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StartseiteUmwelt und Verbraucher2020 brachte weltweit Rekordtemperaturen08.01.2021

Erderwärmung2020 brachte weltweit Rekordtemperaturen

Das Jahr 2020 geht neben 2016 als wärmstes in die Geschichtsbücher ein. Die Temperatur lag weltweit 1,25 Grad über dem vorindustriellen Niveau, so der Copernicus-Dienst zur Erforschung des Klimawandels. Diese Daten belegten deutlich die Erderwärmung, erläutert Wissenschaftsjournalist Georg Ehring.

Von Georg Ehring

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Das Kraftwerk Neurath von RWE vor einem roten Abendhimmel.  (picture alliance / Geisler-Fotopress)
Warm und immer wärmer: In Europa war es 2020 wärmer als im 30jährigen Referenzzeitraum 1981 bis 2010 (picture alliance / Geisler-Fotopress)
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2020 war das wärmste Jahr, das in Europa jemals gemessen wurde. Auch weltweit hält es den Rekord, zusammen mit dem Jahr 2016 – vor vier Jahren war es schon mal genauso heiß. Das ergeben die Daten des Klimawandeldienst der EU, Copernicus Climate Change Service C3S, kurz Copernicus. Dieser fahndet nach den Spuren des menschengemachten Klimawandels.

Nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation WMO vom Dezember dürfte 2020 eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts sein. Genauere Daten wird die Organisation im März bekannt geben. Für Deutschland war 2020 nach ersten Analysen des Deutschen Wetterdienstes das zweitwärmste Jahr seit Messbeginn 1881. Es handelt sich demnach um das zehnte Jahr in Folge, in dem die Durchschnittstemperatur das vieljährige Mittel übertraf.

Georg Ehring, Wissenschaftsjournalist mit dem Fachgebiet Klima, erklärte im Deutschlandfunk das Ergebnis der Copernicus-Auswertungen: Diese bestätigten, dass die Entwicklung im Hinblick auf den Klimawandel noch schlimmer werde, so Georg Ehring.

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Auch wenn alle selbst gesteckten Ziele derzeit eingehalten würden, verfehlt die Weltgemeinschaft ihre Klimaziele. Das belegt eine Studie des UN-Umweltprogramms. 

Welche Spuren zeigt die Auswertung?

Auch in den weltweiten Temperaturstatistiken des Jahres 2020 finden sich deutliche Spuren der Erderwärmung: 2020 war nach Angaben des Europäischen Forschungsdienstes Copernicus gleichauf mit 2016 das wärmste Jahr seit Messbeginn Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Schnitt lagen die Temperaturen um 1,25 Grad über dem Niveau vor der Industrialisierung. Im Pariser Klimaabkommen strebt die Weltgemeinschaft bis Ende des Jahrhunderts eine Begrenzung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich sogar unter 1,5 Grad an. Die 1,5 Grad sind mit den neuen Daten schon heute ziemlich nahe.

Besonders warm war es 2020 im hohen Norden, also in der Arktis und im Norden Sibiriens. Da gab es Temperaturunterschiede von im Schnitt bis zu sechs Grad gegenüber den normalen Werten. Hier gab es katastrophale Waldbrände und eine große Eisschmelze.

In Europa war es so warm wie nie zuvor seit Messbeginn, ebenso auf der Nordhalbkugel insgesamt. Steigende Temperaturen – das ist auch ein weltweiter Trend: Die sechs wärmsten Jahre waren die Jahre seit 2015 und die vergangene Dekade war die wärmste seit Messbeginn. Seit den 1960er-Jahren war jede Dekade wärmer als die zuvor – das sind schon deutliche Spuren des Klimawandels.

Copernikus ist eine von sechs Messinstitutionen, die diese Daten messen und auswerten, die Ergebnisse werden von der zusammengefasst im März, das sind dann die offiziellen Zahlen.

Das Europäische Copernicus-Projekt ist eine von sechs Institutionen weltweit, die jeden Monat Berechnungen zur Erderwärmung herausgeben. Voraussichtlich im März wird die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) daraus eine Gesamtauswertung vorlegen.

Diese Daten scheinen in ihrer Tendenz sehr eindeutig zu sein. Gibt es gegenläufige Entwicklungen?

Generell auf der Südhalbkugel, hier macht sich "La Nina" bemerkbar, eine Abkühlung im östlichen Pazifik entlang des Äquators, die normalerweise für kältere Temperaturen insgesamt auf der Welt sorgt.

Auch in einer Region des Atlantiks südlich von Grönland gibt es seit Jahren gegen den weltweiten Trend eine Abkühlung. Die Ursache ist hier das Schmelzwasser des grönländischen Eispanzers, der immer stärker schrumpft und dessen Schmelze zum Anstieg des Meeresspiegels beiträgt.

Copernicus überwacht auch die Atmosphäre und misst CO2-Konzentrationen. Wie sieht es da aus?

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist weiter gestiegen, wenn auch langsamer als 2019. Im vergangenen Jahr hat sie 413 ppm erreicht, also CO2-Molekülen pro eine Million Luftmoleküle. Das entspricht 0,0413 Prozent. Die Corona-Pandemie hat zwar dafür gesorgt, dass im vergangenen Jahr deutlich weniger CO2 in die Atmosphäre entlassen wurde. Doch die Konzentration des Treibhausgases in der Atmosphäre würde allerdings nur dann sinken, wenn die Emissionen auf null reduziert würden – CO2 baut sich in der Luft nur sehr langsam, über Jahrzehnte bis Jahrhunderte, ab.

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Bestätigt die Copernicus-Auswertung, was wir bereits wissen oder ist es noch schlimmer als gedacht?

Die Copernicus-Auswertung bestätigt, dass es noch schlimmer wird. Gerade der Umstand, dass 2020 trotz "La Nina" so warm war, ist sehr alarmierend.

Mehr zu Copernicus:
Der Klimawandeldienst der EU (Copernicus Climate Change Service, C3S) erstellt monatlich Berichte über die Lufttemperatur, das Meereis und den Wasserkreislauf. Dabei wird auf Daten von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen rund um den Globus zurückgegriffen.
Der Klimawandeldienst erhebt eigene Daten und nutzt weitere Aufzeichnungen von Bodenstationen, Ballons, Flugzeugen und Satelliten, die bis 1950 zurückreichen.
(Quelle: dpa)

Mehr zum Ergebnis der aktuellen Auswertungen:
In Europa war das Jahr durchschnittlich 1,6 Grad Celsius wärmer als im 30-jährigen Referenzzeitraum 1981 bis 2010 - und 0,4 Grad wärmer als das bisherige europäische Rekordjahr 2019. 'Weltweit schnitt 2020 genauso ab wie das Hitze-Rekordjahr 2016. Die Temperaturen lagen 0,6 Grad höher als im Referenzzeitraum 1981 bis 2010. Vergleicht man 2020 mit den Temperaturen des vorindustriellen Zeitalters, war es sogar 1,25 Grad wärmer. In einigen Fällen nutzt der Klimawandeldienst auch Datenreihen bis 1850. Auch die CO2-Konzentration in der Atmosphäre stieg dem Bericht zufolge erneut an.
(Quelle: dpa)

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