Mittwoch, 13.11.2019
 
Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft06.09.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Alte DNA zeigt, wie sich Menschen und Sprachen in Eurasien verbreitet haben +++ In Japan wurde ein bislang unbekannter Entenschnabelsaurier entdeckt +++ Lava lässt das Meer aufblühen +++ Ein Forschungsteam hat eine neue Population seltener Molche entdeckt, ohne eines der Tiere zu sehen +++ Im Meer vor der Westküste der USA droht eine neue Hitzewelle +++ Ein defektes Motorteil könnte für den Fehlstart einer Vega-Rakete verantwortlich gewesen sein

Von Lennart Pyritz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Alte DNA zeigt, wie sich Menschen und Sprachen in Eurasien verbreitet haben

Ein großes internationales Forschungsteam hat das Erbgut von mehr als 520 prähistorischen Individuen aus Süd- und Zentralasien aus den vergangenen 8000 Jahren untersucht. Die im Fachmagazin Science präsentierten Ergebnisse erlauben Rückschlüsse auf die Besiedlung der Region. Der Studie zufolge stammt zum Beispiel die heutige südasiatische Bevölkerung zu großen Teilen von Bauern aus dem Nahen Osten ab und von bronzezeitlichen Viehhirten der Jamnaja-Kultur aus dem Westen der Eurasischen Steppe.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Menschen nicht nur nach Osten sondern auch Richtung Europa wanderten. Ihr Migrationsmuster weist somit darauf hin, dass der Ursprung der indoeuropäischen Sprachen in der Eurasischen Steppe liegt und ihre Merkmale sich mit den Menschen von dort sowohl nach Europa als auch nach Asien ausbreiteten.

Eine weitere Studie im Fachmagazin Cell ergänzt und untermauert die Erkenntnisse aus Science.

Quelle: Science, Cell


In Japan wurde ein bislang unbekannter Entenschnabelsaurier entdeckt

Das Fossil der neuen Art wurde in Meeresablagerungen im nordjapanischen Hokkaido gefunden. Das Tier war ausgewachsen, ungefähr acht Meter lang, wog etwa vier bis fünf Tonnen und lebte in der späten Kreidezeit vor 72 Millionen Jahren. Die neue Spezies trägt den Namen Kamuysaurus japonicus. Ihre fossilen Überreste sind das größte Dinosaurierskelett, das jemals in Japan gefunden wurde.

Charakteristisch für Entenschnabel- oder Hadrosaurier waren breite, abgeflachte Schnauzen, die an einen Schnabel erinnern. Die neue Spezies weist der Studie im Fachblatt Scientific Reports zufolge ein paar individuelle Merkmale auf, darunter einen kleinen Schädelkamm und eine kurze Reihe nach vorn weisender Wirbelfortsätze.

Die pflanzenfressende Gruppe der Entenschnabelsaurier gilt als eine der erfolgreichsten unter den Dinosauriern der späten Kreidezeit. Überreste von ihnen wurden nicht nur in Asien sondern auch in Europa, Amerika und der Antarktis geborgen.

Der neue Fund verfeinere nun das Bild der Vielfalt und Evolution dieser Saurier-Gruppe, so das japanische Forschungsteam.

Quelle: Scientific Reports


Lava lässt das Meer aufblühen

Im Sommer 2018 brach der Vulkan Kilauea auf Hawaii aus und ließ Lava in den Nordpazifik strömen. Wenige Tage später kam es in der Region zu einer starken Zunahme von Phytoplankton. Ein US-amerikanisches Forschungsteam beschreibt jetzt die Hintergründe dieser Algenblüte detailliert im Fachmagazin Science.

Die Wissenschaftler waren während des Ausbruchs in das Meeresgebiet gefahren und hatten die Zusammensetzung von Wasser und Phytoplankton untersucht. Dabei zeigte sich, dass offenbar besonders hohe Konzentrationen der Stickstoffverbindung Nitrat zu der biologischen Aktivität beitrugen. Da Lava selbst wenig Stickstoff enthält, ist sie offenbar nur indirekt für die Algenblüte verantwortlich. Die Forscher vermuten, dass die Lava tiefe, nährstoffreiche Wasserschichten im Meer erhitzt hat. Diese stiegen dadurch zur Oberfläche auf und förderten das Wachstum der dort lebenden Algen und Bakterien.

