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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft26.07.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die WHO hat eine Strategie gegen Hepatitis vorgestellt +++ Meeresgletscher schmelzen unter Wasser deutlich schneller als bislang angenommen +++ In Heidelberg ist der Dekan der Medizinischen Fakultät zurückgetreten +++ Auch blattlose Baumstümpfe können überleben +++ Fallen für Mückenweibchen helfen, das Chinkungunya-Virus einzudämmen

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Die WHO hat eine Strategie gegen Hepatitis vorgestellt

Global sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation etwa 325 Millionen Menschen von Hepatitis B oder C betroffen. Etwa 1,4 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen. Im Fachmagazin The Lancet Global Health stellen nun WHO-Mitglieder einen Kostenplan vor, mit dem die Infektionen in Zukunft deutlich reduziert werden könnten. Demnach brauchen die knapp 70 besonders betroffenen Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen Investitionen von etwa 5,4 Milliarden Euro pro Jahr, um die Zahl neuer Hepatitis-Ansteckungen bis zum Jahr 2030 um 90 Prozent zu reduzieren.

Das sei sehr kosteneffizient, so einer der Studienautoren. Die Gesundheitsdienste würden innerhalb von drei Jahren sogar Geld sparen, weil es weniger Hepatitis-Infizierte mit Komplikationen gebe. In den betroffenen Ländern könnten so bis 2030 4,5 Millionen Todesfälle verhindert werden. Voraussetzung für den Kostenplan sei allerdings, dass es in allen Ländern erschwingliche, nicht durch Patente geschützte Hepatitis-Medikamente gebe.

Insgesamt sind fünf Typen von Hepatitis-Viren bekannt. Die meisten Todesfälle treten durch Infektionen mit Hepatitis B- und C-Viren und daraus resultierende Leberentzündungen und –tumoren auf. Am stärksten betroffen sind Pakistan, China und Ägypten.

Quelle: The Lancet Global Health, DPA


Meeresgletscher schmelzen unter Wasser deutlich schneller als bislang angenommen

Das schreibt ein Forschungsteam aus den USA im Fachblatt Science. Die Wissenschaftler haben zwischen 2016 und 2018 das unterseeische Abschmelzen des LeConte-Gletschers untersucht, der in Alaska in eine Meerenge mündet. Dabei nutzten sie eine Methode, die – anders als bei vorangegangenen Studien – eine direkte Messung des Schmelzvorgangs ermöglicht. Sie beruht auf Sonar-, Radar- und Wetterstations-Daten, Zeitraffer-Fotografien und Messwerten zu Wasserströmung, -temperatur und –salzgehalt. Das Fazit der Forscher: Bisherige theoretische Berechnungen unterschätzen die Schmelzraten von Gletschern unter Wasser mancherorts um den Faktor 100.

Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, bessere Vorhersagen über den klimabedingten Anstieg des Meeresspiegels in der Zukunft zu machen, so die Autoren.

Quelle: Science


In Heidelberg ist der Dekan der Medizinischen Fakultät zurückgetreten

Der Grund ist die sogenannte Heiscreen-Affäre um einen Bluttest zur Brustkrebserkennung. Zitat: "Das Handeln des Dekans im Verlauf der HeiScreen-Affäre ist zum Gegenstand offizieller Untersuchungen geworden und wird in Teilen der Öffentlichkeit anhaltend kritisch diskutiert. Mit meinem Entschluss möchte ich hierfür die Verantwortung übernehmen und hoffe, damit dem Amt, der Fakultät und der Universität zu dienen." Mit diesen Worten wird Andreas Draguhn, in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg wiedergegeben. Er hatte das Amt des Dekans am 01. Oktober 2018 angetreten.

Im Februar 2019 hatten Mediziner des Universitätsklinikums Heidelberg den Test mit Hilfe der ausgegründeten Firma HeiScreen medienwirksam beworben. Kurz darauf war Kritik an der PR-Kampagne aufgekommen: Die Test-Daten waren nicht unabhängig begutachtet worden und erwiesen sich zudem als unzureichend.

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg, DPA


Auch blattlose Baumstümpfe können überleben

... obwohl sie selbst keine Photosynthese betreiben. Den Beweis erbringen zwei Ökologen der Auckland University of Technology im Fachblatt iScience. Die Forscher haben den blattlosen Stumpf eines Neuseeländischen Kauri-Baums untersucht – einer hochwachsenden, zu den Nadelhölzern zählenden Art. Dabei entdeckten sie, dass der Baumstrunk noch lebt, da er durch das Wurzelsystem mit benachbarten Bäumen derselben Art verbunden ist und so Wasser und Nährstoffe mit ihnen austauscht. Die Forscher vermuten, dass sich die Wurzelverbindungen bereits gebildet haben, als der Baum noch intakt war. So hatten er und seine Artgenossen einen Vorteil durch die Vergrößerung des Wurzelsystems. Davon profitieren auch die Wirtsbäume offenbar heute noch.

Mehrere Bäume derselben Art sollten daher mitunter nicht nur als Individuen, sondern vielmehr als miteinander verbundener Superorganismus angesehen werden, so das Fazit der Studie.

Die Wissenschaftler hatten den Wasserfluss im Stumpf und den umstehenden Kauri-Bäumen gemessen. Dabei stellten sie fest, dass die Strömung im Strunk an die der intakten Bäume gekoppelt war. Die Wurzeln der Bäume hatten sich also verbunden.

Quelle: iScience


Fallen für Mückenweibchen helfen, das Chinkungunya-Virus einzudämmen

Vor einigen Jahren hat die US-Bundesbehörde Centers for Disease Control and Prevention, kurz CDC, eine spezielle Insektenfalle entwickelt. Sie lockt besonders Moskitoweibchen auf der Suche nach einem sicheren Eiablageplatz an. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Fallen die Zahlen von Tigermücken regional erheblich reduzieren. Die Art überträgt zahlreiche gefährliche Viruserkrankungen wie Zika und Gelbfieber. Jetzt zeigt die Studie eines US-Forschungsteam im Fachmagazin PLoS Neglected Tropical Diseases, dass die Fallen tatsächlich gegen die Ausbreitung einer durch Tigermücken übertragenen Infektionskrankheit wirken – das Chikungunya-Fieber.

Die Wissenschaftler hatten Daten während eines Ausbruchs in Puerto Rico gesammelt. Dabei beobachteten sie in jeweils hunderten Haushalten mit und ohne Moskitofallen die Infektionszahlen. Das Ergebnis: In Ersteren waren etwa 26 Prozent der Bewohner betroffen – in den Wohngebieten ohne Fallen dagegen knapp 44 Prozent.

Chikungunya-Viren sind in den Tropen weit verbreitet. Symptome einer Infektion sind hohes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen. Die Moskitofallen bestehen aus einem Gefäß mit Heu und Wasser, das die Mückenweibchen anlockt, funktionieren ohne Chemikalien und sind kostengünstig.

Quelle: PLoS Neglected Tropical Diseases

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