Kommentare und Themen der Woche 14.02.2020

Entschädigung für VW-Dieselkunden Peinliches Gezerre Von Silke Hahne

Beitrag hören VW-Logo steht auf dem Verwaltungshochhaus vom Volkswagen Werk (picture alliance/Sina Schuldt/dpa)Das Volkswagenwerk in Wolfsburg (picture alliance/Sina Schuldt/dpa)

Das Scheitern der Verhandlungen zwischen dem größten Autobauer und der mächtigsten Verbraucherorganisation des Landes über eine Entschädigung für Dieselkunden sei einfach nur peinlich, kommentiert Silke Hahne. Im Interesse der Kunden sollten beide sich zusammenraufen und schnell einigen.

Der Abgasskandal hat heute eine weitere Farce hervorgebracht. Sowohl Volkswagen als auch der Verbraucherzentrale Bundesverband haben die Chance vertan, für rund 460.000 Kundinnen und Kunden eine einfache und rechtssichere Lösung zu finden. Beide stellen sich als Opfer in dieser Geschichte dar, aber verloren haben eigentlich nur die Halterinnen und Halter der Betrugs-Autos.

Um die sollte es ja eigentlich gehen in den Verhandlungen über einen Vergleich. Sogar auf eine konkrete Summe hatten sich die Parteien schon geeinigt. Nun aber überziehen sie sich mit Vorwürfen.

Volkswagen stellt die Anwälte der Verbraucherschützer nahezu als raffgierig dar: Sie sollen darauf bestanden haben, den Vergleich selbst abzuwickeln und dafür ein Honorar in nicht nachvollziehbarer Höhe gefordert haben. Die Verbraucherschützer wiederum bemühen das Narrativ vom Betrüger-Konzern, dem nicht zu trauen ist; und dem demnach auch die Abwicklung eines Vergleichs nicht in die Hände gelegt werden darf.

Ein peinliches Scheitern

Beide also nehmen für sich in Anspruch, Vorkämpfer für Transparenz zu sein. Doch egal, wie die Verhandlungen im Einzelnen abgelaufen sind: Dass sich der größte Autobauer und die mächtigste Verbraucherorganisation des Landes erst auf hunderte Millionen Euro Schadenersatz einigen, dann aber an einem technischen Detail scheitern, ist einfach nur peinlich.

Was aber heißt das nun für die Betroffenen? Denen bietet Volkswagen, ganz serviceorientiert, überraschend eine Einmalzahlung an. Über eine konzerneigene Internetplattform sollen Kundinnen und Kunden bald ein Angebot abrufen können. Das ist verlockend. Denn die Alternative ist, den unsicheren Ausgang der Musterfeststellungsklage abzuwarten. Und dann die eigenen Ansprüche individuell noch gerichtlich klären lassen zu müssen. All das könnte Jahre dauern.

Es gibt nur einen Ausweg

Doch wer das Volkswagen-Angebot annimmt, muss sich im Klaren darüber sein: Die Einmalzahlung des Konzerns wird niemand vorher im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher und unabhängig von Konzern-Interessen prüfen.

Aus dieser Zwickmühle gibt es eigentlich nur einen Ausweg: Wenn es ihnen wirklich um die Kundinnen und Kunden, um Vertrauen und gesellschaftlichen Frieden geht, sollten der Verbraucherzentrale Bundesverband und Volkswagen sich schleunigst zusammenraufen. 

Silke Hahne, Redakteurin für Wirtschaft und Gesellschaft. (Deutschlandradio / Bettina Fuerst-Fastre)Silke Hahne, Redakteurin für Wirtschaft und Gesellschaft. (Deutschlandradio / Bettina Fuerst-Fastre)Silke Hahne, geboren bei Köln. Studium Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus in Münster und Leipzig, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, Volontariat beim Deutschlandradio. Redakteurin in der Abteilung Wirtschaft und Gesellschaft.

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