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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft30.10.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Chile hat die UN-Klimakonferenz im Dezember abgesagt +++ Eine künstliche Intelligenz verbessert die Smog-Vorhersage +++ Bei psychischen Erkrankungen hilft Cannabis nur wenig +++ Ein optischer Tiefensensor arbeitet wie ein Spinnenauge +++ Menschen erkennen bekannte Musik ungeheuer schnell +++ Der Klimawandel gefährdet die Forellen im Bodensee

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Chile hat die UN-Klimakonferenz im Dezember abgesagt

Sebastián Piñera, der Präsident Chiles, begründete diesen Schritt mit den anhaltenden sozialen Unruhen im Land. Chile sei derzeit nicht in der Lage, eine so große internationale Konferenz durchzuführen. Die UN-Klimakonferenz COP 25 sollte vom 2. bis 13. Dezember in Chile stattfinden. Zu einem möglichen alternativen Termin und Austragungsort ist bisher nichts bekannt. Auch das Mitte November in Chile geplante Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforum (Apec) findet nicht statt.

Quelle: Agenturen


Eine künstliche Intelligenz verbessert die Smog-Vorhersage

Eine erhöhte Ozon-Konzentration in der bodennahen Luft reizt die Lungen und gilt als gesundheitsschädlich. Wer empfindlich darauf reagiert, sollte besser sportliche Anstrengungen vermeiden. Für eine entsprechende Planung wären aber gute lokale Vorhersagen der Ozon-Konzentration wichtig. Forscher der University of Houston haben ein entsprechendes Prognosesystem entwickelt, das auf einer künstlichen Intelligenz basiert. Sie wurde darauf trainiert, aus lokalen Wetterdaten und Schadstoffmessungen des Vortages die zu erwartende Ozonkonzentration 24 Stunden im Voraus abzuschätzen. In Versuchen lag das System in 85 bis 90 Prozent der Fälle richtig. Damit schnitt es besser ab als die Ozon-Prognosen klassischer Wettermodelle. Die Forscher veröffentlichten ihre Studie im Fachmagazin Neural Networks.

Quelle: Neural Networks


Bei psychischen Erkrankungen hilft Cannabis nur wenig

Cannabis wird immer häufiger auch als Arzneimittel eingesetzt. Neben der Behandlung von Schmerzpatienten verschreiben in manchen Ländern Ärzte Cannabis – beziehungsweise Inhaltsstoffe daraus – auch bei psychischen Beschwerden wie Ängsten und Depressionen. Dabei sollte aber Vorsicht geboten sein, wie eine Studie australischer Forscher zeigt. In einer Metaanalyse im Fachmagazin Lancet Psychiatry fassten die Wissenschaftler Ergebnisse von 83 Studien mit mehr als 3000 Versuchspersonen aus den vergangenen 40 Jahren zusammen. Unterm Strich zeigte sich, dass es bisher keine ausreichenden Hinweise darauf gibt, dass Cannabinoide bei psychischen Störungen tatsächlich helfen können. Die Forscher kamen sogar zu dem Schluss, dass nach aktuellem Wissensstand das Risiko eines Cannabis-Einsatzes bei der Behandlung psychischer Erkrankungen sogar als höher einzuschätzen ist als der Nutzen.

Quelle: Lancet Psychiatry


Ein optischer Tiefensensor arbeitet wie ein Spinnenauge

Auf der Suche nach einer möglichst simplen Technik zur Erfassung von Tiefeninformationen haben sich Forscher der Harvard University Springspinnen zum Vorbild genommen. Deren Augen besitzen mehrere halbdurchsichtige Netzhäute in Schichten hintereinander. Betrachtet die Spinne ein Jagdobjekt, zum Beispiel eine Fliege, wird diese auf den Netzhäuten in jeweils unterschiedlichen Schärfestufen abgebildet. Anhand dessen, welche Netzhaut das schärfste Bild liefert, kann die Spinne ohne großen Rechenaufwand erkennen, in welcher Entfernung die Fliege sitzt. Die Forscher konstruierten nach einem ganz ähnlichen Prinzip einen Tiefensensor, der ebenso nur wenig Rechenleistung benötigt. Die Technik könnte eines Tages Mikrorobotern und tragbaren Geräten ein räumliches Sehvermögen geben. Die Beschreibung des Verfahrens ist im Fachmagazin PNAS zu finden.

Quelle: PNAS


Menschen erkennen bekannte Musik ungeheuer schnell

"Wie heißt dieser Song" ist ein beliebtes Ratespiel. Es geht darum, in kürzester Zeit ein Musikstück zu erkennen. Forscher des University College London berichten jetzt im Fachjournal Scientific Reports von Experimenten die zeigten, dass Probanden sogar nur Bruchteile einer Sekunde benötigen, um anhand von Soundschnipseln auf eine ihnen schon bekannte Musik zu reagieren. Genauer gesagt vergingen im Durchschnitt nur 100 bis 300 Millisekunden, bis sich in Hirnstrommessungen und anhand von Pupillenreflexen eine eindeutige Reaktion auf vertraute Musik abzeichnete. Im Experiment bekamen die Probanden jeweils 100, nur eine Sekunde lange Musik-Bruchstücke vorgespielt. Diese stammten, in zufälliger Folge, entweder von Songs, die den Studienteilnehmern bereits gut bekannt oder noch unbekannt waren. Dabei wurden die zugehörigen Hirnreaktionen aufgezeichnet. Die Ergebnisse seien ein Beleg dafür, wie tief sich vertraute Musik in unserem Gehirn festsetze, so die Forscher.

Quelle: Scientific Reports


Der Klimawandel gefährdet die Forellen im Bodensee

In Zukunft dürfte der Wasserstand des Bodensees infolge des Klimawandels von Jahr zu Jahr stärker schwanken als bisher. Das könnte nach Ansicht von Experten zu einer Gefahr für die Seeforellen werden. Längere Trockenperioden mit einem niedrigen Pegelstand machen es für die Fische schwerer, ihre Laichplätze zu erreichen. Nach Angaben der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) zeigte sich das schon im trockenheißen Sommer 2018. Bei einer Fischtreppe am Alpenrhein als Zufluss zum Bodensee wurden nur halb so viele Seeforellen beim Aufstieg gezählt wie üblich. Seeforellen werden bis zu einen Meter lang und 15 Kilogramm schwer. In den 1980er Jahren war der Bestand wegen schlechter Wasserqualität stark bedroht, erholte sich seither dank gezielter Aufzucht und der Einrichtung von Schongebieten aber wieder.

Quelle: IGKB

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