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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft06.08.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Der Mensch hat der Vogelwelt Neuseelands nicht gutgetan +++ Bei manchen Leuten geht die biologische Uhr vor +++ Das dünnste Gold der Welt ist zwei Atome dick +++ Das Geschlecht erkennt man auch am Innenohr +++ Holzkohle könnte helfen, den Klimawandel abzumildern +++ Es kommt doch auf die Sprache an

Von Kathrin Baumhöfer

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Der Mensch hat der Vogelwelt Neuseelands nicht gutgetan.

Seit Menschen sich auf den Inseln ansiedelten, sind dort rund 70 Vogelarten ausgestorben, schreiben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eines internationalen Teams im Fachmagazin "Current Biology". Ihren Angaben zufolge entspricht das rund der Hälfte der Arten, die es ursprünglich dort gab. Mehr noch: Ungeachtet der gegenwärtigen Schutzbemühungen gilt knapp jede dritte noch lebende Vogelart Neuseelands als bedroht.

Als Gründe für die Entwicklung nennen die Autoren eingeschleppte Fressfeinde wie Ratten, Marder oder Katzen, aber auch die Jagd und die wachsende Landwirtschaft.

Die Forschenden simulierten auf Grundlage fossiler und genetischer Daten, wie lange es dauern würde, bis die Inseln die abhanden gekommene Vielfalt wiederhätten. Ihr Ergebnis: 50 Millionen Jahre.

Wenn man davon ausgeht, dass die Arten, die heute bedroht sind, tatsächlich aussterben, würde es laut den Berechnungen zehn Millionen Jahre dauern, um zum heutigen Stand zurückzukehren.

Zu den bekanntesten Vögeln in Neuseeland zählen - neben Kiwis – etwa Keas und Tuis.

Quelle: Current Biology


Bei manchen Leuten geht die biologische Uhr vor.

… und zwar jeden Tag um mehrere Stunden. Nach Berechnungen US-amerikanischer Forscherinnen und Forscher zählt einer von etwa 300 zu den Menschen, die gegen acht Uhr abends ins Bett gehen und vor fünf erholt wieder aufstehen, wenn man sie lässt. Dies geht einher mit entsprechenden Schwankungen des Schlafhormons Melatonin und der Körpertemperatur, heißt es im dazugehörigen Fachartikel im Magazin "Sleep".

Die Daten wurden über einen Zeitraum von neun Jahren gesammelt und stammen von mehr als 2.400 Patienten eines Schlaflabors.

Alle der so identifizierten Extrem-Frühaufsteher berichteten von mindestens einem nahen Verwandten, bei dem da auch so sei. Bei zwei Personen fanden die Wissenschaftler Mutationen, von denen ein Zusammenhang mit einer Schlafrhythmus-Verschiebung bereits vermutet wird.

Quelle: Sleep


Das dünnste Gold der Welt ist zwei Atome dick.

Von den Blättern, die dabei entstehen, sprechen die beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen deshalb auch als einem Material in 2D. Wie sie im Fachmagazin Advanced Science schreiben, können sie sich Anwendungen in der Medizin ebenso vorstellen wie etwa in der Wasseraufbereitung.

Als Katalysator funktionierte das ultradünne Gold im Labor um ein Zehnfaches effizienter als bekannte Reaktionsbeschleuniger.

Die Synthese gelang in einer wässrigen Lösung, Ausgangsmaterial Tetrachlorogoldsäure. Entscheidend war, dass eine Chemikalie hinzugefügt wurde, die das gelöste Gold dazu brachte, sich in zwei Schichten aneinander zu lagern.

Das fertige Nano-Gold sieht aus wie blättriger Seetang – und hat auch dessen grüne Farbe. Das liegt an den speziellen Eigenschaften von Nanopartikeln, die kleiner sind als die Wellenlänge des sichtbaren Lichts.

Quelle: Sleep


Das Geschlecht erkennt man auch am Innenohr.

Genauer: an der Form der Cochlea oder Hörschnecke. Die ist nämlich bei Männern anders gewunden als bei Frauen, und zwar unabhängig vom Lebensalter. Das schließen die Anthropologen des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung aus der Analyse von mehr als 100 Knochenproben aus Skeletten Erwachsener und Jugendlicher aus unterschiedlichen Kulturen.

Sie schreiben in den Scientific Reports, dass sie sich insbesondere eine Anwendung in der Archäologie erhoffen: Die Cochlea liegt im Felsenbein – und der Knochen ist, wie der Name schon sagt, besonders stabil und bei solchen Funden oft gut erhalten.

Warum die Cochlea geschlechtsspezifische Unterschiede aufweist, konnte noch nicht geklärt werden.

Quelle: Scientific Reports


Holzkohle könnte helfen, den Klimawandel abzumildern.

Jedes Jahr verbrennt auf der Welt eine Fläche, die so groß ist wie Indien. Dabei gelangt mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre als aus dem globalen Straßen-, Schienen-, Schiffs- und Luftverkehr zusammen. Bei Waldbränden aber wird ein Teil dieses Kohlenstoffs als Holzkohle gebunden, und zwar für Jahrhunderte. Und in gebundener Form kann er nicht zum Klimawandel beitragen. Die Fachleute sprechen dann von pyrogenem Kohlenstoff.

Ein internationales Team von Forschenden hat das nun erstmals quantifiziert, nachzulesen im Fachmagazin Nature Geoscience. Demnach werden pro Jahr 12 Prozent des Kohlenstoffs, der weltweit durch Landschaftsbrände in die Atmosphäre gelangt, in Form von Holzkohle gebunden. Grundlage der Berechnungen waren Daten aus Feldstudien und von Satelliten.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass nachwachsende Pflanzen der entscheidende Faktor sind, wenn es darum geht, CO2 aus der Luft zu gewinnen.

Bis die Vegetation nach einem Brand wieder hergestellt ist, dauert es auf Grasland weniger als ein Jahr, in manchen Wäldern Jahrzehnte.

Quelle: Nature Geoscience


Und es kommt doch auf die Sprache an.

Wenn ich in dieser Meldung von "Forschern" oder von "Forscherinnen" spreche, macht das einen Unterschied – und zwar bei dem Bild, das bei den meisten von Ihnen jetzt vor dem inneren Auge entsteht. Das Gleiche gilt für Personalpronomen wie "er", "sie", "es". Das Problem: In der deutschen Sprache dominiert – wie auch in vielen anderen – die männliche Form, selbst wenn gar nicht nur Männer gemeint sind.

Bemühungen, diese Schieflage mit den Mitteln der Sprache auszuräumen, sind nicht umsonst. Das zeigt eine Studie, die gerade im Fachmagazin PNAS erschienen ist. Demnach lassen sich mentale Verzerrungen, die Männer begünstigen, reduzieren, indem man geschlechtsneutrale Pronomen verwendet.

Umgekehrt gilt: Der Gebrauch geschlechtsneutraler Pronomen fördert positive Empfindungen gegenüber Frauen und Menschen, die sich anderen Geschlechtern zuordnen.  

Bleibt die sprachliche Unbeholfenheit, mit der das manchmal vonstatten geht – aber das ist ein anderes Thema.

Quelle: PNAS

  

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