Dienstag, 23.10.2018
 
Seit 09:10 Uhr Europa heute
StartseiteDeutschland heuteDie lange Geschichte der Ditib-Moschee28.09.2018

Erdogan-Besuch in KölnDie lange Geschichte der Ditib-Moschee

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eröffnet am Wochenende offiziell die Ditib-Zentralmoschee in Köln - neun Jahre nach der Grundsteinlegung. Proteste gegen die Moschee hat es immer wieder gegeben, erinnern sich Kölner Politiker. Vom Islamverband selbst sind sie enttäuscht.

Von Jonas Panning

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Tauben fliegen am 13.12.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) über die Zentralmoschee. Die türkisch-islamischen Union, Ditib, rechnet mit einer Fertigstellung des Moschee-Naubaus zum Beginn des Ramadan-Festes im Juni 2014.  (dpa / Oliver Berg)
Die Ditib-Zentralmoschee gehört zu den größten islamischen Gotteshäusern in Europa (dpa / Oliver Berg)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Staatsbesuch in Deutschland "Erdogan kommt als Freund"

Cem Özdemir "Ich will Erdogan an die unangenehmen Themen erinnern"

Erdogan auf Staatsbesuch in Deutschland Roter Teppich für einen Autokraten

Diskussion über Moscheeverband DITIB "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen"

Moscheeverband DITIB - ein Fall für den Verfassungsschutz

An der Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld finden die letzten Vorbereitungen statt. Bauarbeiter stellen einen Sichtschutz auf: eine Sicherheitsmaßnahme für den Besuch des türkischen Staatspräsidenten. Wenn die Zentralmoschee des Islamverbandes Ditib morgen eröffnet wird, wäre Fritz Schramma gerne dabei gewesen. Er war bis 2009 Oberbürgermeister der Stadt Köln und hat sich lange für ihren Bau eingesetzt:

"Da gab es zunächst einen Wettbewerb – einen internationalen Wettbewerb. Den hat interessanterweise ein Kölner Architekt gewonnen. Paul Böhm, der bis dato noch nie für muslimische Auftraggeber gearbeitet hatte, allerdings erfahren war im Bau von Kirchen, christlichen Kirchen. Das war für ihn eine zentrale Herausforderung."

Die Moschee wirkt pompös: 35 Meter hoch ist die Kuppel. Daneben ragen zwei 55 Meter hohe Minarette in die Luft. Sie ist mit 1.200 Plätzen die wohl größte Moschee in Europa – außerhalb der Türkei. Geplante Baukosten: zwischen 15 und 17 Millionen Euro. Tatsächliche Baukosten: geschätzt 35 Millionen Euro. Doch bis die Moschee erste Gläubige zum Beten nutzen konnten, vergingen Jahre. Im Winter 2009 fand die Grundsteinlegung statt, erst im Sommer letzten Jahres wurde sie in Betrieb genommen. In der Zwischenzeit gab es große Proteste und viel Ärger, erinnert sich CDU-Politiker Schramma:

Vom Moscheebeirat zum "Bau-Beirat"

"Angefangen mal von der eigenen Partei. Dann darüber hinaus natürlich bei vielen Menschen vor Ort, die damalige Gruppe 'Pro Köln' an der Spitze. Aber auch viele andere, die grundsätzlich gegen alles, was mit Ausländern zu tun hat, mit Migranten zu tun hat. Ich hab da auf dem Marktplatz in Ehrenfeld auf der Venloer Straße viele Diskussionen geführt, die zeigten, dass da so ein grundsätzlicher Widerstand gegen war. Und da haben wir versucht gegenzuhalten."

Mit "Wir" meint Schramma den Moscheebeirat. Der hatte sich seit den ersten Planungen für den Bau der Moschee eingesetzt und in der Bevölkerung immer wieder dafür geworben – in enger Abstimmung mit dem Bauherren, dem Verein Ditib. Doch das Bündnis begann zu bröckeln. 2011 gab es ersten Ärger. Die Ditib stellte Baumängel an der Moschee fest und trennte sich vom Architekten. Ein Grund für den langen Stillstand der Baustelle. Josef Wirges ist Bezirksbürgermeister des Stadtteils Ehrenfeld und ebenfalls Mitglied im Moscheebeirat. Er erinnert sich, dass damals auch die Zusammenarbeit in dem Gremium schwieriger wurde:

"Man merkte mit zunehmender Schwierigkeit auch bei der Umsetzung des Baus, versuchte Ditib den Beirat zu einem 'Bau-Beirat' zu reduzieren. Wir waren niemals, auch von Seiten von Ditib war das niemals gewünscht gewesen. Es ging um die inhaltliche Verfestigung, es ging letztendlich um die Dialogbereitschaft, um das, was wir ja so landläufig Integrationsarbeit nennen."

Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Wirges ist enttäuscht

Wirges ist der Meinung, dass damals der "Einfluss von außen" begann. Ditib ist zwar ein Verein nach Deutschem Vereinsrecht, finanziert wird er aber größtenteils von Diaynet, der türkischen Religionsbehörde. Einer Einrichtung des türkischen Staates, die auch die Imame aus der Türkei nach Deutschland entsendet und bezahlt.

"Es wird immer bestritten: um Gottes Willen, haben wir nichts mit zu tun. Die offizielle Linie war immer: wir sind ein Religionsverein. Feierabend!"

Durch die Entwicklung rund um die Eröffnungsfeier morgen fühlt sich der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister bestätigt. Er selbst ist nicht eingeladen. Die amtierende Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat ihre Teilnahme abgesagt, weil man ihr nicht zusichern wollte, bei der Eröffnungsfeier auch zu sprechen. Josef Wirges hätte sich einen anderen Rahmen gewünscht.

"Dieses Meer dann von türkischen Fahnen - das passt einfach nicht. Das ist keine Außenstelle, keine Dependance der türkischen Republik. Das ist das Vereinshaus der Ditib. Eines Vereins nach Deutschem Vereinsrecht."

Zu einem Interview ist Ditib nicht bereit

Wenn der türkische Präsident Erdogan die Zentralmoschee der Ditib morgen eröffnet, wird wohl kein Kommunalpolitiker dabei sein. Auch Kölns langjähriger Oberbürgermeister Fritz Schramma wurde nicht eingeladen.

"Wir wären gerne alle zur Einweihung gekommen – im Rahmen eines mit uns und von uns mitgestalteten Festes. Das ist jetzt aber überlagert über den mehr oder weniger zufälligen oder auch nicht zufälligen Besuch von Erdogan, der dann sich quasi einlädt zu dieser Eröffnung. Wir hätten's gerne auch ohne ihn gemacht und hätten es auch ohne ihn sicherlich gut und auf kölsche Weise hinbekommen."

Trotz mehrmaliger Nachfrage ist die Ditib nicht zu einem Interview bereit. Bei dem Verein bestätigt man lediglich, dass am Samstag die Eröffnungsfeier stattfindet und Präsident Erdogan kommt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk