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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft15.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein interstellarer Besucher ist gewöhnlicher als gedacht +++ Gehirn und Schädel entwickelten sich unabhängig voneinander +++ Löschdecken könnten auch Häuser schützen +++ Bonner Forscher entwickeln eine Sendungsverfolgung für den Fettstoffwechsel +++ Pilze könnten die Schmerztherapie verbessern +++ Tiefseemuscheln sind gut (auf alle Eventualitäten) vorbereitet

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ein interstellarer Besucher ist gewöhnlicher als gedacht

Vor zwei Jahren entdeckten Astronomen mit dem zigarrenförmigen Steinbrocken Oumuamua erstmals einen interstellaren Himmelskörper, der durch unser Sonnensystem flog. Ende August wurde die zweite Entdeckung eines solchen Kometen bekannt. Ein internationales Forschungsteam hat die Daten nun ausgewertet und stellt sie im Fachblatt NATURE Astronomy vor. Demnach unterscheidet sich der 2I/Borisov genannte Himmelsköper kaum von Kometen in unserem Sonnensystem. Der feste Kern des Kometen ist etwa einen Kilometer groß, seine Oberfläche besteht vor allem aus Staub. Hochrechnungen zufolge könnte er seinen Ursprung in einem rund 13 Lichtjahre entfernten Doppelsternsystem aus zwei Roten Zwergen haben.

Quelle: NATURE Astronomy


Gehirn und Schädel entwickelten sich unabhängig voneinander

Das geht aus einer Studie von Forschenden der Universität Zürich hervor, die im Fachblatt PNAS erscheint. Das menschliche Gehirn ist rund dreimal so groß wie das eines Menschenaffen. Grund ist die evolutionäre Herausbildung neuer Hirnstrukturen, die zum Beispiel das Sprechen oder das Herstellen von Werkzeugen ermöglicht hat. Für ihre Studie untersuchten die Forschenden Schädel von Menschen und Schimpansen mithilfe bildgebender Verfahren. Danach konnten sie die räumlichen Beziehungen zwischen Windungen und Furchen des Gehirns einerseits und den Schädelnähten andererseits analysieren. Dabei sahen sie, dass diese Veränderungen im Gehirn in keiner Wechselwirkung zu den Umformungen standen, die der menschliche Schädel im Laufe der Evolution durchlaufen hat.

Quelle: PNAS | Uni Zürich


Löschdecken könnten auch Häuser schützen

Jedes Jahr verlieren tausende Menschen durch Waldbrände ihre Häuser, vor allem in Kalifornien. Um die Gebäude vor den Buschbänden zu schützen, hat ein Forscher der Cape Western Reserve University spezielle Feuerschutz-Decken entwickelt. Wie er in der kommenden Ausgabe des Fachblatts Frontiers in Mechanical Engineering schreibt, hat er die teils mit Metall beschichteten Decken in drei Bereichen getestet: Erstens, um potentielle Angriffsflächen am Haus zu schützen, etwa Fenster, Dächer oder Türen. Zweitens, die Flammen durch das Ausbreiten der Decken im Garten gar nicht erst bis an das Gebäude vordringen zu lassen und drittens, um ein Haus vor den mit dem Feuer einhergehenden steigenden Temperaturen zu schützen. Erste Experimente zeigten, dass der Schaden bei einem Waldbrand mithilfe der Decken am oder vor dem Gebäude um bis zu 95 Prozent verringert werden konnte.

Quelle: Front. Mech. Eng.


Bonner Forscher entwickeln eine Sendungsverfolgung für den Fettstoffwechsel

Viele Krankheiten hängen mit Störungen des Fettstoffwechsels zusammen, etwa Adipositas oder bestimmte Krebserkrankungen. Drei Wissenschaftler der Universität Bonn stellen im Fachblatt NATURE Methods nun eine Methode vor, mit der sie den Fettstoffwechsel in Mäusen bis in einzelne Leberzellen verfolgen können. Bei Experimenten hatten sie Leberzellen bestimmte Fettsäuren zugesetzt, die mit einer zusätzlichen Dreifachbindung markiert waren. Diese Markierungen konnten die Wissenschaftler später bei Messungen im Massenspektrometer wiedererkennen und so die Fett-Transportwege im Mausmodell nachvollziehen. Diese Methode könnte helfen, um die Nebenwirkungen von neuen Arzneistoffen auf den Fettstoffwechsel zu minimieren, hoffen die Studienautoren.

Quelle: NATURE Methods | Uni Bonn


Pilze könnten die Schmerztherapie verbessern

Ein internationales Molekularbiologenteam hat möglicherweise eine Alternative zu bisherigen Opioid-Schmerzmitteln entdeckt und zwar in einem Schlauchpilz. Wie die Forschenden im Fachblatt PNAS notieren, wirken die in der MST-MF667 genannten Penicillium-Art gefundenen Wirkstoffe über einen anderen Signalweg als herkömmliche Opioide. Dabei handelt es sich um so genannte Tetrapeptide, die den vom Menschen bekannten körpereigenen Opioiden ähneln. Bei ersten Tests mit Mäusen wirkte der nach dem Vorbild der Pilzsubstanzen entwickelte Wirkstoff ähnlich stark wie Morphin, heißt es in der Studie.

Quelle: PNAS


Tiefseemuscheln sind gut (auf alle Eventualitäten) vorbereitet

Denn die Schalentiere gewähren diversen Bakterienstämmen Obdach und sind damit für Umweltveränderungen gewappnet. Das berichtet ein deutsch-österreichisches Forschungsteam im Fachblatt NATURE Microbiology. Die Bathymodilus-Muscheln, die in der Nähe heißer Quellen leben, ernähren sich mit Hilfe der Symbionten, die nicht nutzbare Stoffe aus den Quellen in Nahrung umwandeln. Demnach tummeln sich bis zu 16 verschiedene Bakterienstämme in einem Tier. Jeder Stamm verfügt über eigene Fähigkeiten und Stärken. Einige der entdeckten Bakterien brachten unter den aktuellen Bedingungen ihrem Wirt aber keinen direkten Nutzen. Die Studienautoren vermuten, dass die Muscheln diese Bakterienvielfalt als eine Art Refugium anlegen, um auch bei sich rasch ändernden Umweltbedingungen weiterleben zu können.

Quelle: NATURE Microbiology | MPG

     

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