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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft14.02.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein Ebola-Medikament zeigt Wirkung gegen MERS-Coronaviren +++ Die Umweltfolgen der Deepwater Horizon-Katastrophe waren weitreichender als gedacht +++ Quallen können bewirken, dass das Wasser sticht +++ Das Abschmelzen der Antarktis könnte den Meeresspiegel bis 2100 stark ansteigen lassen +++ Wo Frösche sterben, sinkt auch die Vielfalt an Schlangen +++ Der zurückliegende Monat war der weltweit wärmste Januar

Von Lennart Pyritz

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft – die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Ein Ebola-Medikament zeigt Wirkung gegen MERS-Coronaviren

Zur Gruppe der Coronaviren zählt nicht nur das neu in China aufgetretene Virus sondern auch die Erreger der Atemwegserkrankungen SARS und MERS. Ein Forschungsteam schreibt jetzt im Fachmagazin PNAS, dass das eigentlich gegen Ebola entwickelte antivirale Medikament Remdesivir gegen MERS-Coronaviren wirkt – zumindest in Experimenten mit Rhesusaffen. Die Wissenschaftler verabreichten den Wirkstoff zum einen prophylaktisch, bevor sie die Tiere mit den Viren infizierten, zum anderen therapeutisch zwölf Stunden nach der Infektion. In beiden Fällen verminderte das Medikament die Vermehrung des Virus. Besonders vorbeugend eingesetzt schützte es vor Lungenschäden und Atemwegsbeschwerden.

Weitere Studien seien notwendig, um das therapeutische Potenzial von Remdesivir bei MERS zu prüfen – und eventuell auch beim neuen Coronavirus aus China, so die Autoren.

In der vergangenen Woche gab es Berichte, dass chinesische Behörden den Wirkstoff Remdesivir bereits für klinische Versuche zur Behandlung von Erkrankten mit dem neuen Coronavirus zugelassen haben. 761 Patienten nähmen an den Tests teil. Über Ergebnisse ist noch nichts bekannt.

Quelle: PNAS


Die Umweltfolgen der Deepwater Horizon-Katastrophe waren weitreichender als gedacht

Das legt eine Studie im Fachmagazin Science Advances nahe. Im Jahr 2010 ereignete sich eine Explosion auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon. Daraufhin breiteten sich im Golf von Mexiko in einem Gebiet von 150.000 Quadratkilometern Ölteppiche aus. Die neue Studie zeigt jetzt, dass die anhand von Satellitendaten errechnete Fläche offenbar nicht das ganze Ausmaß der Ölpest abbildet. Beobachtungen vor Ort und Modellrechnungen zur Ölverbreitung im Meer zeigen demnach, dass große Gebiete des Golfs von unsichtbaren Ölvorkommen betroffen waren. Dazu zählen unter anderem texanische Küstenbereiche und Meeresgebiete um Florida.

Bei ihren Berechnungen orientierten sich die Autoren an Ölkonzentrationen, die für Meereslebewesen giftig sind.

Bei der Explosion der Bohrplattform 2010 waren elf Menschen gestorben. Etwa drei Monate lang floss anschließend Öl in den Golf von Mexiko.

Quelle: Science Advances


Quallen können bewirken, dass das Wasser sticht

Viele Quallen haben zur Jagd oder Verteidigung Tentakeln mit Nesselzellen, die bei Kontakt Gift übertragen. Die Folge: ein brennendes Gefühl auf der Haut. Ein Forschungsteam aus Japan und den USA beschreibt jetzt im Fachblatt Communications Biology, dass Mangrovenquallen sogar auf Distanz stechen können: indem sie Nesselzellen ins umgebende Wasser absondern. Damit liefern die Autoren eine Erklärung für das Phänomen des "stechenden Wassers", das zum Beispiel von Tauchern in der Karibik beschrieben wurde – ein brennendes Gefühl auf der Haut, ohne eine Qualle berührt zu haben.

