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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft24.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Forschende haben die Stimme einer Mumie zum Leben erweckt +++ Auch wer schillert, kann gut getarnt sein +++ Der Ausbruch des Vesuvs hat Hirngewebe eines Opfers zu Glas werden lassen +++ Die Weltuntergangsuhr wurde vorgestellt +++ In Nigeria ist das Lassafieber ausgebrochen +++ Das chinesische Coronavirus sorgt weiter für Aufregung

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Forschende haben die Stimme einer Mumie zum Leben erweckt

Genauer einen einzigen Ton, der auf dem rekonstruierten Vokaltrakt einer 3000 Jahre alten Mumie beruht. Dabei handelt es sich um die sterblichen Überreste des ägyptischen Priesters Nesyamun, die im Stadtmuseum von Leeds verwahrt werden.

Mittels Computertomografie konnte ein britisches Forschungsteam zunächst zeigen, dass durch den Mumifizierungsprozess wesentliche Teile des Kehlkopfs und Halses erhalten geblieben sind. Und die prägen den individuell einzigartigen Klang einer Stimme. Die Wissenschaftler vermaßen den Vokaltrakt und nutzten die Daten als Vorlage für ein 3D-Modell. Darin setzten sie einen künstlichen Kehlkopf ein, mit dem sie schließlich einen Ton reproduzierten. Klanglich fällt der zwischen die Vokale in den englischen Wörtern "bed" and "bad".

Die Autoren weisen im Fachmagazin Scientific Reports darauf hin, dass der Ton keine Basis bietet, um fortlaufende Sprache zu erzeugen. Es sei vielmehr ein Konzeptnachweis. Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler ein Computermodell entwickeln, mit dem sich auf Grundlage des rekonstruierten Vokaltrakts vielleicht irgendwann Wörter erzeugen lassen.

Quelle: Scientific Reports


Auch wer schillert, kann gut getarnt sein

Auffällige Farben können im Tierreich Paarungspartner anlocken - ebenso wie Fressfeinde. Ein schillernder Körper kann aber auch der Tarnung dienen. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam aus Bristol im Fachmagazin Current Biology. Die Forschenden hatten unterschiedliche Käfermodelle auf Blätter im Wald gesetzt und die Attacken wild lebender Vögel protokolliert. Dabei zeigte sich: Die Modelle aus Deckflügeln einer Prachtkäfer-Art, die metallisch grün schillern, wurden seltener angeflogen als gleich geformte, aber mattfarbige Käfermodelle in unterschiedlichen Farben. Das Schillern könnte sich im Lauf der Evolution ausgebildet haben, weil es die Insekten im natürlichen Muster aus Licht und Schatten für Vögel schlechter sichtbar macht.

Die Wissenschaftler wiederholten dasselbe Freilandexperiment auch mit Menschen. Auch denen fiel es schwerer, die grün-schillernden Käfer zu entdecken.

Schillernde Farben haben sich bei zahlreichen Tierarten entwickelt, darunter Insekten und Vögel. Die Tarnfunktion könnte dabei in vielen Fällen eine Rolle spielen, vermuten die Wissenschaftler.

Quelle: Current Biology


Der Ausbruch des Vesuvs hat Hirngewebe eines Opfers zu Glas werden lassen

Bei dem Vulkanausbruch vor fast 2000 Jahren starben vermutlich Tausende Menschen am Golf von Neapel im heutigen Italien. Die Überreste der Körper, die in Pompeji und Herculaneum unter Lava und Asche gefunden wurden, beschäftigen Forschende bis heute. Bei einem der Todesopfer haben italienische Wissenschaftler jetzt eine besondere Entdeckung gemacht, von der sie im "New England Journal of Medicine" berichten. Demnach hat der schnelle und extreme Temperaturanstieg auf mehr als 500 Grad Celsius beim Ausbruch dazu geführt, dass sich Hirngewebe in amorphe, glasartige Strukturen umgebildet hat –  winzige, dunkel schimmernde Fragmente im Schädel.

