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StartseiteVerbrauchertippVerschenken mit warmer Hand kann Steuern sparen09.01.2019

Erbschaft oder SchenkungVerschenken mit warmer Hand kann Steuern sparen

Wer Teile seines Vermögens noch zu Lebzeiten den Nachkommen schenkt, anstelle sie nach seinem Tod zu vererben, kann damit Steuern sparen. Denn so können völlig legal Freibeträge ausgeschöpft werden. Und noch etwas spricht dafür: Streitigkeiten unter den Erben im Todesfall lassen sich so vermeiden.

Von Klaus Deuse

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Die Illustration zeigt links einen Mann, der in einem mit vielen Münzen gefüllten Sparschwein steht und eine Münze hochhält. Rechts sitzt ein Mann in einem fast leeren Sparschwein.  (imago stock&people)
Schenkung vs. Erbschaft: Im Erbschaftsfall lässt sich der Freibetrag nur einmal beanspruchen, bei Schenkungen kann man den Freibetrag alle zehn Jahre aufs Neue ausschöpfen (imago stock&people)
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Auch wenn viele den Gedanken an den eigenen Tod lange verdrängen, sollte man sich vorsorglich damit auseinandersetzen, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Eigentümerin eines Mehrfamilienhauses Beate Graf.

"Man möchte natürlich auch seinen Erben etwas hinterlassen, was man selbst mühsam aufgebaut hat und für das man auch schon sehr viel Steuern bezahlt hat. Und dann ist es nicht einzusehen, dass die Nachkommen das Ganze noch mal versteuern sollen."

Das Vermögen "mit warmer Hand schenken"

Immerhin: Zumindest teilweise lassen sich solche Steuern durchaus umgehen. Und zwar ganz legal, sagt der Bochumer Steuerberater Dr. Heiner Adamsen.

"Vor dem Erbfall besteht natürlich die Möglichkeit, das Vermögen sozusagen mit warmer Hand zu schenken, wie wir das ausdrücken."

Auf diese Weise lassen sich außerdem noch Streitigkeiten unter den Erben im Todesfall vermeiden. Ganz abgesehen davon können Kinder finanzielle Zuwendungen im Alter von 30 Jahren oft viel besser gebrauchen als wenn sie erst viele Jahre später über das Erbe das Geld erhalten. Ob Schenkungen oder Erbschaft: in beiden Fällen gibt es, gestaffelt nach Verwandtschaftsgrad, nennenswerte Euro-Freibeträge, erläutert Steuerberater Adamsen.

"Der Ehegatte hat einen Freibetrag von 500.000 plus einen bestimmten Versorgungsfreibetrag, der dazu kommt. Jedes Kind, gegenüber jedem Elternteil, hat einen Freibetrag von 400.000 nach jetzigem Recht."

Bei Schenkung den Freibetrag alle zehn Jahre ausschöpfen

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Im Erbschaftsfall lässt sich der Freibetrag nur einmal beanspruchen. Bei Schenkungen dagegen kann man den Freibetrag alle zehn Jahre aufs Neue ausschöpfen. Stirbt der Schenker jedoch vor Ablauf der Zehnjahresfrist, dann fällt dieses Vermögen wieder in die Erbmasse und muss unter Umständen nachträglich versteuert werden. Darum kann es sich auszahlen, früh über Schenkungen nachzudenken. Das kann sich besonders bei Häusern und Eigentumswohnungen auszahlen. Denn wenn die durch steigende Immobilienpreise deutlich wertvoller werden, fällt auch die Erbschaftssteuer höher aus. Bei einer Schenkung jedoch wird immer der Wert zum Schenkungstag zu Grunde gelegt, betont Steuerberater Adamsen. Das heißt:

"Weil die Wertsteigerung bei den Kindern stattfindet und nicht erst zu höheren Werten später von den Eltern auf die Kinder übertragen werden und die Freibeträge schneller ausgeschöpft sind."

Schenkungen dokumentieren

Schenkungen sollten immer dokumentiert werden. Bei Geld oder Gegenständen ist das formlos möglich. Da genügt es, die Namen der Beteiligten und den Gegenstand der Schenkung festzuhalten und das Schriftstück von allen unterschreiben zu lassen. Schenkungen von Immobilien dagegen müssen notariell beglaubigt werden. Wer seinen Kindern das Haus schenken möchte, in dem er selbst wohnt und noch eine Weile wohnen bleiben möchte, sollte bei aller Liebe vorsichtig sein und sich in jedem Fall das Wohnrecht im Grundbuch eintragen lassen. Steuerberater Heiner Adamsen:

"So dass man im Prinzip hier auch das Haus schon an die nächste Generation verschenkt hat, aber immer noch praktisch im Hause leben kann, als wäre man Eigentümer."

Im Fall von Mietobjekten kann man ein Nießbrauchsrecht vereinbaren, das dem Schenker weiterhin bis zum Tod die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sichert. Gut überlegt und rechtzeitig in die Wege geleitet, kann ein Verschenken mit "warmer Hand" den Nachkommen so eine Menge Steuern ersparen.

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