte. Der Präsident sei eine Schande für das Land.

US Wahlkampf: Weiter alles abstreiten

Die mittlerweile über 190.000 Todesopfer und die über sechs Millionen Infizierten in den USA lasten schwer auf Donald Trump und seinem Wahlkampf. Aber sein Team bleibt dabei: Alles abstreiten. Regierungssprecherin Kayleigh McEnany behauptete gestern, der Präsident habe die Krise niemals heruntergespielt. Wo doch gerade bekannt geworden war, dass Trump die Krise immer herunterspielen wollte.  

Viele sagen: Angesichts der authentischen Mitschnitte gibt es jetzt nichts mehr abzustreiten. Bob Woodwards Buch hat in Donald Trumps Wahlkampf eingeschlagen wie eine Bombe. Doch schon sieht sich auch Bob Woodward mit einem Vorwurf konfrontiert: Um Menschenleben zu retten, hätte er sein Reporter-Wissen viel früher preisgeben müssen, heißt es.

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