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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft21.06.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Indien hat ein Ministerium gegen Wassermangel eingerichtet +++ Ein Drittel der Bevölkerung Kambodschas ist mit Zwergfadenwürmern infiziert +++ Ornithologen untersuchen die Nazca-Linien neu +++ Ein Gericht hat der Universität Marburg geplante Versuche an Zwerghamstern untersagt +++ Narwal und Weißwal können gemeinsam Nachkommen haben

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Indien hat ein Ministerium gegen Wassermangel eingerichtet

Hintergrund ist die dramatische Wasserknappheit im Land. In einer Parlamentsansprache beklagte der indische Staatspräsident gestern den Schwund traditioneller Wasservorkommen, da Teiche und Seen für Bauprojekte zugeschüttet würden. Angesichts der zunehmenden Auswirkungen von Klimawandel und globaler Erwärmung dürfte sich die Wasserkrise weiter verschärfen, warnte er.

Das neue Ministerium war bereits kurz nach dem Wahlsieg der Partei von Premierminister Narendra Modi Ende Mai durch die Zusammenführung mehrerer vorhandener Einrichtungen gebildet worden. Es soll Modis Ziel umsetzen, bis 2024 alle Haushalte des Landes mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern mit sauberem Trinkwasser zu versorgen.

Laut einem 2018 veröffentlichten Bericht der Regierung erlebt Indien die bisher schlimmste Wasserkrise. Rund 600 Millionen Menschen leiden unter großer bis extremer Knappheit. Zudem sterben rund 200.000 Menschen jährlich als Folge einer unzureichenden Wasserversorgung.

Quelle: DPA, Indische Regierung


Ein Drittel der Bevölkerung Kambodschas ist mit Zwergfadenwürmern infiziert

Bei diesen kleinen Würmern handelt es sich um weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitete Parasiten. Eine Infektion kann zu blutigem Husten und den Symptomen einer akuten Lungenentzündung führen, aber auch chronisch werden und bei immungeschwächten Menschen tödlich verlaufen. Die Zahlen zum Ausmaß der Infektionen in Kambodscha hat jetzt ein Forschungsteam im Fachmagazin PLOS Neglected Tropical Diseases vorgelegt.

Die Wissenschaftler nutzten zur Diagnose des Parasitenbefalls von mehr als 7.200 Kambodschanern einen Test, der Antikörper im Urin von Infizierten aufspürt. Das Resultat: Gut 30 Prozent der Studienteilnehmer waren befallen. Das Risiko einer Infektion nahm dabei mit dem Alter zu. Auch Personen, denen keine Sanitäranlagen zur Verfügung stehen, waren häufiger betroffen.

Die Larven der Parasiten dringen aktiv durch die Haut des Menschen ein. Da sie durch Standard-Analysen von Stuhlproben nicht nachgewiesen werden können, wurde die Verbreitung der Parasiten offenbar jahrzehntelang unterschätzt.

Weltweit sind Schätzungen zufolge etwa 80 Millionen Menschen mit Zwergfadenwürmern infiziert.

Quelle: PLOS Neglected Tropical Diseases


Ornithologen untersuchen die Nazca-Linien neu

Und benennen einige der dargestellten Vögel um. Das bisher als Kolibri bezeichnete Scharrbild, eines der bekanntesten Motive unter den riesigen Geoglyphen im Süden von Peru, soll demnach eine Einsiedler-Drossel darstellen. Darauf weisen der dargestellte lange dünne Schnabel, der lange Schwanz mit verlängertem Mittelteil und die dreizehigen Füße hin, wie die Forscher in den Reports des Journal of Archaelogical Science schreiben.

Zwei weitere Vogel-Abbildungen, eine davon bisher nicht benannt, zeigen laut den Forschern Pelikane. Um die gezeigten Tiere zu identifizieren verglichen die Wissenschaftler die jeweiligen Formen und Größenverhältnisse von Schnabel, Kopf, Hals, Körper, Flügeln, Schwänzen und Füßen mit den anatomischen Kennzeichen moderner Vögel.

Quelle: Journal of Archaeological Science: Reports


Ein Gericht hat der Universität Marburg geplante Versuche an Zwerghamstern untersagt

Die Versuche sollten im Rahmen eines Projekts der Weltraumorganisation ESA stattfinden, wie das Gießener Verwaltungsgericht heute mitgeteilt hat. Das Regierungspräsidium Gießen hatte die Versuche mit der Begründung abgelehnt, dass die Universität keine ausreichenden Belege dafür vorlegte, dass die Versuche unerlässlich sowie ethisch vertretbar seien. Die Universität hatte sich nach Angaben des Gerichts mit einem Eilantrag gegen die Entscheidung des Regierungspräsidiums gewandt, der jetzt abgelehnt wurde.

Bei den Versuchen sollte untersucht werden, was bei Dsungarischen Zwerghamstern Torpor auslöst – ein auch natürlich auftretender Energiesparmodus, mit dem die Tiere Kälteperioden und Nahrungsmangel überdauern. Ziel war es zu untersuchen, ob das Phänomen auch in der Raumfahrt genutzt werden könnte. Am Ende wären die 36 Hamster getötet worden.

Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können dagegen binnen zwei Wochen Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel einlegen.

Quelle: Verwaltungsgericht Gießen, EPD


Narwal und Weißwal können gemeinsam Nachkommen haben

Ein Forschungsteam vom Naturgeschichtlichen Museum Dänemarks in Kopenhagen hat anhand eines Schädels einen Wal identifiziert, dessen Eltern zwei unterschiedlichen Arten angehörten. Die Analyse von DNA aus den Zähnen des Museumsexemplars zeigte: Die Mutter des Wal-Mischlings war ein Narwal, der Vater ein Beluga oder Weißwal. Der Schädel stellt damit den einzigen bislang bekannten Hinweis auf eine Kreuzung der beiden Wal-Arten dar. Die Studie ist in den Scientific Reports erschienen.

Bei beiden Elternwal-Arten handelt es sich um Zahnwale aus der Familie der Gründelwale. Sie werden jeweils dreieinhalb bis fünfeinhalb Meter lang und paaren sich im Frühjahr, während in arktischen Regionen das Meereseis aufbricht.

Der für die Studie untersuchte Walschädel war 1990 an der Westküste Grönlands entdeckt worden. Aufgrund seiner Gestalt war bereits vor der Erbgut-Analyse vermutet worden, dass es sich bei dem Tier um einen Gründelwal-Mischling handelt.

Quelle: Scientific Reports

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