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StartseiteVerbrauchertippWas es beim Erben und Vererben zu beachten gibt05.02.2020

ErbrechtWas es beim Erben und Vererben zu beachten gibt

Digitaler Nachlass, Erbgemeinschaften oder Berliner Testament: Das Erbe ist nicht nur ein oft verdrängtes Thema, das deutsche Erbrecht ist zudem kompliziert. Aber wer sich rechtzeitig damit beschäftigt, sorgt für die Absicherung von Angehörigen und für den Frieden in der eigenen Familie.

Kleine Spielfiguren von Trauernden stehen auf Türmen von Münzen (imago images/Wuest/Eibner-Pressefotox EP_fwt)
Das Erbrecht ist kompliziert, Familienkonstellationen manchmal auch - weniger Streit entsteht, wenn im Testament möglichst viel detailliert geregelt wurde. (imago images/Wuest/Eibner-Pressefotox EP_fwt)
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Beim Erbrecht spielt das eigene Familienmodell eine entscheidende Rolle. Ist man verheiratet, lebt man in einer Patchworkfamilie und gibt es Kinder?

Für Eheleute: Was ist das sogenannte Berliner Testament?

Das sogenannte Berliner Testament wird in Deutschland häufig genutzt, um den überlebenden Ehepartner als Alleinerben wirtschaftlich abzusichern. Die Kinder sind in der Regel Schlusserben, das heißt sie erben erst dann, wenn ihr zweiter Elternteil verstirbt.

Sie können allerdings beim überlebenden Elternteil den Pflichtteil des Erbes des Verstorbenen einfordern. Eine Strafklausel im Berliner Testament soll allerdings verhindern, dass das für den länger lebenden Elternteil gravierende Folgen hat, etwa weil er sein Haus verkaufen muss.

Das Berliner Testament - Absicherung mit Tücken

Das Testament kann nach dem Tod des ersten Ehepartners nicht mehr verändert werden – außer der sogenannte Änderungsvorbehalt wird bereits beim Aufsetzen des Testaments berücksichtigt.

Heiratet ein Ehepartner nach dem Tod erneut, kann das finanzielle Nachteile für die Kinder bedeuten, denn dem neuen Partner stehen Erb- und Pflichtteilsansprüche in voller Höhe zu. Das gilt auch für Kinder, die daraus hervorgehen oder adoptiert werden.

Beim Berliner Testament ist das Erbe bis zu einem Betrag von 400.000 Euro steuerfrei. Bei Scheidung der Eheleute vor dem Tod ist das Testament unwirksam.

Wie regelt man das Erbe in einer Patchworkfamilie?

Viele Paare leben unverheiratet zusammen. Wenn Kinder aus einer früheren Partnerschaft mit in die neue Beziehung gebracht werden, spricht man von einer Patchworkfamilie.

Hat man kein Testament aufgesetzt, gilt die gesetzliche Erbfolge – ob mit oder ohne Trauschein: In Deutschland ist das ein Blutsverwandtenrecht. Für Patchworkfamilien bedeutet das, dass die Kinder die alleinigen Erben sind.

"Wenn kein Testament vorhanden ist, dann geht eben die Lebenspartnerin leer aus", sagt der Bochumer Rechtsanwalt und Notar Axel Janitzki. Aber auch die leiblichen Kinder der Partnerin können leer ausgehen.

Erbe in der Patchwork-Familie

Insbesondere dann, wenn es beim Erbe um eine Immobilie geht, wird es kompliziert. Hat etwa der zuerst verstorbene Partner und Eigentümer eines Hauses seine Partnerin zur Alleinerbin eingesetzt, dann erben nach deren Tod nur deren leibliche Kinder, und die Nachkommen des ehemaligen Immobilienbesitzers erhalten nichts. Wenn die gesetzliche Erbfolge eintritt, kann die Wohnsituation für den überlebenden Partner gefährdet sein. Hier empfiehlt sich in jedem Fall eine testamentarische Regelung.

"Also jeder, der mit jemand anderem zusammen wohnt, sollte sich Gedanken machen, dass diese Wohnsituation auch gesichert ist für den Fall, dass er nicht mehr lebt", so Janitzki.

Um Konflikten vorzubeugen, kann auch eine Vor- und Nacherbefolge in Betracht kommen. Dabei setzen sich die Partner zu gegenseitigen Alleinerben ein. Allerdings nur als Vorerbe, während die jeweiligen eigenen Kinder dann die Nacherben sind. Damit soll sichergestellt werden, dass die eigenen leiblichen Kinder nicht leer ausgehen – soweit das Vermögen noch vorhanden ist. Eine Einschränkung, die durchaus zu Auseinandersetzungen innerhalb einer Patchworkfamilie führen kann. 

"Jeder, der mit jemand anderem zusammen wohnt, sollte sich Gedanken machen, dass diese Wohnsituation auch gesichert ist für den Fall, dass er nicht mehr lebt." Rechtsanwalt Axel Janitzki (imago images / rheinmainfoto) (imago images / rheinmainfoto)

Wie verwaltet man den Nachlass in einer Erbengemeinschaft?

Beim Vererben werden nicht selten mehrere Personen bedacht, die dann das Erbe selbständig untereinander aufteilen müssen – eine sogenannte Erbengemeinschaft. Wie groß der Anteil der Mitglieder am Erbe ist, entscheidet das Testament oder die gesetzlich festgelegte Erbquote. Wie die einzelnen Objekte des Nachlasses aber konkret aufgeteilt werden, ist oft nicht testamentarisch festgelegt und somit den Erben überlassen. Entscheidungen, beispielsweise über den Verkauf des Hauses, müssen einstimmig gefällt werden.

Wenn sich eine Person nicht an den gemeinsamen Entscheidungen beteiligen möchte, kann sie die Erbengemeinschaft auch verlassen, indem sie ihren Erbteil verkauft. "Die Mitglieder der Erbengemeinschaft haben dann ein Vorkaufsrecht", so Katja Habermann, Fachanwältin für Erbrecht aus Hamburg. Ansonsten kann auch an Dritte verkauft werden.

Rechte und Pflichten in der Erbengemeinschaft (03:48)

Sollte eine gemeinschaftliche Einigung über die Verteilung langfristig nicht funktionieren, gibt es außerdem die Möglichkeit, dieses gerichtlich klären zu lassen. Es kann etwa eine Nachlassverwaltung beantragt werden.

Oftmals herrscht unter den Erbenden wenig Einigkeit. Weswegen Erbrechtsanwältin Habermann die Bildung von Erbengemeinschaften generell kritisch sieht.

Eine Alternative zur Erbengemeinschaft wäre, im Testament einen Haupterben zu benennen, der die Verteilung des Nachlasses regelt. Oder den Erben schon zu Lebzeiten den Nachlass zu übertragen, etwa Immobilien zu überschreiben oder Geld auszuzahlen.

Wie regelt man den digitalen Nachlass?

E-Mails, Fotos, Videos, Chat-Verläufe, Konto-Daten – der Wust an digitalen Hinterlassenschaften kann heutzutage sehr groß sein. Sich darüber im Klaren zu sein, was man eigentlich hinterlässt, ist zunächst der wichtigste Punkt. Im zweiten Schritt stellt sich die Frage, was mit dem digitalen Nachlass passieren soll. Sollen die Angehörigen überhaupt Zugriff darauf haben?

 Symbolfoto zum Thema Uploadfilter. Die App von YouTube mit dem Schliessen -Kreuz ist auf einem Handydisplay zu sehen. Berlin, 26.03.2019. Berlin Deutschland *** Symbol photo for upload filter The YouTube app with the close cross can be seen on a mobile phone display Berlin 26 03 2019 Berlin Germany PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xFlorianxGaertner/photothek.netx (imago images / photothek / Florian Gaertner) (imago images / photothek / Florian Gaertner)Digitaler Nachlass - "Das Sicherste ist natürlich ein Testament"
 Ulrich Waldmann hat Usern empfohlen ein Testament zu schreiben, was den gewünschten Umgang mit dem digitalen Nachlass beschreibt. Dabei müsse man sehr genau vorgehen und alles aufschreiben, sagte der Fraunhofer-Forscher im Dlf.

Christian Friemel, Pressesprecher der E-Mail-Anbieter gmx.de und web.de, empfiehlt, eine Liste der vorhandenen Online-Konten und auch der dazugehörenden Passwörter und Nutzernamen zu erstellen. Dieses Dokument sollte allerdings nicht digital gespeichert, sondern ausgedruckt und an einem sicheren Ort abgelegt werden.

Alternativ könne man für alle Online-Konten dieselbe Referenz-Emailadresse nutzen, so Friemel. Wenn man bei den Konten jeweils ein neues Passwort anfordert, landen die entsprechenden E-Mails im selben Postfach. In dem Fall muss für die Angehörigen nur das Passwort des E-Mail-Kontos hinterlegt werden.

Weitere Möglichkeiten, Login-Daten zu hinterlassen sind laut Rechtsanwalt Moritz Indenhuck verschlüsselte USB-Sticks, Bankschließfächer und seriöse Passwort-Manager. Auch mit einer postmortalen Vollmacht könne der digitale Nachlass verwaltet werden:

"Diese postmortale Vollmacht, die kann ich auch Personen erteilen, die nicht meine Erben sind. Da reicht ein einfaches Dokument."

Den digitalen Nachlass regeln (04:03)

Das Hinterlegen oder Weitergeben von Zugangsdaten schafft unter Datenschutzgesichtspunkten immer eine offene Flanke. Aber es erleichtert auch nach dem Tod den tatsächlichen Zugriff.

Egal wofür man sich letztendlich entscheidet: Die Regelungen, die man zu seinem digitalen Nachlass trifft, hält man am besten im Testament fest und hinterlegt dies in einem Bankschließfach oder bei einem Notar, so Pressesprecher Christian Friemel.

Verbote, die die Weitergabe von Zugangsdaten verhindern und in den Nutzungsbedingungen der Anbieter verankert sind, greifen in diesem Fall nicht. Der Anspruch auf Zugang zu den Daten wurde 2018 vom Bundesgerichtshof in einem wegweisenden Urteil bestätigt.

Baden-Württemberg, Karlsruhe: Der Dritte Zivilsenat beim Bundesgerichtshof (BGH), Susanne Arend, Ulrike Liebert, Ulrich Herrmann (Vorsitz), Babette Pohl und Valeska Böttcher (v-l), verkündet das Urteil, ob Eltern auf das Facebook-Konto ihrer toten Tochter zugreifen dürfen. Laut dem Urteil muss Facebook den Eltern eines toten Mädchens als Erben Zugang zu dem seit fünfeinhalb Jahren gesperrten Nutzerkonto der Tochter gewähren. (Uli Deck/dpa) (Uli Deck/dpa)BGH-Urteil zum digitalen Nachlass
Der BGH hat entschieden: Eltern dürfen auf das Facebook-Konto ihrer verstorbenen Tochter zugreifen, es wird Teil der Erbmasse. Durch diese Entscheidung würden Vorsorge und Pflege des digitalen Nachlasses für die User noch wichtiger, sagte der Medienrechtler Nikolas Guggenberger im Dlf.

Warum ist Enterben nur im Extremfall möglich?

Die gesetzliche Erbfolge ist in Deutschland ein Blutsverwandtenrecht und in Erbordnungen eingeteilt. Die erste Ordnung sind die Kinder des Erblassers.

Wenn sich Eltern und ihre Nachkommen zerstreiten, kann mitunter eine Enterbung im Raum stehen. Einfach ist das allerdings nicht: Wem auch immer der Erblasser die eine Hälfte des Vermögens in seinem Testament zugesprochen hat, die andere Hälfte steht als Pflichtteil selbst den ungeliebten Kindern zu. Von gravierenden Ausnahmefällen abgesehen, etwa wenn der Erbe eine vorsätzliche Straftat gegen den Erblasser oder gegen dessen Angehörige begangen hat.

Lediglich in solchen Härtefällen kann man vom Erbe des Pflichtteils ausgeschlossen werden. Wer seinen nächsten Angehörigen nichts oder nur wenig hinterlassen möchte, für den gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann er es sich noch zu Lebzeiten sein Vermögen ausgeben oder an Dritte verschenken. Bei Schenkungen gilt allerdings: Erst nach zehn Jahren hat der Erbe keinen Anspruch mehr auf das verschenkte Vermögen. Bei kürzeren Zeiträumen gibt es eine Staffelung von immer zehn Prozent bis hin zur Gegenwart. Wenn man also etwas im letzten Jahr was verschenkt hat, dann gelten noch 90 Prozent. 

Zudem bietet sich noch die Möglichkeit, das Vermögen in eine selbstgegründete Stiftung einzubringen. Für eine gute Vorsorge rät Rechtsanwältin Dr. Katja Mihm bereits zu Lebzeiten einen Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter einzusetzen.

Enterben ist nur im Extremfall möglich (3:47)

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