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Startseite@mediasresMit dem Trecker auf der Überholspur21.11.2018

Erfolg der LandwirtschaftspresseMit dem Trecker auf der Überholspur

Kein Technik-Magazin, keine Computer-Zeitschrift, sondern ein Agrar-Magazin steht im Ranking der Fachzeitschriften in Deutschland auf Platz eins. Mit ihrer Mischung aus Fachinformation und Unterhaltung hält diese Sparte seit mindestens einem Jahrzehnt einen Spitzenplatz in der Medienwelt.

Von Angelika Gördes-Giesen

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Das Bild zeigt zwei Teilnehmer beim  Bundesentscheid im Leistungspflügen mit ihren Traktoren auf dem Turnierfeld. In Hintergrund sind verschiedene Fahnen zu sehen. (dpa /  Mohssen Assanimoghaddam)
Wer sich täglich auf dem Feld verausgabt, will im Agar-Magazin seiner Wahl neben Fachinformationen auch Unterhaltung geboten bekommen. (dpa / Mohssen Assanimoghaddam)
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Über 100 Jahre alt, aber immer noch aktuell: Agrarmagazine wie die landwirtschaftlichen Wochenblätter in Westfalen und Bayern gehören wie "Land und Forst" zu den fünf meistverkauften Fachzeitschriften in Deutschland. Sie sind eine Mischung aus Fachmagazin, Familien- und regionaler Heimatzeitung - fast schon eine Institution auf den Bauernhöfen. Geschrieben von Agrarjournalisten, die die soziale Wirklichkeit in den Betrieben kennen, mit allen Höhen und Tiefen. 

Das westfälische "Wochenblatt" ist mit 53.000 Abonnenten eines der wichtigsten Medien des Bauernverbandes, der Genossenschaften und der Landwirtschaftskammer. Die Landwirte schätzen auch die komprimierten Informationen über die agrarpolitischen Debatten in Brüssel, Berlin und Düsseldorf. Das Wochenblatt erscheint im Landwirtschaftsverlag in Münster, ebenso wie die Nr. 1 der Fachzeitschriften in Deutschland: "Top Agrar". Landwirtin Susanne Schulze Bockeloh aus Münster ist eine der über 92.000 Abonnenten:

Fachlich versiert und gut illustriert

"Ich hätte fast gesagt, wahrscheinlich ist man im landwirtschaftlichen Betrieb von Geburt an Abonnent. Ich kann mich nicht an eine bewusste Entscheidung, die Zeitschrift zu abonnieren, erinnern. Die gab es mit Sicherheit irgendwann. Das ist aber mittlerweile so lange her, dass die Zeitung einfach zum Betrieb dazu gehört. Es ist gut formuliert, zack, auf den Punkt gebracht, ich finde es gut illustriert. Von daher ist die Aufmachung gut – und nicht nur rein fachlich, sondern durchaus auch das, was die Landwirte bewegt."

….und worüber auch in allen grünen fünf Top-Fachzeitschriften diskutiert wird. Markus Holtkötter hat sich auf Schweinehaltung und Futteranbau spezialisiert. Der Landwirt aus Altenberge im Kreis Steinfurt liest die neusten Meldungen der grünen Fachzeitschriften schon auf dem Feld – per App oder im Internet.  Der selbst fahrende Trecker auf dem Acker macht‘s möglich:

"Ich sitze auf dem Schlepper drauf, kann also auch wesentlich effektiver arbeiten und bin auch nach 12 Stunden noch nicht so müde, weil es anstrengend war. Man kann telefonieren und ein bisschen Büroarbeit nebenbei machen."

Internet: "Eine wunderbare Ergänzung und keine Bedrohung"

Digital und auf Papier – der Chefredakteur von "Top Agrar", Ludger Schulze Pals, hält das für eine gute Mischung:

"Wir sind seit ungefähr 20 Jahren im Internet aktiv. Heute ist für uns das Internet die Plattform für die aktuelle tagespolitische Berichterstattung und vor allem für die Marktberichterstattung. Da sind wir mit einem vierwöchigen Erscheinungsrhythmus natürlich viel zu langsam. Insofern ist das Internet für 'Top Agrar' eine wunderbare Ergänzung gewesen und keine Bedrohung wie für viele andere Printtitel."

Inspiration kam aus den USA

Die erste Ausgabe von "Top Agrar" erschien in den siebziger Jahren, schwarz-weiß und gedruckt auf Zeitungspapier Sie steht  immer noch bei Ludger Schulze Pals im Büro neben der aktuellen Ausgabe, die eine Auflage von 102.000 Exemplaren hat:

"Die Idee war, ein deutschlandweites Agrar-Magazin zu machen. Anleihen dafür haben sich meine Vorgänger in den USA geholt. Das war so eine bisschen die Idee, unabhängigen Journalismus zu betreiben, auch im Bereich der Landwirtschaft, und überregional und unabhängig zu berichten, den Landwirten quasi den unverstellten Blick zu geben. Das waren natürlich Leute, die aus der Branche kamen, studierte Agrarwissenschaftler in aller Regel. Problematisch war der Bereich Agrarpolitik, weil dieser Bereich als Domäne der Bauernverbände angesehen wird, und in den Anfangsjahren gab es auch das Agreement, das sich Top Agrar sehr stark auf die fachlichen Dinge konzentriert. Und die Agrarpolitik ist erst in den letzten 20 Jahren stärker in den Fokus der Berichterstattung gekommen."

Basisangebot durch Spezialausgaben ergänzt

Die Konkurrenz auf dem grünen Medienmarkt ist bis heute gering. Denn Landwirte leben und arbeiten auf ihren Höfen, und so ist ein Rundum-Sorglos-Info-Paket für die ganze Familie  gefragt, Rezepte ebenso wie Stalltechnik. Zwar gibt es eine Fülle von Zeitschriften zum Thema Landleben und Lifestyle, betriebswirtschaftliche Fachmagazine aber nur wenige, zum Beispiel die Mitgliederzeitung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Weil die Spezialisierung auf den Bauernhöfen wächst, bietet "Top Agrar" heute neben der Basisausgabe auch Spezialausgaben, zum Beispiel für Rinder- und Schweinehalter. Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen, so die Einschätzung von Ludger Schulze Pals:

Wachsende Zielgruppe: Ökologisch wirtschaftende Betriebe

"Wir werden natürlich uns anpassen müssen. Auf der einen Seite haben wir weiterhin einen Strukturwandel in der Landwirtschaft. Wir gehen davon aus, dass die Zielgruppe in jedem Jahr um drei bis vier Prozent sinkt, und wir versuchen, durch neue Angebote unsere Position zu sichern. Ein Punkt sind zum Beispiel die erneuerbaren Energien. Wir haben ein extra Magazin dafür herausgegeben, das dreimal im Jahr erscheint. Eine wachsende Zielgruppe, die wir im Moment ins Auge gefasst haben, sind die ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Das sind neue Zielgruppen, die wir versuchen, möglichst frühzeitig an uns zu binden."

Für praktische Landwirtinnen wie Susanne Schulze Bockeloh, die sich ehrenamtlich stark in landwirtschaftlichen Betriebshilfsdiensten engagiert, sind besonders die Erfahrungsberichte aus der Praxis ein Hingucker. Zum Beispiel:

"'Top Agrar' hat mit Landwirten, die neue Ställe bauen wollten, so ein komplettes Verfahren durchgespielt. Wie kriege ich diesen Stall genehmigt und auch in der Bevölkerung akzeptiert. Das fand ich einen sehr guten Ansatz und toll."

Mischung aus Fachinformation und Unterhaltung

Geschichten, die sich also lohnen, auch als Umfeld für Werbung und Anzeigen. Wieviel Umsatz der Verlag mit "Top Agrar" macht, verrät Ludger Schulze Pals nicht, aber:

"Das macht schon Spaß. Seit etwa fünf Jahren sind wir darüber hinaus jetzt auch sehr aktiv auf den Social-Media-Kanälen, insbesondere auf Facebook, Instagram und Twitter. Die Follower, die dort aktiv sind, sind in der Regel deutlich jünger. Hier ist natürlich auch Unterhaltung ein großes Thema. Ich sage immer: unseren Katzenvideos sind die Trecker-Videos."

Mal ganz unterhaltsam, aber Landwirte und Landwirtinnen wollen Fachinformationen, besonders über neue Techniken auf dem Acker und im Stall. Das bietet ihnen das Magazin "Profi", auch herausgegeben vom  Landwirtschaftsverlag. Hier werden spezielle Themen wie Digitalisierung in der Landwirtschaft aufgegriffen, um auch andere Zielgruppen anzusprechen, wie Lohnunternehmer, die für Bauern die Feldarbeit übernehmen. So machen Profis in der Redaktion Testreihen mit gebrauchten  Landmaschinen, erstellen Fahrberichte zu Traktoren, geben Reparaturanleitungen und Tipps zur Pflege von Maschinen.

Um neue Leser zu gewinnen, bietet "Top Agrar" Landwirten auch Service-Angebote: vom Flirtseminar bis hin zum Agrarblogger-Treffen. Aktuell sucht Ludger Schulze Pals Rockbands vom Lande für ein Festival, die Geburtstagsfeier des Westfälischen Wochenblattes für Landwirtschaft und Landleben.
 
"Natürlich muss man als Medienmarke Aktivitäten bringen, die die Kunden binden, die wieder 'Hallo-Effekte' verursachen. Wir machen jetzt einen Band-Contest mit Henning Wehland, den viele vielleicht von den Söhnen Mannheims kennen. Damit versuchen wir natürlich uns immer mal wieder ins Gespräch zu bringen."

Im Text haben wir Ihnen die Langfassung des Beitrags zur Verfügung gestellt.

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