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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft09.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Südkorea will Corona-Quarantäne per App überwachen +++ Reaktion auf Antibiotika hängt von der Bakterien-Gemeinschaft ab +++ GPS-Daten verraten die Wasserstellen von Wildeseln +++ Geruch von Plastikmüll könnte Meeresschildkröten anziehen +++ Deutsche aufgeschlossen für Digitalisierung in der Medizin

Von Piotr Heller

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Südkorea will die Corona-Quarantäne seiner Bürger per App überwachen

Das Innenministerium hat die App am Freitag veröffentlicht. Hintergrund ist, dass Südkorea mit über 7000 Fällen eines der am stärksten von Corona betroffenen Länder ist. Wer dort mit Infizierten Kontakt hatte, muss sich für zwei Wochen in eine selbst organisierte Quarantäne begeben. Für die meisten Betroffenen bedeutet das, dass sie zuhause bleiben müssen. Sie werden zwei Mal am Tag telefonisch von Behörden kontaktiert, die sich nach etwaigen Symptomen erkundigen.

Nun können die isolierten Personen ihre Symptome mit Hilfe der App an die Behörden melden. Das Programm sieht auch eine GPS-Überwachung vor: Falls die Person ihre Quarantäne-Zone verlässt, werden die Behörden darüber unterrichtet, heißt es in einem Technology Review Artikel. Die App soll zunächst nur in einer Provinz des Landes getestet werden. Ihre Nutzung ist freiwillig, wer sie nicht anwenden will, soll weiterhin auf klassischem Wege überwacht werden.

Quelle: Technology Review


Die Reaktion von Bakterien auf Antibiotika hängt von deren Gesellschaft ab

Das haben eine Biologin und ein Biologe aus Spanien mit einem Experiment demonstriert. Sie nahmen zwei Bakterien-Arten – E. coli und den Heubazillus – und setzen sie zunächst einzeln geringen Mengen eines Antibiotikums aus. Dabei reagierte E. coli auf das Medikament, während der Heubazillus sich trotz des Antibiotikums vermehrte.

Dann ließen die Forscher die Bakterien gemeinsam wachsen. Jetzt waren die Reaktionen genau umgekehrt: Das Antibiotikum hemmte den Heubazillus, während E. coli sich vermehrte. Die Studie ist im Magazin Science Advances erschienen. Sie zeige, dass man die Reaktion von Bakterien auf Antibiotika nicht allein an einzelnen Bakterienarten erforschten könne, heißt es von den Wissenschaftlern – zumal Bakterien im echten Leben nicht isoliert vorkommen, sondern meistens in Gemeinschaften leben.

Quelle: Science Advances


GPS-Daten verraten die Wasserstellen von Wildeseln

In der Wüste Gobi leben Wildesel, die auf der Suche nach Nahrung und Wasser mitunter kilometerlange Strecken zurücklegen. Um mehr über das Verhalten dieser Tiere zu lernen, haben Biologen aus mehreren Ländern einige der Tiere mit GPS-Empfängern bestückt und deren Wüstenrouten nachvollzogen.

So konnten die Forscher knapp 370 Wasserstellen identifizieren. Gut 50 davon wurden von den Wildeseln intensiv über mehrere Jahre genutzt, notieren die Wissenschaftler in den Scientific Reports. Jedoch waren die anderen ebenfalls wichtig – etwa dann wenn sie zwischen wichtigen Futterstellen lagen und es den Tieren ermöglichten, zwischen diesen Gebieten umherzuwandern. Dieses Wissen könnte dazu dienen, den Lebensraum der Wildesel und damit die Tiere selbst zu schützen.         

Quelle: Scientific Reports


Der Geruch von Plastikmüll könnte Meeresschildkröten anziehen

Es sterben immer wieder Schildkröten, weil sie sich in umherschwimmendem Plastikmüll verheddern oder den Kunststoff fressen und daran erkranken. Bislang ging man davon aus, dass vor allem das Aussehen des Mülls die Tiere anzieht – sie könnten etwa Plastiktüten mit Beutetieren wie Quallen verwechseln.

Jetzt haben Forscher aus den USA den Einfluss des Geruchs von Plastikmüll genauer untersucht. Auf dem Kunststoff sammeln sich nämlich Mikroorganismen und andere Lebewesen an. Deren Aroma habe in Labor-Experimenten ebenso anziehend auf die Schildkröten gewirkt wie der Geruch von Futter, notieren die Forscher im Magazin Current Biology. Das zeige, dass Plastik in allen Formen ein Problem für die Tiere darstelle.

Quelle: Current Biology


Die Menschen hierzulande stehen der Digitalisierung in der Medizin aufgeschlossen gegenüber

Diesen Schluss lässt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PWC zu, an der 1000 Menschen teilnahmen. Über 75 Prozent von ihnen begrüßten "digitalisierte Verwaltungsprozesse" im Gesundheitswesen, 60 Prozent sprachen sich für mehr Telemedizin aus. Unterschiede gab es bei den Altersgruppen. Von den Befragten unter 35 sagte eine knappe Mehrheit, dass sie elektronische Rezepte, beispielsweise auf dem Smartphone, auf jeden Fall nutzen würde. Bei den Über-55-Jähigen war das nur ein Drittel und damit deutlich weniger.

Große Sorgen äußerten die Befragten beim Datenschutz. Obwohl fast alle davon ausgingen, dass persönliche Daten nicht ohne Zustimmung weitergegeben werden sollten, fürchteten 77 Prozent, dass ihre Informationen bei kommerziellen Anbietern landen könnten.

Hintergrund der Umfrage ist, dass die Bundesregierung die Digitalisierung im Gesundheitswesen derzeit vorantreibt. So ermöglicht es das im November beschlossene "Digitale-Versorgung-Gesetz" etwa, dass Patienten digitale Produkte wie spezielle Gesundheits-Apps auf Rezept erhalten. Zudem sollen digitale Verwaltungswerkzeuge wie die elektronische Patientenakte flächendeckend eingeführt werden.

Quelle: dpa

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