Mangrovenquallen leben festsitzend am Meeresboden. Ihre Tentakel weisen dabei nach oben – die Tiere stehen sozusagen Kopf. Sie geben Schleim ins Wasser ab, der kleine Zellkugeln enthält. Mikroskopische Analysen zeigten, dass die äußere Schicht dieser sogenannten Cassiosomen mit tausenden Nesselzellen besetzt ist. Die winzigen Nessel-Granaten dienen den unbeweglichen Quallen offenbar dazu, kleine Beutetiere im Wasser zu töten.

Quelle: Communications Biology


Das Abschmelzen der Antarktis könnte den Meeresspiegel bis 2100 stark ansteigen lassen

Darauf weist die Studie eines internationalen Forschungsteams im Fachblatt Earth System Dynamics hin. Die Autoren hatten dafür Computersimulationen mit 16 Eisschild-Modellen verglichen. Demnach könnte der Anstieg des Meeresspiegels durch den Eisverlust allein der Antarktis innerhalb dieses Jahrhunderts sehr wahrscheinlich sechs bis 58 Zentimeter betragen – vorausgesetzt der Ausstoß von Treibhausgasen setzt sich fort wie bisher. Vermindert sich der Ausstoß schnell, liegt die Spanne laut Studie dagegen zwischen 4 und 37 Zentimetern. Zum Vergleich: In den vergangenen 100 Jahren ist der Meeresspiegel um etwa 19 Zentimeter gestiegen.

Sicher sei, dass das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Risiken für die Küstenmetropolen von New York bis nach Mumbai, Hamburg oder Shanghai weiter in die Höhe treibe, so der Erstautor der Studie.

Quelle: Earth System Dynamics


Wo Frösche sterben, sinkt auch die Vielfalt an Schlangen

Dass die Ausbreitung des Chytridpilzes die Amphibienpopulationen in den Tropen stark dezimiert und sogar zum Aussterben einiger Arten geführt hat, ist seit Jahren bekannt. Jetzt zeigt eine Studie im Fachblatt Science, dass dieser Rückgang auch tropische Schlangen trifft, die sich von Fröschen und deren Laich ernähren. Die Autoren warnen vor den – oft zunächst unsichtbaren - Dominoeffekten, die Einbrüche bei einer Tiergruppe langfristig auf die gesamte Nahrungskette und das Ökosystem entfalten können.

Für ihre Studie griffen die Forscher auf zoologische Daten aus einem geschützten Wald in Panama zurück. Die wurden über Jahre vor und nach der Ausbreitung des Chytridpilzes in der Region gesammelt. Die Analyse zeigte: Nach dem Pilz-Ausbruch – der zu einem Massensterben von Amphibien geführt hatte – nahm auch die Artenvielfalt bei den Schlangen ab. Zudem waren viele der gesichteten Reptilien danach in schlechter körperlicher Verfassung.

Schlangen werden generell selten gesichtet. Die Autoren können daher nicht mit Sicherheit angeben, ob bestimmte Arten tatsächlich verschwunden sind oder verbleibende Vertreter einer Spezies nur nicht entdeckt wurden.

Quelle: Science


Der zurückliegende Monat war der weltweit wärmste Januar

Das berichtet die US-Wetterbehörde NOAA mit Verweis auf 141 Jahre Klimaaufzeichnungen. Die globale Temperatur habe 1,14 Grad Celsius über dem Januar-Durchschnitt des 20. Jahrhunderts von 12,0 Grad gelegen. Damit setzt sich ein Trend der Erwärmung aus den vergangenen Jahren fort.

Den NOAA-Angaben zufolge war der Januar besonders warm in großen Teilen Russlands, in Teilen von Skandinavien und in Ostkanada. Dort sei es mindestens fünf Grad wärmer gewesen als in den Regionen im Januar üblich.

Vergangene Woche hatte der Climate Change Service des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus bereits erklärt, dass der Januar der wärmste in Europa gewesen sei.

In Deutschland war es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der fünftwärmste Januar seit 1981.

Quellen: DPA, NOAA, Copernicus, DWD

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