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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft08.11.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Das antike Rom war ein Schmelztiegel von Einwanderern +++ Das Schicksal der Kaiserpinguine steht und fällt mit dem Pariser Klimaabkommen +++ Die katholische Kirche des Mittelalters prägt noch heute die europäischen Industriegesellschaften +++ Ein schnellerer Herzschlag ermöglicht es Hirschmäusen, in großer Höhe zu überleben +++ Das richtige Maß an Unwägbarkeit macht den Reiz von Popmusik aus +++ Das Ozonloch war seit 30 Jahren nicht so klein wie 2019

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Das antike Rom war ein Schmelztiegel von Einwanderern

Ein Forschungsteam hat die genetische Geschichte der "ewigen Stadt" rekonstruiert. Dazu hat es Erbgut aus 127 Skeletten analysiert, die die Bevölkerungsstruktur Roms von der Mittelsteinzeit bis heute verdeutlichen. Die in der Fachzeitschrift Science vorgelegte Studie zeigt dabei eine große Vielfalt.

Die ältesten untersuchten Knochen stammen von Jägern und Sammlern, die vor 7.000 bis 10.000 Jahren gelebt haben. Die damaligen "Römer" ähnelten den Menschen nördlich der Alpen. Es folgte eine Reihe von Besiedlungswellen: Mit dem Aufkommen der Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit kamen Bauern aus Anatolien nach Europa. Bei der Gründung Roms um 750 vor Christus ähnelte die genetische Zusammensetzung der moderner Mittelmeer-Populationen. Zur Kaiserzeit verzeichneten die Forschenden vor allem Abstammung aus dem östlichen Mittelmeerraum und Nahen Osten.

Nach dem Umzug der Hauptstadt nach Konstantinopel im Jahr 330 und der Teilung des Reiches nahm die Vielfalt ab. Es folgte der Niedergang des Römischen Reiches. Ab dem Mittelalter glichen die Römer dann wieder mehr den übrigen Europäern.

Quellen: Science, DPA


Das Schicksal der Kaiserpinguine steht und fällt mit dem Pariser Klimaabkommen

Diesen Schluss illustriert ein Forschungsteam im Fachblatt Global Change Biology anhand von Computersimulationen. Schreite die Erderwärmung mit dem derzeitigen Tempo fort, schwinde das lebensnotwendige Packeis und den Tieren drohe das Aussterben. Laut Modell würden in diesem Fall die Zahl der Kolonien und die der Individuen um etwa 80 Prozent sinken. Werde die Erderwärmung dagegen auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzt – so wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen – würde die Zahl der Pinguin-Kolonien um rund 20 Prozent abnehmen und die der globalen Population um etwa ein Drittel.

In diesem Fall könnten sich 2060 allerdings den Berechnungen zufolge die Wachstumsraten stabilisieren, und so den Populationsrückgang deutlich abmildern.

Kaiserpinguine können bis zu 130 Zentimeter groß werden und leben in Kolonien auf dem Packeis der Antarktis. Das Meereis hat große Bedeutung als Rückzugsort und für die Nahrungssuche der Vögel. Packeis ist durch den Klimawandel allerdings immer stärker vom Schmelzen bedroht.

Quelle: Global Change Biology


Die katholische Kirche des Mittelalters prägt noch heute die europäischen Industriegesellschaften

Diesen Zusammenhang beschreiben vier Wissenschaftler aus den USA und Kanada im Fachblatt Science. Die Theorie in Kurzform: Der Einfluss, den die katholische Kirche vor mehr als einem halben Jahrtausend auf die Heirats- und Familienstruktur ausgeübt hat, hat enge Verwandten-Netzwerke geschwächt und durch kleinere, unabhängigere Haushalte ersetzt. Dieser Effekt hat die kulturelle Evolution mitgeprägt und äußert sich noch heute im Verhalten und den Vorstellungen der Menschen in Europa – insbesondere einem verstärkten Individualismus, weniger Angepasstheit und mehr Vertrauen zwischen Fremden.

Die Studie basiert auf psychologischen, anthropologischen und historischen Daten – zum Beispiel Aufzeichnungen des Vatikans zu Verwandtenehen oder Angaben zu freiwilligen Blutspenden.

Um andere Erklärungen auszuschließen, haben die Forscher Variablen wie Einkommen, Ausbildung oder geografische Faktoren statistisch kontrolliert.

