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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft23.03.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Leopoldina gibt gesundheitspolitische Empfehlungen für Corna-Krise +++ Gilead Sciences stoppt die Verteilung seines Anti-Viren-Wirkstoffs +++ Tarnkappe für Blutkörperchen +++ Kleinster Roboter +++ Wählerische Vampirfledermäuse +++ Mausbewegungen verraten Fake-Bewertungen +++ Mars-Rover Curiosity in Schieflage

Von Piotr Heller

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)

Die Leopoldina hat gesundheitspolitische Empfehlungen für den Umgang mit der Corona-Krise präsentiert

Für die nächsten fünf Monate rät die Nationale Akademie der Wissenschaften zunächst, besonders gefährdete und systemrelevante Personengruppen zu schützen. Die Versorgung von Pflegebedürftigen müsse etwa sichergestellt werden, Pflegeeinrichtungen müssten die für ihre Arbeit nötigen Materialen bekommen.

Um die Diagnostik zu verbessern müssten unter anderem Schnelltests entwickelt werden. Eine zentrale Datenplattform könnte zudem dabei helfen, die Tests zu koordinieren.

Damit sich die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beschleunigt, rät die Leopoldina dazu, die Zulassungsverfahren zu dynamisieren und klinische Studien massiv zu fördern.
 
Quelle: Leopoldina 


Das Pharmaunternehmen Gilead Sciences stoppt die Verteilung seines experimentellen Anti-Viren-Wirkstoffs

Es handelt sich um Remdesivir. Der Wirkstoff war vor Jahren bei Ebola-Patienten erprobt worden, hatte sich aber nicht als wirksam erwiesen. Nun wird er im Rahmen von klinischen Studien zur Behandlung von Covid-19 getestet, unter anderem auch in Deutschland.

Daneben hatte der Hersteller es Patienten mit besonders schweren Symptomen ermöglicht, das nicht-zugelassene Medikament im Rahmen von Sondergenehmigungen zu nutzen. Diese Praxis wolle das Unternehmen nun aufgrund der hohen Nachfrage einstellen, berichtet das Portal statnews.com.

Die Firma arbeite an einem anderem System, um besonders betroffenen Menschen Zugang zu dem Medikament zu gewähren. Bis dahin werde es Ausnahmen für Kinder, Jugendliche und Schwangere geben. 
 
Quelle: statnews.com


Eine Tarnkappe könnte universell einsetzbares Spenderblut ermöglichen

Bei Bluttransfusionen ist es wichtig, dass Blutspender und Empfänger dieselben Blutgruppen haben – ansonsten würde das Blut verklumpen. Entscheidend dabei ist unter anderem der Rhesusfaktor, kurz Rh.

Er äußerst sich durch das D-Antigen auf den Blutkörperchen. Menschen mit einem negativen Rhesusfaktor können kein Rh-positives Blut empfangen. Chinesischen Forschern ist es nun in Tierversuchen gelungen, das D-Antigen mit einer Art Tarnkappe zu verstrecken.

Bisherige Versuche dieser Art sind daran gescheitert, dass die Blutkörperchen durch die Behandlung zu steif wurden und ihre Funktion nicht mehr erfüllten. Die neue Tarnkappe besteht aus einem flexiblen Hydrogel, schreiben die Forscher im Magazin Science Advances, und umgeht so dieses Problem.

Kombiniert mit Methoden, die das AB0-System der Blutgruppen manipulieren, ließe sich universell einsetzbares Spenderblut herstellen. Jedoch müsste man dafür noch einen Weg finden, die Produktion der Rhesus-Tarnkappe hoch zu skalieren, um klinisch relevante Mengen herzustellen.
 
Quelle: Science Advances


Ingenieure haben den kleinsten mikroelektrischen Roboter der Welt gebaut 

Die Maschine ist weniger als ein Millimeter lang und kaum dicker als ein menschliches Haar. Sie ist in der Lage, in Flüssigkeiten zu manövrieren, indem sie chemisch Sauerstoffbläßchen aus Wasserstoffperoxid erzeugt und durch zwei Röhrchen ausstößt.