Bei speziellen Tests seien Proteine und Fettsäuren gefunden worden, die auf menschliche Hirnmasse und Haare am Kopf hindeuteten, so die Forscher.

Hitze, Gase und Asche haben in Herculaneum auch verkohltes Holz zurückgelassen, heißt es in der Publikation. Analysen davon deuteten auf Temperaturen von bis zu 520 Grad Celsius hin. Kurz danach sei die Temperatur wieder schnell gesunken.

Quellen: New England Journal of Medicine, DPA


Die Weltuntergangsuhr wurde vorgestellt

Und zwar auf 100 Sekunden vor Mitternacht. Im vergangenen Jahr hatte sie noch auf zwei Minuten vor zwölf gestanden. Die sogenannte Doomsday Clock zeigt an, wie nah die Menschheit aus Sicht des Berichtsblattes für Atomwissenschaftler der Selbstzerstörung ist. Als akute Bedrohungen nannten die Wissenschaftler die Erderwärmung und eine Schwächung internationaler Atomabkommen.

Das öffentliche Bewusstsein für die Klimakrise sei im Jahr 2019 gewachsen, doch die Klimaschutzbemühungen der Regierungen seien zu dürftig, um den Herausforderungen zu begegnen.

Erstmals publiziert wurde die Weltuntergangsuhr im Jahr 1947. Damals stand die Uhr auf sieben Minuten vor zwölf.

Mit 17 Minuten am weitesten entfernt von Mitternacht stand die Uhr im Jahr 1991, also nach dem Ende des Kalten Krieges.

Gegründet wurde das Bulletin of the Atomic Scientists 1945 von US-Forschern, die am Bau der ersten Atombombe beteiligt waren.

Quellen: Bulletin of the Atomic Scientists, EPD


In Nigeria ist das Lassafieber ausgebrochen

Seit Beginn des Jahres sind in Nigeria mindestens 24 Menschen an Lassafieber gestorben. Insgesamt seien bis zum 19. Januar 163 Fälle der Viruserkrankung bestätigt worden, so das Nigerianische Zentrum für Seuchenkontrolle. Es bestehen Sorgen, dass die Zahl der Toten weiter steigen könnte.

Lassafieber zählt zu den sogenannten hämorrhagischen Fiebern und geht mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Entzündungen einher. Jedes Jahr stecken sich laut Robert-Koch-Institut bis zu 300.000 Menschen damit an. Anders als bei Ebola zeigen aber 80 Prozent der Infizierten keine Symptome. Etwa ein bis zwei Prozent der Kranken sterben demnach. Eine etablierte, spezifische Therapie gegen die Viren gibt es nicht.

Quellen: DPA, RKI


Das chinesische Coronavirus sorgt weiter für Aufregung

Zwar hat die WHO bislang keinen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. China hat allerdings eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das Virus einzudämmen. Inzwischen sind etwa 43 Millionen Menschen in mehr als zehn Städten weitgehend von der Außenwelt abgeschottet; Nah- und Fernverkehr wurden dort eingestellt. In der zentralchinesischen Stadt Wuhan, in der das Virus erstmals aufgetreten ist, wird derzeit ein Krankenhaus mit 1000 Betten gebaut, das Anfang Februar aufnahmebereit sein soll.

26 Personen sind bislang an der Viruserkrankung gestorben, zumeist ältere mit Vorerkrankungen. Bei fast 900 Menschen wurde eine Infektion nachgewiesen.

Das Virus wurde mittlerweile vereinzelt auch in anderen Ländern nachgewiesen, darunter Südkorea, Vietnam, Japan und die USA. In Europa ist bislang noch kein Fall bekannt.

Die Infektionswelle überschattet das chinesische Neujahrsfest, das in der Nacht zum Samstag gefeiert wird. Zu dem zweiwöchigen Fest sind Hunderte Millionen Chinesen in ihre Heimatorte gereist – was die Sorge vor einer Ausbreitung des Virus vergrößert hat.

Quellen: DPA, WHO

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