Schätzungen zufolge floßen bei dem Ausbruch etwa eine Milliarde Tonnen Lava in den Nordpazifik vor Hawaii.

Quelle: Science


Ein Forschungsteam hat eine neue Population seltener Molche entdeckt, ohne eines der Tiere zu sehen

Möglich gemacht haben das der Einsatz von Geografischen Informationssystemen, kurz GIS, und die Analyse von Umwelt-DNA – Erbgut, das Organismen in Form von Ausscheidungen oder Körperzellen in der Umwelt hinterlassen. Das japanische Forschungsteam nutzte GIS, um die Vegetation und Topografie bekannter Verbreitungsgebiete der bedrohten Molch-Art Hynobius vandenburghi zu charakterisieren und vergleichbare Gebiete ohne Verbreitungsnachweis auszumachen. Dort überprüften sie dann Wasserproben auf die zuvor analysierte DNA der Molche.

Die Wissenschaftler konnten das Erbgut der Tiere in drei von fünf potenziellen Lebensräumen nachweisen. In einem davon fanden sie schließlich auch lebende Molche. Das Fazit im Fachblatt Environmental DNA: Die Kombination von GIS und Umwelt-DNA könne helfen, bedrohte Arten aufzuspüren und entsprechende Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Quelle: Environmental DNA


Im Meer vor der Westküste der USA droht eine neue Hitzewelle

Davor warnt die US-amerikanische Ozean- und Klimabehörde NOAA. Ungewöhnlich warmes Wasser breite sich von Alaska bis Kalifornien aus, so Wissenschaftler der Behörde. Sie befürchten dadurch eine massive Störung für Meereslebewesen wie Lachse, Wale und Seelöwen.

Zwischen 2014 und 2016 war es im nördlichen Pazifik zu einer ähnlichen Hitzewelle gekommen, die "The Blob" genannt wurde. Die Folgen: Die Nahrungsgrundlage für junge Lachse verschlechterte sich. Mehr Buckelwale verfingen sich in Netzen, da sie näher an der Küste nach Nahrung suchten. Tausende junge Seelöwen strandeten und es kam zu einer ausgedehnten Algenblüte mit großen wirtschaftlichen Folgen. Die Wassertemperaturen lagen dabei mehrere Grad Celsius über dem Durchschnitt.

Das Phänomen entsteht offenbar durch Hochdrucklagen, die verhindern, dass Winde das warme Oberflächenwasser und das kühlere, nährstoffreichere Tiefenwasser durchmischen.

Ob sich die aktuelle Hitzewelle schneller abschwäche als die vergangene, bleibe noch abzuwarten, so die NOAA.

Quelle: NOAA, APD


Ein defektes Motorteil könnte für den Fehlstart einer Vega-Rakete verantwortlich gewesen sein

Die Trägerrakete war Mitte Juli vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana mit einem Erdbeobachtungssatelliten abgehoben. Etwa zwei Minuten nach dem Start war sie in mehrere Teile zerbrochen. Jetzt ist eine unabhängige Untersuchungskommission zum Schluss gekommen, dass ein Defekt im vorderen Teil des Motors der zweiten Etage als wahrscheinlicher Grund dafür in Frage kommt. Das hat der europäische Raketenbetreiber Arianespace gestern in der Nähe von Paris mitgeteilt.

In die Untersuchung des Vorfalls war auch die Europäische Raumfahrtagentur Esa eingebunden.

Der Defekt in dem Bereich des sogenannten Z23-Motors sei durch "thermische und mechanische Effekte" ausgelöst worden, hieß es ergänzend. Es war der erste Fehlstart einer Vega-Rakete überhaupt.

Quelle: Arianespace, DPA

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk