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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 29.05.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Mit dem Klima wandeln sich auch die Zugrouten von Glattwalen +++ Schimpansen fischen Krabben +++ Die französische Umweltbehörde Anses verbietet Epoxiconazol +++ In der Tiermast werden noch zu viele Antibiotika eingesetzt +++ Manche Allergien haben auch eine psychische Komponente +++ Rund um die Antarktis könnte es mehr Tiefseefische geben als bisher gedacht

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Mit dem Klima wandeln sich auch die Zugrouten von Glattwalen

In den vergangenen Jahren sind Glattwale im Atlantik an Orten aufgetaucht, in denen sie früher nicht gesichtet wurden. Eine Studie von US-Forschern im Fachmagazin Oceanography führt das auf den Klimawandel zurück. Denn dieser verändert Strömungsmuster im Meer. Laut der Studie sind Tiefenwasserströme, die in den Golf von Maine an der Ostküste der USA fließen, allein seit 2004 um fast fünf Grad Celsius wärmer geworden. Als Folge sind dort die Vorkommen von kleinen Krebstieren, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Glattwale darstellen, stark eingebrochen. Die Wale suchen sich nun neue Futtergründe. Dieser Trend sei eine Herausforderung für den Naturschutz, schreiben die Forscher. Etablierte Walschutzgebiete müssten geprüft und an die neuen Zugmuster der Glattwale angepasst werden. 

Quelle: Oceanography


Schimpansen fischen Krabben

In der Regel ernähren sich Schimpansen vegetarisch, gelegentlich fressen sie auch Fleisch. Forscher der Universität Zürich haben jetzt erstmals Schimpansen in freier Natur beobachtet, bei denen auch Süßwasserkrabben regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Es handelt sich um Tiere im Regenwald des Nimba-Gebirges im afrikanischen Guinea. Die Schimpansen dort suchen in den flachen Wasserläufen der Gebirgsflüsse nach Krabben, indem sie mit ihren Fingern das Bachbett aufkratzen und aufwühlen. Die Forscher wollen aus der Beobachtung der Schimpansen Hinweise auf die möglichen Ernährungsformen von Homininen gewinnen, den Vorfahren des Homo sapiens. In Guinea fischen vor allem weibliche Schimpansen mit ihren Jungen häufiger nach Krabben. Das könnte mit den in den Krabben enthaltenen Fettsäuren und Mikronährstoffen zusammenhängen, die unter anderem für eine optimale Gehirnentwicklung wichtig sind. Die Studie ist im Journal of Human Evolution erschienen.

Quelle: Journal of Human Evolution


Die französische Umweltbehörde Anses verbietet Epoxiconazol

Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der in Pflanzenschutzmitteln als Breitband-Fungizid zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten bei Getreide und Zuckerrüben verwendet wird. Nach Darstellung der Umweltbehörde Anses steht Epoxiconazol im Verdacht, krebserregend zu sein. Es könnte sich auch negativ auf die menschliche Fortpflanzung auswirken. Deshalb sollen nun 76 Pflanzenschutzmittel in Frankreich vom Markt genommen werden. Bisher ist der Einsatz von Epoxiconazol in Europa noch allgemein zugelassen. Fungizide mit diesem Wirkstoff werden hauptsächlich von BASF produziert. Die Grundlagen für ihre Entscheidung will die Behörde nun auch an die EU-Kommission und andere EU-Mitgliedstaaten übermitteln.

Quelle: dpa


In der Tiermast werden noch zu viele Antibiotika eingesetzt

Vor fünf Jahren hatte die Bundesregierung das Arzneimittel-Gesetz reformiert, um den Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft zu senken. Dieses Ziel wurde aber in einigen Bereichen deutlich verfehlt. Laut einem internen Evaluierungsbericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums, der dem NDR und der Süddeutschen Zeitung vorliegt, werden bei Ferkeln und Schweinen zwar 40 Prozent weniger Antibiotika eingesetzt. Bei Hühnern, Puten und Kälbern blieben die Verbrauchsmengen aber nahezu unverändert. Besonders problematisch ist, dass vor allem in der Geflügelmast noch häufig Antibiotika in großen Mengen genutzt werden, die auch für die medizinische Behandlung von Menschen mit lebensbedrohlichen Infektionen eine wichtige Rolle spielen. Das gilt vor allem für den Wirkstoff Colistin. Nach den Erkenntnissen des Agrarministeriums wird Colistin bei Geflügel in letzter Zeit sogar deutlich höher dosiert eingesetzt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung


Manche Allergien haben auch eine psychische Komponente

Menschen mit Angststörungen leiden häufiger unter saisonalen Allergien gegen Pollen von Gräsern und Bäumen. Bei Patienten mit Depressionen wiederum kommen vermehrt ganzjährige Allergien etwa gegen Tierhaare vor. Das berichtet ein Forscherteam der Technischen Universität München im Fachmagazin International Archives of Allergy and Immunology. Die Forscher befragten rund 1800 Personen aus der Region Augsburg im Alter von 39 bis 88 Jahren. Dabei erfassten sie Daten zu vorherrschenden Allergien und Auskünfte über psychische Probleme. Bei Nahrungsmittel- und Medikamentenallergien fanden die Wissenschaftler keinen nachweisbaren Zusammenhang mit psychosozialen Erkrankungen. Unklar ist, ob Allergien das Aufkommen von Depressionen verstärken können, oder ob Depressionen ihrerseits Allergien fördern. Das sollen weitere Studien noch zeigen.

Quelle: International Archives of Allergy and Immunology


Rund um die Antarktis könnte es mehr Tiefseefische geben als bisher gedacht

Um das Ausmaß der Fischbestände auch in größerer Wassertiefe erfassen zu können, setzen Fischereiforscher Sonargeräte ein. Deren akustischen Signale werden von den gas-gefüllten Schwimmblasen der Fische reflektiert. Britische Forscher haben nun aber festgestellt, dass diese Methode nicht überall gleich gut funktioniert. Sie untersuchten die Anatomie von Fischen aus 200 bis 1000 Meter Wassertiefe rund um die Antarktis mit einem Computertomografen. Dabei zeigte sich: Zahlreiche der dort vorkommenden Arten besitzen gar keine gas-gefüllten Schwimmblasen. Sie würden deshalb in den bisherigen Schätzungen der Biomasse in den kalten Gewässern regelrecht übersehen, so die Forscher. Die Studie ist in den Proceedings of the Royal Society B erschienen.

Quelle: Proceedings of the Royal Society B

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