Donnerstag, 05.12.2019
 
StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft01.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Forscher haben einen Wirkmechanismus von Heilpflanzen aufgeklärt +++ In der Antarktis ist ein riesiger Eisberg abgebrochen +++ Ungeborene bilden und verlieren bestimmte Handmuskelgruppen +++ Antikörper entlarven verborgene Bakterien +++ Gekochte Nahrung verändert die Darmflora

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Forscher haben einen Wirkmechanismus von Heilpflanzen aufgeklärt

Und zwar wenn es darum geht, den Blutdruck zu senken. Hierfür werden in der Kräutermedizin traditionellerweise Tees oder Extrakte aus Lavendel, Fenchelsamen oder Kamille eingesetzt. US-Wissenschaftler konnten aufklären, dass alle diese Pflanzen den Körper in ähnlicher Weise beeinflussen: Sie aktivieren einen spezifischen Kalium-Kanal namens KCNQ5 in den Muskelschichten, die die Blutgefäße umgeben. Dadurch entspannen sich die Gefäße. 

Nach Angaben der Forscher wird dieser Wirkmechanismus bisher von keinem synthetischen Blutdrucksenkungsmittel ausgenutzt. Ihre Studie ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen.

Quelle: PNAS


In der Antarktis ist ein riesiger Eisberg abgebrochen

Er hat eine Fläche von rund 1600 Quadratkilometern, was fast der doppelten Größe Berlins entspricht. Der Block, D 28 genannt, löste sich vom Amery Schelfeis an der Ostküste der Antarktis. Es handelt sich um den größten Eisberg in dieser Region seit 50 Jahren. Laut der Einschätzung von Gletscherforschern ist das Ereignis nicht dem Klimawandel zuzuschreiben. Vielmehr gehört es zum natürlichen Zyklus des Schelfeises.

Bei diesem schwimmenden Eis handelt es sich um Gletscher, die sich vom Festland aus ins Meer hinausschieben, ähnlich wie andernorts Flüsse ins Meer münden - nur in gefrorener Form. Da das Schelfeis so ständig an Masse gewinnt, muss es immer wieder auch Masse loswerden. Wissenschaftler hatten das Abbrechen von großen Eismassen in dieser Region des Amery Schelfeises schon länger erwartet. Das Eis hatte dort auf Satellitenbildern seit Jahren wachsende Risse gezeigt.

Quelle: Agenturen


Ungeborene bilden und verlieren bestimmte Handmuskelgruppen

Erwachsene Menschen besitzen eine geringere Anzahl an Knochen und daran ansetzende Muskeln als zum Beispiel Mäuse oder Eidechsen. Diese Anlagen sind im Zuge der Evolution verloren gegangen. Aber nicht so ganz. Forscher der Howard University in Washington haben beobachtet, dass Menschen während der Embryonalentwicklung in den Händen eine Reihe von Muskeln ausbilden, die sich wenig später wieder zurückbilden oder mit anderen Muskeln fusionieren. So weisen Föten in der siebten Woche noch 30 Handmuskeln auf. Bis zur 13. Woche reduziert sich die Zahl auf 20. Bei ihrer Entdeckung nutzten die Forscher eine neue Methode, mit der sich gezielt der Muskelapparat selbst bei noch sehr kleinen Embryonen immuntechnisch einfärben und dann mikroskopisch in hoch-auflösenden 3D-Bildern analysieren lässt. Ein sieben Wochen alter Fötus ist etwa so groß wie eine Blaubeere. Die Studie ist im Fachmagazin Development erschienen.

Quelle: Development


Antikörper entlarven verborgene Bakterien

In der Natur wie im menschlichen Körper leben Millionen von Bakterienarten, deren Existenz sich zwar anhand von DNA-Analysen nachweisen lässt, die bisher aber nicht isoliert und im Labor kultiviert werden konnten. Forscher aus den USA haben eine Methode entwickelt, mit der sich etwas Licht in die sogenannte Dunkle Materie der Mikrobenwelt bringen lässt. Die Wissenschaftler stellten auf Basis bereits erfasster Gensequenzen, die den Bauplan spezifischer Proteine auf der Außenhülle von Bakterien darstellen, passende Antikörper her. Die Antikörper binden an diese Proteine. Die Forscher nutzten dann die Antikörper, um die entsprechenden Bakterien gezielt aus dem Speichel von Probanden zu fischen und weiter zu analysieren. Nach Darstellung der Forscher im Fachjournal Nature Biotechnology ließe sich die Methode universell einsetzen, um die unterschiedlichsten Bakterienarten aus Umweltproben zu isolieren.

Quelle: Nature Biotechnology


Gekochte Nahrung verändert die Darmflora

Bei Experimenten an Mäusen und Menschen haben Forscher aus den USA erstmals gezeigt: Eine identische Diät, aber einmal mit roher und einmal mit gekochter Nahrung, führt jeweils zu einer anderen Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft im Darm. Frühere Studien hatten ergeben, dass unterschiedliche Ernährungsweisen, etwa vegetarische im Vergleich zu fleischbasierter Kost, die Darmflora verändert. Dass allein das Kochen von ansonsten gleichen Zutaten ebenfalls das Mikrobiom stark beeinflusst, sei überraschend, schreiben die Forscher im Fachmagazin Nature Microbiology. Die beobachteten Effekte erklären die Wissenschaftler zum einen mit der leichteren Verdaubarkeit gekochter Nahrung. Zum anderen würden durch das Kochen bestimmte Pflanzen-Inhaltsstoffe zerstört, die im rohen Zustand eine antimikrobielle Wirkung auf bestimmte Darmbakterien haben. Die Studie liefert damit auch neue Hinweise, wie das Kochen die Evolution des Mikrobioms des Menschen im Laufe der Menschheitsgeschichte geprägt haben könnte.

Quelle: Nature Microbiology

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