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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft22.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein künstliches Blatt könnte Biotreibstoff herstellen +++ Neandertaler nutzten komplexe Technologien offenbar überall +++ Wer alt werden will, muss früh seine Ernährung anpassen +++ Die Arktis setzt zunehmend Kohlendioxid frei +++ Genetiker erstellen einen Bierhefe-Stammbaum +++ Ornithologen entdecken den lautesten Vogel der Welt

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ein künstliches Blatt könnte Biotreibstoff herstellen

Ein Team der Universität von Cambridge in England hat einen Prototyp für ein künstliches Blatt entwickelt. Wie die Chemiker im Fachblatt NATURE Materials berichten, können sie wie bei der Photosynthese Energie aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenlicht herstellen. Während Pflanzen Zucker produzieren, erzeugten die Forschenden aus Kohlendioxid und Wasser zunächst ein Synthesegas, aus dem sich später etwa Brenn- und Kunststoffe oder Düngemittel gewinnen lassen. Der Prototyp ist nur wenige Millimeter dick und besteht aus bestimmten Materialschichten, etwa Bismutvanadat für die kurzwelligen Lichtanteile, und Perowskit, welches das langwellige Licht aufnimmt und umwandelt. Die Effizienz des künstlichen Blatts ist mit weniger als ein Prozent allerdings noch sehr gering, räumen die Studienautoren ein.  

Quelle: NATURE Materials


Neandertaler nutzten komplexe Technologien offenbar überall

Zumindest deutet ein Fund vor der niederländischen Küste darauf hin, dass unsere ausgestorbenen Vettern auch am äußersten nördlichen Rand ihres Verbreitungsgebiets technisch versiert waren. Ein Prähistorikerteam der Stiftung für Steinzeitforschung in Groningen stellt im Fachblatt PNAS eine 50.000 Jahre alte, mit Birkenpech geklebte Feuersteinklinge vor. Deren Machart und die Zusammensetzung des Pechs weisen darauf hin, dass Neandertaler diesen Steinzeitkleber bereits in einem mehrstufigen, ertragreichen Prozess produzierten. Die Studienautoren sehen sich damit in der Annahme bestätigt, dass auch technologisch komplexe Herstellungsmethoden zum gängigen Repertoire der Neandertaler gehörten.

Quelle: PNAS


Wer alt werden will, muss früh seine Ernährung anpassen

Dass eine geringe Nahrungsaufnahme gesundheitsfördernd und damit lebensverlängernd ist, hatten Studien bei Tieren und Menschen bereits gezeigt. Bis wann eine solche Umstellung noch einen Effekt hat, war unklar. Dieser Frage ist nun ein internationales Forschungsteam an Mäusen nachgegangen. Den Ergebnissen im Fachblatt NATURE Metabolism zufolge werden die Nage nur gesünder durch eine Ernährungsumstellung, wenn sie früh damit anfangen und bis ins hohe Alter derart ernährt werden. Wurde erst bei Mäusen im Seniorenalter die Nahrungszufuhr reduziert, blieb die Lebenserwartung gleich. Die Studienautoren schließen daraus, dass gesunde Verhaltensweisen früher im Leben dauerhaft etabliert werden müssen, um die Gesundheit im Alter zu verbessern und die Lebenszeit signifikant zu verlängern.

Quelle: NATURE Metabolism | MPG


Die Arktis setzt zunehmend Kohlendioxid frei

In den arktischen Regionen wird seit Zehntausenden Jahren Kohlenstoff von Pflanzen aufgenommen und gespeichert. Ein internationales Klimaforschungsteam hat nun für eine Überblicksstudie die arktischen Kohlendioxid-Emissionen aus mehr als 100 Messstationen erfasst. Den Ergebnissen im Fachblatt NATURE Climate Change zufolge übersteigen die winterlichen Emissionen bereits heute schon die Kohlenstoffaufnahme während der Vegetationsperiode. Den Hochrechnungen zufolge könnte der Verlust von CO2 aus den großen Permafrostregionen der Welt im Winter um 41 Prozent zunehmen, wenn die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen in ihrem derzeitigen Tempo anhalten.

Quelle: NATURE Climate Change | GFZ


Genetiker erstellen einen Bierhefe-Stammbaum

Bestimmte Bierspezialitäten erhalten erst durch eine spezielle Bierhefe und den Brauprozess den jeweiligen Geschmack. Wie sich die Hefen im Laufe der Brauhistorie entwickelt haben, war Gegenstand einer Studie, die im Fachblatt NATURE Ecology & Evolution erscheint. Demnach beeinflusste die Kreuzung der Bierhefe mit einer wilden Hefe das untergärige Brauen und ermöglichte somit Biere wie Schwarzbier oder Pils. Belgische Trapistenbiere hingegen verdanken ihren Geschmack den Wildstämmen, die in den Klosterkellern zur Bierhefe gelangten. Bei spontangärigen Bieren wird keine Hefe zugesetzt, sondern die umherfliegenden, natürlichen Hefesporen werden zur Gärhilfe genutzt.

Quelle: NATURE Ecology & Evolution


Ornithologen entdecken den lautesten Vogel der Welt

Männchen des in Brasilien heimischen Einlappenkotingas (Procnias albus) bezirzen weibliche Artgenossen mit rekordlauten Balzgesängen. Der ohrenbetäubende Gesang erreicht noch in vier Metern Entfernung Lautstärken von 104 Dezibel; Spitzenwerte lagen sogar bei 113 Dezibel, notiert ein US-brasilianisches Forscherteam im Fachblatt Current Biology. Die gemessenen Rufe sind lauter als jeder andere bekannte Ruf eines Vogels. Der etwa Taubengroße Einlappenkotinga will potentielle Partnerinnen offenbar durch Lautstärke überzeugen. Sind Weibchen in der Nähe, stimmen die Männchen die lautesten Gesänge an. Dies sei ungewöhnlich, da laute Rufe in der Regel für die Kommunikation über lange Distanzen verwendet werden, so die Forscher.

Quelle: Current Biology       

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