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StartseiteVerbrauchertippDen Erbstreit schlichten durch Mediation27.07.2020

ErbschaftDen Erbstreit schlichten durch Mediation

Ob mit oder ohne Testament - sein Erbe oder den Pflichtteil dann auch zu bekommen, kann mitunter Jahre dauern, wenn Gerichte über den Nachlass entscheiden müssen. Da helfen Anwälte für Erbrecht, die auf die Mediation spezialisiert haben.

Von Beatrice Zajda

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Nahaufnahme von Händen  - im Hintergrund zwei Personen unscharf (Getty Images )
Noch eine Ausnahme: Mediationen im Erbstreit (Getty Images )
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Nicht jedes Testament ist eindeutig und rechtssicher formuliert. Auch eine gesetzliche Erbfolge kann in der praktischen Umsetzung zu Problemen führen. In beiden Fällen kommt es oft zu Streit - etwa über den Wert eines Hauses oder Fahrzeugs. Es herrscht Funkstille. Eine Mediation hilft diese Konflikte zu lösen.

"Dann würde ich tatsächlich anbieten, dass ich die Gegenseite anspreche, wenn tatsächlich kein Kontakt zwischen den potentiellen Konfliktparteien besteht und darauf hinweise, ob eine Mediation möglich erscheint. Das sind die absoluten Ausnahmefälle. Weil, normalerweise gehen die Leute erst mal zum Anwalt, dann sind es die Anwälte, die auf mich zukommen und nach den Möglichkeiten einer Mediation für ihren Fall fragen", sagt die promovierte Fachanwältin für Erbrecht Annette Wittmütz aus Köln.

Stressfrei ohne Gericht

Sie bildet Mediatoren aus und hat selbst den einen oder anderen Erbstreit geschlichtet. Mediation ist auch selbst dann möglich, wenn beide Parteien nicht miteinander reden: "Bei ‚Shuttle-Mediation’ kann man entweder am Telefon arbeiten oder man kann sie auch ins Büro holen und dann tatsächlich auf verschiedene Räume verteilen und dann von Raum zu Raum laufen und jeweils übermitteln, was die andere Konfliktpartei gesagt hat, am besten natürlich mit der entsprechenden Visualisierung. Also ich arbeite da ganz altmodisch mit Flipcharts. Aber Ziel ist natürlich, im Laufe der Mediation oder zum Ende der Mediation hin, dass es irgendwann wieder möglich ist, an einem Tisch miteinander zu sitzen."

Voraussetzung einer Mediation ist allerdings: Alle Erben müssen dem zustimmen. Ist ein Mitglied der Erbengemeinschaft nicht mit einer gütlichen Mediation einverstanden, wird die Erbmasse gerichtlich aufgeteilt. Das kann sich unter Umständen über viele Jahre hinziehen. Eine Mediation spart nicht nur Zeit, so Wittmütz.

Einigung durch Kompromiss

"Das empfiehlt sich auch, dass ich am Wochenende oder in der Woche einen ganzen Tag anbiete, dass man dann tatsächlich versucht, an einem Tag – mit ein paar Pausen - die Sache durchzubekommen und mit entsprechendem Zeitdruck ist da manchmal die Einigungsbereitschaft höher. Mediationen werden nach Stundenhonorar abgerechnet, sodass da natürlich eine ganz große Kostenersparnis damit verbunden ist."

Uta Schlesinger aus Bergisch-Gladbach hat selbst eine Mediation mitgemacht: "Ich glaube, wenn wir die Mediation nicht gemacht hätten, hätten wir heute keinen Kontakt mehr. Mir hat mal ein Anwalt gesagt: ‚Wie hoch schätzen Sie Ihre Erfolgswahrscheinlichkeiten bei einem Gerichtsprozess ein, dann sagt jeder: 80 Prozent. Da sind Sie aber bei 160 Prozent‘, und da kann irgendetwas nicht stimmen. Und deswegen wird man beim Gerichtsprozess selten da rauskommen, wo man vorher gedacht hat. Und dann geht man in den Vergleich, jeder ist unzufrieden, während man bei einer Mediation ein besseres Gefühl hat. Es ist finanziell nicht schlechter, und die persönliche Ebene ist bedient worden."

Mediationen sind im Erbstreit eher noch die Ausnahme. Wollen jedoch Erben eine gütliche und schnelle Einigung erreichen, stellen Mediationen eine Alternative dar.

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