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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft03.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Die Luftverschmutzung verkürzt das Leben stärker als andere Faktoren +++ Der Klimawandel lässt Strände verschwinden +++ Nationale Ethikräte fordern Zurückhaltung bei Keimbahneingriffen +++ Pigmente verraten frühen Welthandel +++ Die Erde könnte einst eine reine Wasserwelt gewesen sein +++ Wallabys können doppelt trächtig sein +++

Von Michael Stang

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Die Luftverschmutzung verkürzt das Leben stärker als andere Faktoren

2015 war die Luftverschmutzung weltweit für 8,8 Millionen vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Dies entspricht einer durchschnittlichen Verkürzung der Pro-Kopf-Lebenserwartung von 2,9 Jahren. Einer Studie von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universitätsmedizin Mainz zufolge verringert die Luftverschmutzung die Lebenserwartung der Menschen im globalen Durchschnitt stärker als Infektionskrankheiten oder auch als andere Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie das Rauchen. Demnach übersteigt die Luftverschmutzung Malaria als Ursache für vorzeitigen Tod um den Faktor 19 und HIV/Aids um den Faktor neun, heißt es im Fachblatt Cardiovascular Research.

Quelle: Cardiovascular Research | Ärztezeitung


Der Klimawandel lässt Strände verschwinden

Strände unterliegen einem stetigen Wandel, nicht nur bedingt durch Ebbe und Flut, sondern auch durch die Häufigkeit und Intensität von Stürmen. Im Zuge des Klimawandels wird der steigende Meeresspiegel ebenfalls Einfluss auf die Strände haben. Wie stark sich die Küstenregionen verändern werden, hat ein Forschungsteam der Europäischen Kommission hochgerechnet. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt "NATURE Climate Change" schreiben, haben sie Satellitendaten ausgewertet, die globale Veränderungen der Küstenlinien zwischen 1984 und 2015 zeigen. Für ihre Prognosen nutzten sie dann verschiedene Klimaszenarien. Den Daten zufolge könnte bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Hälfte der weltweiten Sandstrände fast vollständig verschwunden sein. Der Stranderosion entgegenwirken können neben Küstenschutzbauten vor allem Klimaschutzmaßnahmen, so die Studienautoren.

Quelle: NATURE Climate Change


Nationale Ethikräte fordern Zurückhaltung bei Keimbahneingriffen

Die nationalen Ethikräte Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens rufen zur Zurückhaltung bei Eingriffen in die menschliche Keimbahn auf. In einer im Fachblatt NATURE veröffentlichten gemeinsamen Erklärung appellieren sie an Regierungen und Interessenvertreter weltweit, bei der Entwicklung von Regelungen ethische Überlegungen in den Mittelpunkt zu stellen. Demnach gelten die aktuell verfügbaren Methoden als noch nicht sicher genug für eine klinische Anwendung. Zudem sollten keine klinischen Versuche zum Einsatz von Keimbahneingriffen durchgeführt werden, "solange die Forschung die beträchtliche Unsicherheit zu den Risiken klinischer Anwendungen noch nicht auf ein akzeptables Niveau reduziert hat". Die Risiken müssten zuvor angemessen bewertet worden sein, und es müssten Maßnahmen zur Überwachung und Überprüfung dieser Risiken vorhanden sein.

Quelle: ethikrat.org


Pigmente verraten frühen Welthandel

Archäologen der Peking Universität haben blau-weißes Porzellan aus der Xuande-Dynastie untersucht. Dabei analysierten sie die zur Färbung verwendeten Pigmente, die in dem Geschirr aus dem 15.Jahrhundert noch erhalten sind. Im Fachblatt PNAS schreiben die Forscher, dass das Eisen-Magnesium-Verhältnis der Pigmente auf einen frühen globalen Handel hindeutet. Demnach wurden die verwendeten Pigmente bereits 1426 industriell gefertigt und weltweit gehandelt.

Quelle: PNAS


Die Erde könnte einst eine reine Wasserwelt gewesen sein

Heute bedecken die Weltmeere rund drei Viertel der Erde. Ob dies auch in der Frühzeit des Planeten der Fall war, konnte bisher nicht geklärt werden. Zwei US-Geologen stellen im Fachblatt PNAS neue Daten vor, die darauf hindeuten, dass die Erdoberfläche vor 3,2 Milliarden Jahren fast komplett von Wasser bedeckt gewesen sein könnte. In 3,42 Milliarden Jahre alten Gesteinsproben aus Westaustralien konnten die Forscher das Verhältnis von Sauerstoff-Isotopen messen. Demnach erfuhren die damaligen Urmeere kaum chemische Einflüsse von festen Landmassen. Das bedeutet: die Erde könnte vor rund 3,2 Milliarden Jahren noch eine fast reine Wasserwelt gewesen sein, so die Studienautoren.

Quelle: PNAS


Wallabys können doppelt trächtig sein

Sumpfwallabys (Wallabia bicolor) gehören zu den Beuteltieren, werden der Familie der Kängurus zugerechnet und leben überwiegend im Osten Australiens. Ein Team der Universität von Melbourne und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung hat bei einer Studie einen bislang unbekannten Reproduktionsmechanismus entdeckt. Wie die Forschenden im Fachblatt PNAS schreiben, gibt es bei Sumpfwallabys parallele, überlappende Schwangerschaften in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Das bedeutet, dass Eisprung und Paarung bereits vor der Geburt des vorherigen Nachwuchses vonstattengehen. Der neue Embryo verharrt dabei in einer Entwicklungsruhe, der so genannten embryonalen Diapause, bis der ältere Nachwuchs den Beutel verlässt. In dieser Hinsicht sind Sumpfwallaby-Weibchen während ihres gesamten Reproduktionslebens kontinuierlich trächtig. Diese Fortpflanzungsstrategie weicht von dem normalen, gestuften Fortpflanzungssystem bei Säugetieren deutlich ab.

Quelle: PNAS | IWZ 

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