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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft29.03.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Tropenkrankheiten könnten sich durch den Klimawandel ausbreiten +++ Menschliche Aktivitäten im Umland von Naturschutzgebieten richten Schaden an +++ Daten der Raumsonde Cassini liefern neue Erkenntnisse zu Saturns Ringmonden +++ Eine Pilzkrankheit hat global dutzende Amphibienarten dahingerafft +++ Brasilianische Sattelkröten fluoreszieren

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Tropenkrankheiten könnten sich durch den Klimawandel ausbreiten

Davor warnt ein US-Forschungsteam im Fachmagazin PLOS Neglected Tropical Diseases. Der Studie zufolge könnten innerhalb des nächsten Jahrhunderts eine Milliarde Menschen zusätzlich von Infektionskrankheiten wie Dengue, Zika oder Chikungunya bedroht sein. Als Ursache geben die Autoren an, dass die Überträger der Krankheiten – Mücken der Gattung Aedes – durch die zunehmende Erderwärmung zumindest saisonal in Regionen vordringen werden, die ursprünglich zu kalt für die Insekten waren. In Europa und den USA könnte dann zum Beispiel in Zukunft regelmäßig Dengue-Fieber auftreten.

Die Wissenschaftler hatten Modellrechnungen dazu gemacht, wie sich unterschiedliche Erderwärmungs-Szenarien auf die Verbreitung von Mücken und die Übertragung von Infektionskrankheiten durch die Insekten auswirken. Dabei fokussierten sie auf die Arten Aedes aegypti und Aedes albopictus.

Neben besseren Lebensbedingungen in Europa und Nordamerika könnte eine zunehmende Erwärmung gleichzeitig aber auch dazu führen, dass die Viren-Übertragung durch die Hitze-empfindlichere Stechmücke Aedes albopictus in Südostasien und Westafrika abnimmt.

Quelle: PLOS Neglected Tropical Diseases


Menschliche Aktivitäten im Umland von Naturschutzgebieten richten Schaden an

Das berühmte Serengeti-Mara-Ökosystem im Osten Afrikas ist eines der weltweit größten Schutzgebiete. Jetzt warnt ein Forschungsteam im Fachblatt Science, dass zunehmendes Bevölkerungswachstum und Landbewirtschaftung in der Pufferzone um das Gebiet weitreichende negative Auswirkungen für Tiere und Pflanzen mit sich bringen. So würden die Wanderrouten und das Fressverhalten von Gnus und Zebras verändert. Dadurch komme es seltener zu natürlichen Bränden, was sich wiederum auf die Vegetation des Gebiets auswirke. In der Folge könnten die Schutzgebiete künftig auch weniger widerstandsfähig gegen Dürren und den Klimawandel sein. Das Management natürlicher Ressourcen im Umland geschützter Gebiete müsse überdacht werden, resümieren die Autoren.

Die Wissenschaftler hatten Daten aus dem Serengeti-Mara-Ökosystem aus vier Jahrzehnten ausgewertet. In den vergangenen 20 Jahren hat die Bevölkerung in dessen Umland der Analyse zufolge stetig zugenommen, ebenso Ackerbau und Viehweidehaltung.

Die Autoren gehen davon aus, dass vergleichbare Zusammenhänge wie in ihrer Studie auch in vielen anderen Schutzgebieten der Erde vorliegen.

Quelle: Science


Daten der Raumsonde Cassini liefern neue Erkenntnisse zu Saturns Ringmonden

Die meisten der 62 Saturnmonde kreisen in großem Abstand außerhalb des Hauptringsystems um den Planeten. Die fünf kleinen sogenannten Ringmonde Pan, Daphnis, Atlas, Pandora und Epimetheus ziehen dagegen innen um den zweitgrößten Planeten des Sonnensystems. Besonders die ersten drei sind bizarr geformt und erinnern durch wulstartige Verdickungen am Äquator an Ravioli.

Im Fachblatt Science liefert nun ein internationales Team von Astronomen neue Erklärungsansätze, wie diese Form entstanden ist. Demnach sind die Wülste deutlich glatter und damit vermutlich jünger als der Rest der Monde. Die Wissenschaftler vermuten, dass sie gebildet wurden, indem sich nach und nach lockeres Material aus den Saturnringen am Äquator der Ringmonde ablagerte.

Die Studie basiert auf Daten der Raumsonde Cassini, die am Missionsende 2017 zwischen Planet und innersten Ring flog. Anschließend verglühte die Sonde in der Saturn-Atmosphäre.

Quelle: Science


Eine Pilzkrankheit hat global dutzende Amphibienarten dahingerafft

Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, wie sich Infektionen mit Chytrid-Pilzen innerhalb der vergangenen 50 Jahre auf die globalen Amphibien-Populationen ausgewirkt haben. Das Fazit: Bei etwa 500 Arten hat die Erkrankung zu Bestandseinbrüchen geführt. Etwa 90 Spezies gelten aufgrund der Pilze als in der freien Natur ausgestorben. Diese Zahlen legt ein Forschungsteam in der aktuellen Ausgabe von Science vor.

Der hauptsächlich verantwortliche Chytrid-Pilz Batrachochytrium dendrobatidis zählt zu einer Gruppe von sonst harmlosen Boden- und Wasserpilzen. Er greift die Haut von Amphibien an, und kann bei zahlreichen Arten zum Tod führen. Betroffen sind vor allem Frosch- und Schwanzlurche in Mittel- und Südamerika sowie Australien.

Der Pilz stammt wahrscheinlich aus Asien. Dort scheinen lokale Amphibien resistent gegen die Krankheit zu sein, so einer der Autoren. Verbreitet wurde der Pilz vermutlich durch den globalen Handel mit Wildtieren.

Dieser Handel müsse beschränkt werden, fordern daher auch die Autoren eines begleitenden Kommentars in Science.

Quelle: Science


Brasilianische Sattelkröten fluoreszieren

In der Natur könnten die fluoreszierenden Muster als Kommunikationssignal für Artgenossen dienen, so eine Autorin der Studie in den Scientific Reports. Denkbar sei auch, dass die giftigen Tiere mittels Fluoreszenz Fressfeinde vor dem Zubeißen warnen. Das Leuchten der Amphibien ist allerdings für das menschliche Auge nur unter einer UV-Lampe sichtbar.

Bei Studien zur akustischen Kommunikation von Sattelkröten hatten die Wissenschaftler bemerkt, dass die Tiere ihre eigenen Paarungsrufe nicht hören. Als sie nach alternativen Kommunikationssignalen suchten, stellten sie fest, dass die Köpfe und Nacken der Sattelkröten unter UV-Licht quasi glühen. Die Lichtmuster entstehen dadurch, dass die Knochen der Tiere fluoreszieren und an diesen Stellen durch die dünne Haut scheinen.

Die beiden untersuchten Sattelkröten-Arten sind winzige, auffällig rot oder gelb gefärbte Froschlurche. Sie leben in den atlantischen Küstenregenwäldern Brasiliens.

Fluoreszenz bezeichnet die spontane Emission von Licht, die auftritt, wenn ein elektronisch angeregtes System wieder in einen Zustand niedrigerer Energie übergeht.

Quelle: Scientific Reports

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