Freitag, 23.08.2019
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft 19.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die Zahngesundheit wird weltweit vernachlässigt +++ Permanentmagnete können auch flüssig sein +++ Säugetiere konnten schon früh schlucken +++ Schwache Strahlung kann Krebs-Vorläuferzellen fördern +++ Moskitos riechen erst und sehen dann

Von Lucian Haas

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Die Zahngesundheit wird weltweit vernachlässigt

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung leidet unter Problemen mit den Zähnen wie zum Beispiel Karies oder Parodontose. Ein internationales Forscherteam hat deshalb ein radikales Umdenken im Umgang mit Mund- und Zahnerkrankungen gefordert. Wie die Forscher in einer Artikelserie im medizinischen Fachjournal The Lancet ausführen, stehe bei der modernen Zahnmedizin die Behandlung von Schäden viel zu sehr im Vordergrund, während der Vorbeugung zu wenig Beachtung geschenkt werde. Besonders kritisch beurteilen die Wissenschaftler den weltweit von der Lebensmittelindustrie geförderten Zuckerkonsum. Zucker gilt als eine Hauptursache für die Zerstörung von Zähnen. Und gerade in weniger entwickelten Ländern, wo die zahnmedizinische Versorgung häufig schlecht ist, steige der Zuckerkonsum rapide an. Auch für Deutschland mahnen die Forscher an, dass zu viel Wert auf Hightech bei der Versorgung schon erkrankter Zähne statt auf die Vorsorge gelegt werde.

Quelle: The Lancet


Permanentmagnete können auch flüssig sein

Forschern aus den USA ist es erstmals gelungen, ein Material zu erschaffen, das zum einen flüssig und zugleich auch permanent magnetisch ist. Bisher galt die Annahme, dass sogenannte Ferromagnete, die dauerhaft magnetische Eigenschaften besitzen, nur in fester Form existieren können. Magnetische Flüssigkeiten gab es allein als sogenannte Paramagnete: Sie verhalten sich nur dann magnetisch, wenn sie von außen einem Magnetfeld ausgesetzt werden. Wie die Forscher im Fachmagazin Science berichten, besteht ihre ferromagnetische Flüssigkeit aus einer öligen Lösung von Eisenoxid-Nanopartikeln. Setzt man kleine Tröpfchen davon einmal einem Magnetfeld aus, so richten sich die Nanopartikel an der Oberfläche der Tropfen wie bei einem festen Ferromagneten aus und bleiben dann dauerhaft magnetisiert. Permanent-magnetische Flüssigkeiten könnten ganz neue Einsatzmöglichkeiten für Magnetkräfte etwa in der Medizin oder der Robotik eröffnen, so die Forscher.

Quelle: Science


Säugetiere konnten schon früh schlucken

Bei dem Fossil eines kleinen, urzeitlichen Vorfahren der Säugetiere haben Forscher aus Bonn und den USA Knochenstrukturen entdeckt, die zeigen: Die Fähigkeit der Säugetiere, Nahrung gezielt zu schlucken, hat sich schon vor mehr als 160 Millionen Jahren entwickelt. Die Wissenschaftler konnten bei dem Fossil ein sogenanntes Zungenbein nachweisen. Diese Knochenstruktur ist bei Säugetieren an Zungenbewegungen, aber auch komplexen Abläufen wie dem Schlucken beteiligt. Reptilien besitzen nur ein viel simpleres Zungenbein. Deshalb können sie ihre Nahrung nur schlingen. Sie rutscht allein durch die Schwerkraft in den Magen. Dass Säugetiere ihre Nahrung erst kauen und dann in kleinen Portionen gezielt schlucken können, gilt als ein Schlüssel ihres Erfolges. Denn so können sie Nahrung besonders effizient nutzen. Wann im Zuge der Evolution der Säugetiere komplexere Zungenbein-Strukturen entstanden sind, galt bisher als unklar. Das Zungenbein ist ein sehr filigraner Knochen, der bei vielen Fossilien nicht erhalten geblieben ist. Die Studie ist im Fachmagazin Science erschienen.

Quelle: Science


Schwache Strahlung kann Krebs-Vorläuferzellen fördern

Je älter wir werden, desto mehr Zellen in unserem Körper weisen genetische Mutationen auf, die ein potenzielles Krebsrisiko bergen. Ob Krebsgeschwüre entstehen, hängt dann auch davon ab, wie gut gesunde Zellen im Umfeld der Krebs-Vorläuferzellen diese noch in Schach halten können. Britische Forscher haben in Tierversuchen beobachtet, dass schon eine geringe Strahlenbelastung ausreichen kann, um die Wahrscheinlichkeit einer Krebs-Entstehung zu erhöhen. Sie setzten Mäuse einer schwachen Röntgen-Strahlung aus. Die Dosis entsprach drei typischen CT-Aufnahmen. Dabei zeigte sich: In der Speiseröhre der Mäuse konnten sich Zellen mit einer Mutation im Gen P53 nach der Bestrahlung häufiger gegen gesunde Zellen durchsetzen. P53 spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung vieler Krebsarten. Ihre Studie im Fachmagazin Cell Stem Cell könne helfen, die Effekte und Risiken geringer Strahlenbelastungen besser zu verstehen, so die Forscher.

Quelle: Cell Stem Cell


Moskitos riechen erst und sehen dann

Bei der Suche nach Tieren oder Menschen als Nahrungsquelle kombinieren blutsaugende Stechmücken ihren Seh- und Geruchssinn miteinander. Das berichten US-Forscher im Fachmagazin Current Biology. Bei Versuchen konnten sie zeigen: Mücken der Art Aedes aegyptii nehmen erst bestimmte chemische Reize wahr, darunter den erhöhten CO2-Gehalt der Luft, die wir oder andere Säugetiere ausatmen. Davon alarmiert, scannen sie anschließend ihre Umgebung nach bestimmten optischen Merkmalen, die sie mit Futterquellen verbinden, um dann gezielt darauf zuzufliegen. Ohne die vorgeschaltete Anregung durch ihren Geruchssinn fiel die Reaktion der Stechmücken auf die gleichen optischen Reize viel schwächer aus. Für ihre Experimente nutzten die Forscher eine spezielle Labor-Flugarena für Moskitos – mit einem 360-Grad-LCD-Bildschirm, auf dem sie verschiedene Bilder einspielen konnten.

Quelle: Current Biology

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk