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StartseiteForschung aktuellFünf Minuten bis zur Warnung05.02.2019

Erdbeben-Alarmsystem in NRWFünf Minuten bis zur Warnung

Wenn die Afrikanische Platte gegen Eurasien drückt, kommt es auch in Nordrhein-Westfalen gelegentlich zu Erdbeben. Das ist riskant, denn die Region ist dicht besiedelt, es gibt viel Infrastruktur und Industrie. Das Alarmsystem des Landeserdbebendienstes NRW soll Rettungskräfte rechtzeitig warnen.

Von Dagmar Röhrlich

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Seismograph der Erdbebenwarte Bensberg in Bergisch-Gladbach. (dpa / lnw )
Ein großes Erdbeben in der niederrheinischen Bucht könnte "katastrophale Folgen" haben, so Klaus Lehmann vom Landeserdbebendienst NRW. (dpa / lnw )
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Alle 13 Jahre verursacht in der niederrheinischen Bucht ein Erdbeben Gebäudeschäden - jedenfalls statistisch gesehen. Der Grund dafür ist weiter viel weiter südlich zu finden: Die Afrikanische Platte drückt gegen Eurasien. Und diese Kräfte falten nicht nur die Alpen auf, sondern sie lassen auch zwischen Basel und den Benelux-Staaten immer wieder einmal die Erde beben.

Klaus Lehmann: "Jeder hier in der niederrheinischen Bucht kennt noch das Erdbeben von 1992. Wir nennen es das Erdbeben von Roermond. Es hatte eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala, hat damals zu 30 Verletzten auf deutscher Seite geführt, insgesamt zu einem Sachschaden von 100 Millionen Euro."

"Katastrophale Folgen"

Klaus Lehmann ist Leiter des Landeserdbebendienstes NRW. Die Erdbeben in der niederrheinischen Bucht sind jedoch so selten, dass die Erinnerung an sie immer wieder verblasst. Doch das Risiko bleibt.

Lehmann: "1756 war bei Düren ein Erdbeben, dem man heute die Stärke 6,4 auf der Richterskala zuordnen würde. Wäre solch' ein Beben heute, wo wir heute natürlich eine sehr viel kompliziertere Infrastruktur haben, sehr viel mehr Industrialisierung, dann würde das weitaus katastrophale Folgen haben. Und mit unserem Erdbebenalarmsystem haken wir genau hier ein."

Das Alarmsystem arbeitet vollautomatisch. Die Daten der Erdbebenstationen in NRW laufen kontinuierlich beim Landeserdbebendienst ein und werden vom Computer analysiert. Der stellt im Ernstfall zunächst fest, dass die Wellen tatsächlich von einem Erdbeben in der niederrheinischen Bucht stammen. Ganz ähnlich aussehende Signale könnten von einem weit entfernten Ereignis stammen - oder von einer Sprengung. Dann wird berechnet, wie stark das Erdbeben ist. Falls es Magnitude 3 überschreitet, alarmiert das System automatisch die Rettungsbehörden - innerhalb von fünf Minuten.

Klaus Lehmann: "Und zwar möchten wir, dass den Rettungsbehörden mitgeteilt wird, in welchem Bereich ist mit Schäden zu rechnen. Das heißt, die Rettungsbehörden müssen nicht erst gucken, wer macht welche Meldung, sondern die können sagen, wir setzen gezielt unsere Einsatzkräfte in einen Bereich und ziehen die Kräfte von woanders entsprechend zusammen."

Schneller als veranschlagt

Die automatische Warnung wird im Nachhinein von den Experten überprüft, aber das dauert länger, und in der Zwischenzeit können die Behörden bereits anfangen zu arbeiten. Dass das System funktioniert, hat sich am 26. Mai 2018 gezeigt.

Klaus Lehmann: "Das war jetzt ein Erdbeben an der belgisch-niederländischen Grenze, etwa 30 km von Deutschland entfernt. Statt der veranschlagten fünf Minuten hat das System sogar schon in vier Minuten die Meldung raus geschickt gehabt. Wir haben in einer manuellen Überprüfung dieser Meldung gesehen, die Meldung war durchaus richtig, man musste nur ganz leichte Korrekturen in der Lokalisierung annehmen."

Dieses Erdbeben hatte eine Magnitude von 3,2, war also zu schwach, um Schäden zu verursachen, aber stark genug, um die Menschen zu beunruhigen. Deshalb wurde die Magnitude 3 als Grenzwert für die Warnung gewählt, obwohl Gebäudeschäden erst bei stärkeren Beben zu erwarten sind. Dass mehrere Minuten bis zur Alarmierung vergehen, lasse sich nicht vermeiden, erklärt Klaus Lehmann.

Klaus Lehmann: "Es gibt tatsächlich Systeme, die mit schnelleren Alarmierung arbeiten, aber hier hat man es mit sehr viel stärkeren Erdbeben zu tun. Und bei sehr starken Erdbeben ist man in der Lage, auch bereits nur ein Teil des Seismogramms zu bearbeiten, um eine Information raus kriegen. Bei uns geht das nicht."

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