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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft29.01.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Schmetterlingsflügel besitzen eine coole Beschichtung +++ Das Rote Meer ist eine Gasquelle +++ Forscher setzen im Kampf gegen Kohlmotten auf Kohlmotten +++ Bei einem Schlaganfall entzündet sich das betroffene Gewebe +++ Afrikanische Geparden sollen in Indien eine neue Heimat bekommen

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Schmetterlingsflügel besitzen eine coole Beschichtung

Anders als in Vogelfedern steckt in Schmetterlingsflügeln auch lebendes Gewebe. Und wenn die Sonne auf die großen, dünnen Flügelflächen scheint, droht schnell Überhitzung. Allerdings sitzen auf den Flügeln raffinierte Strukturen, die einen kühlenden Effekt haben. Zudem zeigen die Tiere bei Bedarf ein Verhalten, das Überhitzung vermeidet. Das haben Forschende der Columbia University beobachtet. Zum einen drehen die Schmetterlinge ihre Flügel bewusst aus der Sonne, wenn die Temperatur zu stark ansteigt. Zum anderen besitzen die Flügel auf ihren Schuppen feine Nanostrukturen, die eine besonders effektive Wärmeableitung durch Strahlung ermöglichen. Solche Strukturen zu imitieren, könnte auch für technische Anwendungen interessant sein, schreiben die Forscher im Fachjournal Nature Communications. Denn mit einer entsprechenden Beschichtung ließen sich Objekte ohne zusätzlichen Energieaufwand kühlen.

Quelle: Nature Communications


Das Rote Meer ist eine Gasquelle

Und zwar für die Kohlenwasserstoffe Methan, Ethan und Propan. Das berichtet eine Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz im Fachjournal Nature Communications. Normalerweise gelangen Ethan und Propan vor allem als Folge der Ölförderung in die Atmosphäre. Bei einer Messkampagne fanden die Wissenschaftler aber in der Luft über dem Norden des Roten Meeres überraschend Gaskonzentrationen, die sich nicht mit einem anthropogenen Ausstoß erklären lassen. Offenbar steigen die Gase aus Gräben in der Tiefsee empor. Das Rote Meer liegt über einer Zone, wo tektonische Platten auseinander driften. Die jetzt registrierten, natürlichen Gasemissionen sind so groß, dass sie laut Berechnungen der Forscher dem gesamten anthropogenen Ausstoß aller Ölförderländer des mittleren Ostens entsprechen. Das könnte auch Folgen für Umwelt und Gesundheit in der Region haben. Ethan und Propan reagieren in der Atmosphäre mit Stickoxiden und bilden dann unter anderem bodennahes Ozon und andere giftige Spurengase.

Quelle: Nature Communications


Forscher setzen im Kampf gegen Kohlmotten auf Kohlmotten

Kohlmotten sind in der Landwirtschaft als Schädlinge von Kohl und Raps gefürchtet. Eine Forschergruppe der Cornell University hat jetzt eine neue Bekämpfungsstrategie getestet, die ohne Pestizide auskommt. Bei einem Feldversuch setzten sie – als Weltpremiere – erstmals gentechnisch veränderte Kohlmotten-Männchen frei. Wenn diese sich mit normalen Kohlmotten-Weibchen paaren, entstehen keine lebensfähigen Nachkommen mehr. Die lokale Kohlmotten-Population bricht dann zusammen. Wie die Forscher im Fachjournal Frontiers in Bioengineering and Biotechnology berichten, verliefen die entsprechenden Experimente erfolgreich. Das Verfahren sei zur effizienten Kontrolle von landwirtschaftlichen Schädlingen geeignet. Die genmanipulierten männlichen Kohlmotten stammen von der britischen Firma Oxitec. Diese war auch schon an Experimenten beteiligt, bei denen in ähnlicher Weise gentechnisch veränderte Mücken freigesetzt wurden, um Mückenpopulationen zu schwächen. Anders als mit den Kohlmotten war dabei nicht das Ziel, eine Ernte zu sichern, sondern die Übertragung von Krankheiten durch die Mücken zu verhindern. 

Quelle: Frontiers in Bioengineering and Biotechnology


Bei einem Schlaganfall entzündet sich das betroffene Gewebe

Wenn ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn verstopft, kommt es zu einem ischämischen Schlaganfall. Das Hirngewebe hinter dem Blutpfropf wird dann nicht ausreichend durchblutet und beginnt abzusterben. Ein Team der Uniklinik Würzburg konnte nun zeigen, dass die Schäden, die dabei entstehen, nicht nur durch die mangelnde Sauerstoffversorgung hervorgerufen werden. Auch lokale Entzündungsreaktionen spielen eine zerstörerische Rolle. Deshalb könnte es sinnvoll sein, bei Schlaganfalltherapien künftig auch schon früh entzündungshemmende Medikamente einzusetzen, schreiben die Forscher im Fachjournal Annals of Neurology. Für ihre Studie entwickelten sie eine Technik, mit der sich bei Patienten Blutproben aus abgeriegelten Infarktbereichen im Gehirn ziehen lassen, kurz bevor die Blutgerinnsel operativ entfernt werden. Analysen solcher Blutproben wiesen deutlich erhöhte Werte typischer Entzündungsmarker auf.

Quelle: Annals of Neurology


Afrikanische Geparden sollen in Indien eine neue Heimat bekommen

Der Oberste Gerichtshof Indiens hat laut einem Bericht der BBC genehmigt, dass afrikanische Geparden in passenden Naturräumen des Landes angesiedelt werden – erst einmal probehalber. Versuche sollen zeigen, ob sich die afrikanischen Geparden überhaupt an die indischen Gegebenheiten anpassen können. Ziel wäre es, die Population dieser schnellen Raubkatze, die weltweit als gefährdete Art gilt, zu vergrößern. Von Geparden gibt es eine asiatische und eine afrikanische Variante. Die asiatische war einst auch in Indien präsent, wurde dort aber schon vor 70 Jahren ausgerottet. Derzeit kommen asiatische Geparden nur noch im Iran vor, laut Schätzungen nur etwa 50 Tiere. In Afrika sollen noch rund 7000 Geparden leben. Der Plan zur Wiederansiedlung der Geparden stößt in Indien auch auf Kritik. Gegner bezweifeln, dass sich langfristig eine Population aufbauen lässt. Sie verweisen unter anderem auf mögliche Konflikte mit den Menschen in den jeweiligen Regionen.

Quelle: BBC

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