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StartseiteCampus & KarriereErfolg durch Vertrauen02.03.2005

Erfolg durch Vertrauen

Zu viel Kontrolle vom Chef schadet dem Arbeitsklima

<strong>"Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser". Dieses Sprichwort aus Lenins Zeit bleibt auch in unserer Marktwirtschaft beliebt: Zugesperrte Materialdepots, komplizierte Dienstreise-Anträge und ständige Mitteilungspflichten an den Chef können einem die Freude an der Arbeit gründlich verhageln. Wie soll sich da überhaupt noch ein Vertrauensverhältnis entwickeln?</strong>

Von Eike Petering

Wieviel Kontrolle im Job muss sein?  (Stock.XCHNG / Dan Norder)
Wieviel Kontrolle im Job muss sein? (Stock.XCHNG / Dan Norder)
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Dass ich auf den Teamleiter zugehe und Zwischenstände berichte oder nachfrage - das ist eigentlich ein ständiger Informationsfluss, der zwischen dem Leiter und den Mitarbeitern vorherrscht.

Bei Claudia Huber läuft nichts ohne Rückfrage beim Chef. Die junge Controllerin bei der Münchner Telefongesellschaft M-Net fühlt sich deshalb aber nicht bevormundet - sie ist schließlich neu im Unternehmen.

Das kommt vielleicht aus der mangelnden Erfahrung, die ich hab´, dass ich größere Projekte nicht von Anfang bis Ende selbstständig durchführen kann.

Dass sie es schnell lernen wird, scheint bei M-Net sicher. Der kaufmännische Geschäftsführer des Unternehmens, Heinz Firsching, befasst sich seit den siebziger Jahren mit der Vertrauensfrage. Sein Credo: Freiheit für die Mitarbeiter - zielorientiertes Arbeiten für die Firma. Also eher Vertrauen als Kontrolle.

Ich hab also mal ’ne Mitarbeiterin bekommen, die hat im ersten Jahr damit erhebliche Probleme gehabt. Sie hat sich aber dann Zug um Zug die Freiheiten erarbeitet. Und das Schöne war, dass sie mir nach einem Jahr erzählt hat: Das hat sich in ihre Familie, in ihr Verhältnis zu ihrem Ehemann auch übertragen.

Oft liegt das Problem allerdings gar nicht an der mangelnden Selbstständigkeit der Mitarbeiter, sondern am gestörten Verhältnis zu den Vorgesetzten. Der Münchner Banker und Coach Karlheinz Moll hat das in einem Kreditinstitut nach einem Führungswechsel selbst miterlebt.

Es gab einen Zwist mit dem Vorstand und in so nem Haus brauchen Sie gar keinen Strom mehr, die Spannung, die da in dem Haus ist, die reicht allein, um das Haus zu heizen und das ist dann oft der Auslöser, dass irgendjemand sagt: Wir müssen hier was tun.

Es wurde höchste Zeit: Durch das gestörte Vertrauensverhältnis fand Kommunikation in der Bank nur noch auf dem offiziellen Dienstweg statt. Der Vorstand oder die Personalabteilung - wer genau hat Moll nie erfahren - beraumte dann ein Spitzengespräch zwischen Vorstand und Management an. Eines Abends traf man sich mit einem Coach:

Dann hat der Trainer gesagt: OK, jetzt machen wir das so: Schreibt mal auf weiße und auf gelbe Karten, was euch gefällt und was euch nicht gefällt. Und das ist natürlich in einer Stimmung gestanden, wo die Vertrauenskultur schon sehr schlecht war. Allein durch das Hinkleben hat man schon nen ersten Schritt gemacht und gesagt: So, ich will mich jetzt öffnen, ich will diesen Frust nicht mehr mit mir herumtragen, sondern das muss jetzt raus. Das heißt, auf so ner Basis kann man wieder sehr gut das Arbeiten anfangen.

Mit regelmäßigen Gesprächen - "Team-Buildings" - konnte der Vorstand menschlich wieder beim Management andocken. Nicht erst seit dieser Erfahrung betrachtet Karlheinz Moll die Vertrauensfrage als entscheidend für das Arbeitsklima in einem Unternehmen.

Sie kennen das aus Ihrem privaten Umfeld auch: Wenn Sie ne Vertrauensbasis zu denen haben, mit denen Sie sich umgeben, dann ist das nen angenehmeres Miteinander, als wenn ständig nen Spannungsfeld herrscht, wo ich immer aufpassen muss, was ich sage, was ich tue.

Dass solch ein Spannungsfeld eher dort entsteht, wo Mitarbeiter durch allzu genaue Vorschriften und ständige Erfolgskontrollen drangsaliert werden, leuchtet ein. Trotzdem hält M-Net Geschäftsführer Heinz Firsching nichts von den Lieblingskindern vieler Coaches, wie etwa einem offenen Material-Depot.

Also ich glaub persönlich nicht, dass das funktioniert. Weil: Ich glaube nicht, dass alle Mitarbeiter sofort damit umgehen können. Und es gibt natürlich auch welche, die wollen nicht damit umgehen. Dann braucht man sich nicht wundern, wenn letzten Endes dann irgendwo was schief läuft.

So bedeutet Vertrauen keinen Freifahrtschein, bedeutet nicht den vollständigen Verzicht auf Erfolgskontrollen. Vielmehr geht es um menschliche Glaubwürdigkeit. Karlheinz Moll hat das bei einem Geschäftsführer gelernt, der seinen Mitarbeitern vor einem wichtigen Projekt zeigte, dass er ihnen die Aufgabe zutraut:

Dieser Geschäftsführer in seiner Funktion hätte der das Vertrauen nicht geschenkt, wäre er verloren gewesen. Er hätte dann irgendwen einsetzen müssen, den klassischen Einpeitscher, wo er sagt: der muss jetzt für mich die Resultate einholen. Er ist aber nen anderen Weg gegangen und hat gesagt: ich lass die mal laufen und mal schauen was passiert. In diesem Fall ist es sehr gut gegangen, das Vertrauen ist auch angekommen, was da einem entgegengebracht wurde und dann haben auch die Resultate gestimmt.

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