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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 02.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Kraftwerke bedrohen das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens +++ Bonobos decken gezielt ihren Jod-Bedarf +++ Ungarn billigt das umstrittene Akademiegesetz +++ Fairtrade hilft den Produzenten nur bedingt +++ Biologen fordern Forschungsinitiative zu Borkenkäfern +++ Am Great Barrier Reef haben "Aufforstungs"-Maßnahmen begonnen

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Kraftwerke bedrohen das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens

Das Pariser Abkommen zum Klimaschutz sieht vor, die globale Erwärmung bis zum Jahr 2050 auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dieses Vorhaben ist gefährdet, berichtet ein chinesisch-US-amerikanisches Forschungsteam im Fachblatt NATURE. In die Studie flossen Datensätze über alle global bestehenden, geplanten, genehmigten und im Bau befindlichen Kraftwerke für fossile Brennstoffe ab Ende 2018 ein. Anschließend rechneten die Forscher die zu erwartenden CO2-Emissionen hoch. Das Ergebnis: Sollten alle weltweit geplanten Kraftwerke so gebaut werden, dann ist die Menge der entstehenden CO2-Emissionen größer als das für das Paris-Ziel errechnete Maximum. Daher könne das 1,5-Grad-Ziel nur noch durch negative Emissionstechnologien erreicht werden, etwa durch CO2-Abscheidung und –Speicherung oder durch ein globales Verbot aller neuen CO2-emittierenden Anlagen.

Quelle: NATURE


Bonobos decken gezielt ihren Jod-Bedarf

Bei Freilandbeobachtungen im Kongobecken haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig erstmals Bonobos dabei beobachtet, wie sie in den Sümpfen nach jodreichen Wasserpflanzen suchen und diese verzehren. Jod ist ein für die Entwicklung des Gehirns und der höheren kognitiven Fähigkeiten wichtiger Nährstoff. Wie das Forschungsteam im Fachblatt BMC Zoology darlegt, könnten diese Beobachtungen Hinweise darauf liefern, wie menschliche Vorfahren in der Region einst ihren Jodbedarf gedeckt haben.

Quelle: BMC Zoology| MPG


Ungarn billigt das umstrittene Akademiegesetz

und stärkt damit den Einfluss der Politik auf die wissenschaftliche Forschung. Das ungarische Parlament billigte heute auf Initiative der rechtsnationalen Regierung von Viktor Orban ein Gesetz, das Kritikern zufolge die Wissenschaftsfreiheit im Lande einschränkt. Mit 131 Ja-Stimmen, 53 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen stimmte das Parlament dafür, dass die von der Akademie der Wissenschaften betriebenen Forschungsinstitute einem neuen Träger unterstellt werden, bei dem Regierungsvertreter das Sagen haben. Die Maßnahme soll zum 1. September wirksam werden. Kritiker sehen in dem Gesetz das Bestreben der Regierung Orbans, kritische Wissenschaftler zum Schweigen zu bringen.

Quelle: Gesetzesentwurf | Agenturen


Fairtrade hilft den Produzenten nur bedingt

Denn der Verkauf von Fairtrade-Produkten hat einer Studie im Fachblatt NATURE Sustainability zufolge keine positiven Auswirkungen auf die Landarbeiter. Ein internationales Forschungsteam hatte Daten zu 1.000 Kakaobauern und Landarbeitern aus 50 Genossenschaften in der Elfenbeinküste erhoben und analysiert. Demnach verbessert Fairtrade zwar die Bedingungen von Angestellten in lokalen Genossenschaften, nicht jedoch die Situation von Arbeitern im Kleinbauernsektor. Letztere sind oft besonders benachteiligt. Der Grund: Der bei Fairtrade vorgesehene Mindestlohn und faire Arbeitsbedingungen können bisher auf Tausenden kleinen Farmen nicht kontrolliert werden.

Quelle: Nature Sustainability | Uni Göttingen


Biologen fordern Forschungsinitiative zu Borkenkäfern

2018 waren die Borkenkäfer in Mitteleuropa für gut 40 Millionen Kubikmeter Schadholz verantwortlich. Die Massenausbrüche dieser Insekten dauern meist einige Monate bis Jahre an, anschließend gehen die Populationen plötzlich wieder deutlich zurück. Die Gründe für dieses wellenhafte Auftreten sind bislang kaum erforscht. Ein Team der Universität Würzburg fordert deshalb im Fachblatt Trends in Ecology and Evolution verstärkte Forschungsaktivitäten rund um den Lebenszyklus der Käfer – auch wegen des Klimawandels. Prognosen zufolge dürften viele Wälder in den kommenden Jahren anfälliger für einen derartigen Befall werden. Es sei dringend notwendig, eine wissenschaftliche Basis zu schaffen, damit Forstwirtschaft und Politik künftig effizienter auf die Ausbrüche von Borkenkäfern reagieren können, fordern die Studienautoren.

Quelle: Trends in Ecology and Evolution | Uni Würzburg


Am Great Barrier Reef haben "Aufforstungs"-Maßnahmen begonnen

Im März hatte ein Team des Australischen Forschungsinstituts für Meereswissenschaften (AIMS) am weltgrößten Korallenriff testweise hunderte im Labor gezüchtete Korallen ausgesetzt. Diese Korallen sind eine Kreuzung von Tieren aus dem wärmeren nördlichen Teil des Riffs mit Artgenossen aus dem kühleren mittleren Teil. Wie das staatliche Institut heute mitteilte, haben die Tiere die Transplantation gut überstanden. Mit den neuen Korallen sollen die Widerstandskraft des Riffs gestärkt und neue Bleichen verhindert werden. Das rund 2.300 Kilometer lange Great Barrier Reef war 2016 und 2017 von Korallenbleichen betroffen, vermutlich wegen hoher Temperaturen infolge des Klimawandels. Dabei verendeten rund 30 Prozent der Korallen. Bei einer Bleiche sterben die Algen ab, die mit den Korallen in einer Symbiose leben. Dauert eine Bleiche länger an, sterben die Korallen ganz. Übrig bleibt das Kalkskelett der Korallen.

Quelle: AIMS | Agenturen

     

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