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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft03.12.2019

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Schmelzwasserseen können schnell verschwinden +++ Astronomen entdecken das massivste bislang bekannte schwarze Loch im nahen Universum +++ Vierjährige können Sprachen erfinden +++ Die NASA entdeckt ein abgestürztes Mond-Landemodul +++ Physiker messen Druck mithilfe von Gas +++ Eine historische Pandemie könnte weniger schwer gewütet haben als bislang gedacht +++ Hitze kann zu kürzeren Schwangerschaften führen +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Schmelzwasserseen können schnell verschwinden

Ein britisches Polarforschungsteam hat erstmals mithilfe von Drohnen beobachtet, wie schnell sich Schmelzwasserseen auf den großen Gletschern Grönlands entleeren. Wie die Forschenden im Fachblatt PNAS darlegen, entleeren sich die Seen durch Risse im Eis. Bei einem Gletscher im Westen der Insel flossen binnen fünf Stunden fast fünf Millionen Kubikmeter Schmelzwasser ab. Daher sei es denkbar, dass das Ausmaß und der Einfluss solcher gewaltigen Entleerungen von Schmelzwasserseen bei bisherigen Untersuchungen stark unterschätzt wurden, vermuten die Studienautoren.

Quelle: PNAS


Astronomen entdecken das massivste bislang bekannte schwarze Loch im nahen Universum

Eine Arbeitsgruppe des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik und an der Universitäts-Sternwarte München hat fotometrische Daten sowie spektrale Beobachtungen des Galaxienhaufens Abell 85 ausgewertet. Dabei stießen die Astronomen inmitten der zentralen Galaxie Holm 15A auf ein schwarzes Loch, das 40-Milliarden-fach schwerer ist als unsere Sonne, heißt es im Fachblatt The Astrophysical Journal. Der Galaxienhaufen Abell 85 enthält mehr als 500 einzelne Galaxien und befindet sich im Abstand von 700 Millionen Lichtjahren von der Erde.

Quelle: MPG | Studie


Vierjährige können Sprachen erfinden

Das haben Experimente von Psychologen aus Leipzig und Durham gezeigt, deren Ergebnisse sie im Fachblatt PNAS vorstellen. Bei den Tests sollten immer zwei Kinder zwischen vier und acht Jahren miteinander kommunizieren. Ein Kind sollte dem anderen ein Bild erklären, durfte dabei aber nicht reden. Dabei sahen die Forschenden, dass die Kinder problemlos auf Gesten zurückgriffen. Wenn später die Rollen vertauscht wurden, benutzte das Kind, das nun das Bild erklären musste, ähnliche Gesten wie das erklärende Kind im Experiment zuvor. Mit zunehmendem Verlauf wurden die Gesten immer abstrakter, wurden vom Gegenüber dennoch verstanden. Den Studienautoren zufolge entwickelten die Kinder somit spontan die Grundzüge einer neuen Sprache.

Quelle: PNAS


Die NASA entdeckt ein abgestürztes Mond-Landemodul

Rund drei Monate nach der missglückten indischen Mondmission hat die US-Weltraumbehörde NASA offenbar die Überreste des Landemoduls Vikram auf Bildern ausgemacht. Demnach ist der Lander der Chandrayaan-2-Mission auf der Oberfläche des Erdtrabanten zerschellt. Auf den veröffentlichten Bildern ist die Verteilung der Trümmer über mehrere Kilometer hinweg zu sehen. Die indische Raumfahrtbehörde ISRO hatte bei der geplanten Landung Anfang September die Verbindung zu dem Modul verloren. Ziel der Mission war unter anderem, die Mondoberfläche der Südpol-Region zu kartieren, den Boden zu analysieren und Wasser zu suchen.

Quelle: NASA| Agenturen


Physiker messen Druck mithilfe von Gas

Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben eine neue Methode zur Druckmessung realisiert, die ausschließlich von Naturkonstanten abhängt. Die Anwendung beruht auf elektrischen Messungen an Heliumgas, heißt es im Fachblatt NATURE Physics. Die Methode kann zur Überprüfung der genauesten Druckmessgeräte dienen. Eine solche Erhebung war bislang nur im Bereich bis 100.000 Pascal möglich. Mithilfe des neuen Verfahrens können Forschende aber nun Druck bis zu sieben Millionen Pascal messen.

Quelle: NATURE Physics | PTB


Eine historische Pandemie könnte weniger schwer gewütet haben als bislang gedacht

Im Jahr 541 breitete sich die Pest von Ägypten über die gesamte Mittelmeerregion und Europa aus und war in den folgenden 200 Jahren für Millionen Todesopfer verantwortlich. Die so genannte Justitianische Pest soll auch das Ende des Römischen Reiches besiegelt haben. Diese bisherige Geschichtsschreibung zweifelt ein internationales Forschungsteam im Fachblatt PNAS an. Denn für den propagierten deutlichen Bevölkerungsrückgang finden sich weder für Mitteleuropa noch für den Mittelmeerraum genetische, archäologische oder botanische Hinweise. Demnach brach Pollenanalysen zufolge weder die Landwirtschaft größtenteils ein, noch gab es deutlich mehr Bestattungen. Der in historischen Texten beschriebene Rückgang der Bevölkerung  von bis zu 60 Prozent könne anhand der vorliegenden Daten bisher nicht nachvollzogen werden, so die Studienautoren.

Quelle: PNAS


Hitze kann zu kürzeren Schwangerschaften führen

Das geht aus einer Studie US-amerikanischer Mediziner im Fachblatt NATURE Climate Change hervor. Die Forschenden hatten rund 56 Millionen Geburten und deren Umstände im Zeitraum 1969 bis 1988 ausgewertet. Demnach verkürzten heiße Tage von mehr als 32 Grad Celsius Schwangerschaften um durchschnittlich sechs Tage. Erst 15 Tage nach einem heißen Tag hatte sich die Geburtenrate wieder normalisiert. Bei jährlich etwa 30 heißen Tagen im Untersuchungszeitraum betraf die Verkürzung der Schwangerschaft demnach rund 25.000 Geburten und bedeutete einen Verlust von mehr als 150.000 Schwangerschaftstagen. Vermutlich werden im Zuge des Klimawandels künftig mehr Schwangerschaften von einer Verkürzung betroffen sein, heißt es. Allerdings zeigten die Daten auch, dass Klimaanlagen den beobachteten Effekt um drei Viertel reduzieren können.

Quelle: NATURE Climate Change

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