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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft23.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Frühgeborene entwickeln als Erwachsene häufiger Krankheiten +++ Blutdrucksenker wirken nachts deutlich besser +++ Ein Virus vermehrt sich ohne eigene Hülle +++ Quantencomputer sind traditionellen Rechnern tatsächlich überlegen +++ Krabben finden ihren Weg durch ein Labyrinth +++ In zoologischen Sammlungen sind Weibchen unterrepräsentiert

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Frühgeborene entwickeln als Erwachsene häufiger Krankheiten

Das zeigt eine groß angelegte Studie im Fachmagazin Jama. Forscher haben dafür auf  Gesundheitsdaten von mehr als 2,5 Millionen Menschen in Schweden zurückgegriffen, die dort zwischen 1973 und 1997 geboren wurden. Die Analysen zeigen: Vor allem extrem unreife Frühgeborene, die zwischen der 22. und 27. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, leben als Erwachsene signifikant häufiger mit Begleiterkrankungen. Auch ihr aus Bildung und Einkommen abgeleiteter sozioökonomischer Status bleibt im Durchschnitt niedriger als bei Normalgeborenen. Laut den Daten aus Schweden leben 63 Prozent der reif Geborenen im Erwachsenenalter ohne ernsthafte Begleiterkrankungen. Von den extrem Frühgeborenen waren dies nur 22 Prozent. Nach Angaben der Forscher können die Daten aber auch so interpretiert werden, dass selbst extrem Frühgeborene als Erwachsene ein gesundes Leben führen können.

Quelle: JAMA


Blutdrucksenker wirken nachts deutlich besser

Viele Menschen mit Bluthochdruck nehmen ihre blutdrucksenkenden Medikamente in der Regel am Morgen ein. Aus einer Studie im European Heart Journal lässt sich aber eine andere Empfehlung ableiten: Demnach sollte man die Blutdrucksenker besser vor dem Schlafengehen schlucken. Laut den Ergebnissen lässt sich so das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls um 50 Prozent reduzieren – verglichen mit einer morgendlichen Wirkstoff-Einnahme. Die Forscher aus Spanien erklären diesen Effekt mit der Inneren Uhr des Körpers. Je nach Tageszeit laufen bestimmte Stoffwechselprozesse unterschiedlich ab. Die medikamentöse Absenkung des Blutdrucks soll demnach in den Nachtstunden effektiver sein. 19.000 Probanden mit Bluthochdruck nahmen an der Studie teil. Jeweils die Hälfte musste ihre Medikamente entweder immer morgens oder immer abends einnehmen. Ihr Gesundheitsstatus wurde dann für vier bis acht Jahre erfasst.

Quelle: European Heart Journal


Ein Virus vermehrt sich ohne eigene Hülle

Japanische Forscher haben bei Schweinen eine neue Art von Viren entdeckt, die es gemäß klassischer Lehrbuchmeinung gar nicht geben dürfte. Dem sogenannten Enterovirus G Typ 2 fehlen die Erbinformationen, die zum Bau einer eigenen Schutzhülle aus Strukturproteinen nötig sind, in der das Viruserbgut verbreitet werden kann. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Infection, Genetics and Evolution berichten, ist das Virus EV-G Typ 2 offenbar auf die Unterstützung anderer, nah verwandter Enteroviren angewiesen. Es nutzt dann einfach die Hüllproteine der anderen. Damit das funktioniert, muss allerdings eine Zelle jeweils von beiden Virustypen gleichzeitig infiziert sein. Die Forscher sehen in dieser Variante einen unerwarteten Seitenzweig in der Evolution der Viren.

Quelle: Infection, Genetics and Evolution


Quantencomputer sind traditionellen Rechnern tatsächlich überlegen

Dass Quantencomputer mit ihren verschalteten Quantenbits viel schneller rechnen können sollten als herkömmliche Computer, ist in der Theorie schon länger klar. Fraglich nur, ob sich das auch in der Praxis beweisen lässt. Forscher der Google-Tochter Quantum AI berichten jetzt offiziell im Fachjournal Nature, dass ihnen das gelungen ist. Vor rund vier Wochen war dieser Meilenstein schon gerüchteweise bekannt geworden. Die Forscher ließen einen Quantenrechner mit 53 sogenannten Qubits die statistische Verteilung von einer Million zufälligen Quantenkombination errechnen. Der Quanten-Prozessor erledigte diese Aufgabe in rund 200 Sekunden. Ein heutiger Supercomputer würde nach Angaben der Forscher rund 10.000 Jahre Rechenzeit benötigen, um das gleiche Ergebnis zu liefern. Experten sehen die Quantencomputer aber noch lange nicht als reif an für einen Einsatz im Alltag. Dafür gilt die Technik als noch zu aufwendig, instabil und fehleranfällig. Quantencomputer rechnen nicht nur binär mit Nullen und Einsen. Ihre Qubits folgen den Gesetzen der Quantenmechanik und können mehrere Zustände zur selben Zeit darstellen.

Quelle: Nature


Krabben finden ihren Weg durch ein Labyrinth

Strandkrabben sind offenbar intelligenter als gedacht. Britische Forscher beobachteten in einem Experiment, dass Krabben sich den optimalen Weg durch ein Labyrinth hin zu einer Futterstelle einprägen können. Das beweist, dass die Gliedertiere über ein räumliches Gedächtnis und komplexe Lernfähigkeiten verfügen. Die zugehörige Studie ist im Fachjournal Biology Letters erschienen. Im Experiment mussten die Krabben ein kleines Labyrinth durchschreiten, in dem fünf korrekte Richtungsentscheidungen nötig waren, um optimal hindurch zu kommen. Mit jedem neuen Versuch schafften die Tiere das immer besser. Selbst nach zwei Wochen Pause fanden die so trainierten Krabben noch immer deutlich schneller den Weg als Krabben, die zum ersten Mal in das Labyrinth gesetzt wurden. Krebstiere besitzen eigentlich ein recht simpel strukturiertes Gehirn, mit sogar weniger Nervenzellen als viele Insekten. Allerdings müssen sich Strandkrabben in freier Natur auch in komplex strukturierten Lebensräumen zurechtfinden. Deshalb gingen die Forscher der Frage nach, inwieweit sich die Krabben optimale Wege zu einem Ziel einprägen können.

Quelle: Biology Letters


In zoologischen Sammlungen sind Weibchen unterrepräsentiert

Das zeigt eine Analyse von fast 2,5 Millionen Exponaten aus großen Naturkundemuseen in London, Paris, New York, Washington und Chicago. Normalerweise würde man eine statistische Verteilung von je 50 Prozent männlichen und weiblichen konservierten Tieren erwarten. Doch laut einer Studie britischer Forscher gibt es in den Sammlungen ein Ungleichgewicht von rund 60 zu 40. Dies zeige, dass es auch in der Wissenschaft eine gewisse Bevorzugung des männlichen Geschlechts gebe, berichten die Studienautoren in den Proceedings of the Royal Society B. Die Studie ergab auch, dass sich das überproportionale Sammeln männlicher Tiere im Verlauf der Zeit nicht geändert hat. Das Phänomen ist bei Exponaten aus neuerer Zeit genauso zu finden wie bei Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Die Forscher fordern, dass die Museums-Verantwortlichen künftig darauf achten müssten, ihre Sammlungen ausgewogen zu gestalten. Sonst könnten Studien, die mit Daten solcher Sammlungen arbeiten, verfälschte Ergebnisse liefern.

Quelle: Proceedings of the Royal Society B

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