Energie bekommt der winzige Roboter mittels Induktion kabellos von außen. Auf diese Weise lässt er sich auch fernsteuern. Zudem kann man ihn mit einem ebenfalls ferngesteuerten Greifarm ausrüsten.  

Nano-Ingenieure aus Deutschland haben die Maschine gemeinsam mit chinesischen Kollegen entwickelt und in Magazin Nature Electronics präsentiert. Irgendwann könnte sie zum Beispiel im menschlichen Körper Medikamente an ihr Ziel befördern oder Krankheiten erkennen.
 
Quelle: Nature Electronics


Vampirfledermäuse verteilen keine voreiligen Blutspenden

Es ist bekannt, dass Tiere, die zusammen leben, sich gegenseitig helfen. Jedoch wissen Forscher bislang nicht, wie derartige Zweckgemeinschaften entstehen. Eine spieltheoretische Erklärung besagt, dass die Tiere zunächst kleine Gefälligkeiten austauschen. Damit ist der Verlust nicht so groß, wenn das Gegenüber den Gefallen nicht erwidert. Über die Zeit bauen sie Vertrauen auf und gehen zu substantieller Hilfe über.

Um diese Theorie zu überprüfen, beobachteten Biologen aus Panama, den Vereinigten Staaten und Deutschland den Gemeinen Vampir – eine Fledermausart. Die Tiere trinken Blut und schenken es gelegentlich Artgenossen, mit denen sie sich einen Schlafplatz teilen.

In einem Experiment brachten die Forscher fremde Tiere zu bestehenden Gruppen. Dabei konnten sie tatsächlich das von der Spieltheorie vorhergesagte Verhalten beobachten, wie sie im Magazin Current Biology schreiben: Erst nachdem die Fremden sich bei der gegenseitige Körperpflege beweisen haben, kamen sie in den Genuss einer Blutspende.
 
Quelle: Current Biology 


Mausbewegungen können Fake-Bewertungen im Internet verraten

Online-Versandhäuser arbeiten seit langem daran, gefälschte Bewertungen ihrer Produkte zu erkennen. Sie setzen zum Beispiel auf Textanalysen. Doch das klappt nicht, wenn die Bewertungen nach einem Punktesystem funktionieren.
Italienische Psychologen haben nun einen anderen Ansatz erprobt. Sie ließen Testpersonen online Produkte auf einer Fünf-Punkte-Skala bewerten und zeichneten deren Mausbewegungen auf.

Bei einem Teil der Bewertungen waren die Probanden angehalten, zu schwindeln. In diesen Fällen seien die Mausbewegungen erratischer und langsamer gewesen und wären weiter über den Bildschirm gewandert. Die Mausbewegungen seien somit ein vielversprechender Anhaltspunkt, um Fake-Bewertungen zu erkennen, notieren die Forscher im Magazin Computers in Human Behavior.
 
Quelle: Computers in Human Behavior


Der Mars-Rover Curiosity hat sich in eine beachtliche Schieflage hineinmanövriert.

Was jedoch kein Versehen ist. Seit 2014 erklimmt der Rover den fünf Kilometer hohen Mount Sharp. Vor kurzem erreichte er die größte Steigung, die der bisher überwinden musste. Als er sie hochfuhr, war der Rover um 31 Grad geneigt, berichtet die Nasa. Ein Rekord für Curiosity – jedoch kein absoluter Rekord für Mars-Rover. Den hat vor vier Jahren nämlich das inzwischen inaktive Mars-Fahrzeug Opportunity aufgestellt, als es auf unwegsamem Gelände 32 Grad geneigt war.

Für Curiosity bedeutete die Steigung keine Gefahr. Durch die Aufhängung seiner sechs Räder kann er sogar Anstiege von 45 Grad meistern ohne umzukippen.

Quelle: Jet Propulsion Laboratory via Phys.org

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