Quelle: Science


Ein schnellerer Herzschlag ermöglicht es Hirschmäusen, in großer Höhe zu überleben

Hirsch- oder Weißfußmäuse leben in Gebirgsregionen des amerikanischen Westens. Ein nordamerikanisches Forschungsteam beschreibt jetzt im Fachmagazin PLoS Genetics, wie die Tiere mit der dünnen Luft in hohen Lagen zurechtkommen. Demnach verfügen sie über eine Genvariante, die die Herzfrequenz erhöht. Indem das Blut schneller zirkuliert, gleichen die Nager so offenbar den niedrigeren Sauerstoffgehalt aus.

Die Forschenden hatten das Erbgut von 100 Mäusen untersucht, die in unterschiedlicher Höhe leben. Dabei zeigte sich, dass eine bestimmte Variante des Gens Epas1 wesentlich häufiger bei Tieren aus hohen Lagen auftrat.

Das Gen Epas1 wurde auch bereits in Verbindung zu Atmungs- und Kreislauf-Anpassungen von Bewohnern der tibetischen Hochlandebene gebracht.

Quelle: PLoS Genetics


Das richtige Maß an Unwägbarkeit macht den Reiz von Popmusik aus

Der Beatles-Song "Ob-La-Di, Ob-La-Da" oder James Taylors "Country Roads" sind Beispiele für klassische Musikhits. Ein Forschungsteam aus Deutschland hat jetzt in diesen beiden und gut 740 weiteren beliebten Popsongs zehntausende Akkorde analysiert, um zu ergründen, was ein Lied zum Hörgenuss macht. Entscheidend sei dabei die richtige Kombination aus musikalisch Erwartbarem und Überraschendem für die Zuhörer, so die Forschenden im Fachblatt Current Biology.

Das Team hatte 39 Erwachsenen Akkordfolgen aus den untersuchten Popsongs vorgespielt – allerdings ohne Texte, Melodien und Rhythmen, so dass die Lieder für die Testhörer nicht zu erkennen waren. Diese bewerteten für jeden Akkord, als wie angenehm sie ihn empfanden. Um die statistischen Gesetzmäßigkeiten – und damit auch die Überraschungsmomente – in den mehr als 80.000 Akkordabfolgen zu quantifizieren, nutzten die Forschenden ein Computer-Modell. Waren bestimmte Akkorde erwartbar, fanden die Teilnehmenden es besonders angenehm, musikalisch überrascht zu werden. Waren sie dagegen unsicher, freuten sie sich, wenn keine überraschenden Akkorde folgten.

Bildgebende Untersuchungen in einem zweiten Experiment zeigten wiederum, dass die positive Musikerfahrung sich in drei Hirnregionen widerspiegelte: Amygdala, Hippocampus und Hörrinde – Bereiche, die bei der Verarbeitung von Emotionen, Lernen und Erinnern eine Rolle spielen.

Quelle: Current Biology


Das Ozonloch war seit 30 Jahren nicht so klein wie 2019

Die maximale Ausdehnung des Ozonlochs betrug in diesem Jahr rund zehn Millionen Quadratkilometer. Das hat die Europäische Weltraumorganisation ESA heute mitgeteilt. Das sei weniger als die Hälfte der Ausdehnung, die das Ozonloch normalerweise in den vergangenen Jahrzehnten erreicht habe.  Außerdem werde sich das Loch in diesem Jahr früher schließen. Normalerweise passiere das Ende November oder Anfang Dezember, dieses Jahr werde schon eher damit gerechnet.

Diese rekordverdächtigen Daten wurden durch eine Erwärmung der Stratosphäre über dem Südpol verursacht, heißt es in der ESA-Mitteilung. Es sei jedoch wichtig zu beachten, dass dies ein ungewöhnliches Ereignis sei und nicht darauf hindeute, dass sich die globale Ozon-Erholung beschleunigt. Schätzungen zufolge wird dieser Prozess noch bis 2060 andauern.

Die Ozonschicht wirkt wie ein Filter für Hautkrebs auslösende ultraviolette Strahlen. Seit Anfang der 80er Jahre wurde eine Abnahme des Ozons in 15 bis 50 Kilometer Höhe registriert. Bei der Entstehung des Ozonlochs spielen Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, eine große Rolle. Viele Länder haben bereits 1987 die Produktion der ozonschädigenden Chemikalien gestoppt.

Quellen: ESA, DPA

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