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StartseiteForschung aktuellMeldungen aus der Wissenschaft22.04.2020

Erforscht, entdeckt, entwickeltMeldungen aus der Wissenschaft

Ein Käfer könnte Allergikern helfen +++ In Zukunft wird der Nordpol im Sommer eisfrei sein +++ Schüchterne Kleinkinder behalten diesen Charakterzug häufig lebenslang +++ Zellen schützen ihre DNA vor mechanischer Belastung +++ Ein gentechnisch veränderter Reis kann Hitze besser vertragen +++ Bei Elektrofahrzeugen ist leichter nicht zwangsläufig besser

Von Lucian Haas

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Neues aus der Wissenschaft - Die Wissenschaftsmeldungen aus "Forschung aktuell" (Deutschlandradio)
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Ein Käfer könnte Allergikern helfen

Die Pollen der Beifuß-Ambrosie lösen bei vielen Heuschnupfen-Geplagten in Europa besonders starke allergische Reaktionen aus. Diese Pflanzenart wurde einst als Zierpflanze aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt. Alle Bemühungen, ihre invasive Ausbreitung zu bremsen sind weitgehend gescheitert. Doch neuerdings gibt es Hoffnung. Forschende aus der Schweiz berichten in einer Studie im Fachmagazin Nature Communications, dass ein 2013 aus Asien nach Europa gelangter Käfer namens Ophraella communa bevorzugt Beifuß-Ambrosien frisst. In Norditalien ist dadurch die Verbreitung der Pflanzen und ihrer Pollen schon deutlich zurückgegangen. Laut Modellrechnungen dürfte sich der Käfer in den kommenden Jahrzehnten in Südeuropa und dem nördlichen Alpenvorraum weiter ausbreiten – genau in den Gebieten, in denen die Belastung mit Pollen der Beifuß-Ambrosie am höchsten ist. Ob der Käfer als invasive Art in anderer Hinsicht Probleme bereiten könnte, ist bislang nicht bekannt. Befürchtungen, er könnte zum Schädling für den Anbau von Sonnenblumen werden, haben sich nicht bewahrheitet. In China wir Ophraella communa mittlerweile sogar gezielt zur biologischen Bekämpfung der Beifuß-Ambrosie eingesetzt.

Quelle: Nature Communications


In Zukunft wird der Nordpol im Sommer eisfrei sein

Nicht unbedingt in jedem Jahr, aber immer häufiger, und zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor dem Jahr 2050 – als Folge des Klimawandels. Das berichtet ein internationales Team von Klimaforschern in den Geophysical Research Letters. In ihrer Studie analysierten sie die Ergebnisse von 40 Klimamodellen. Diese hatten unterschiedliche Szenarien mit starkem und weniger starkem Anstieg der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre berechnet. Es zeigte sich: Wie viele der arktischen Sommer in Zukunft eisfrei sein werden, hängt stark von den künftigen CO2-Emissionen ab. Allerdings ließen sich künftige eisfreie Sommer am Nordpol auch bei einem stark reduzierten CO2-Ausstoß schon nicht mehr verhindern. Für die Natur der Arktis wäre das Verschwinden der Meereisdecke sehr problematisch. Das Eis ist unter anderem unverzichtbarer Lebensraum für Eisbären und Robben. Zudem hat das Meereis eine wichtige kühlende Funktion im Klimasystem.

Quelle: GRL


Schüchterne Kleinkinder behalten diesen Charakterzug häufig lebenslang

Manche Kleinkinder verhalten sich Fremden gegenüber immer sehr vorsichtig und schüchtern. Eine Langzeitstudie von Forschenden aus den USA im Fachmagazin PNAS zeigt, dass solche Verhaltensmuster den Charakter langfristig prägen. Als Persönlichkeitsmerkmal sind sie dann auch noch im Erwachsenenalter zu beobachten. Die Studie mit 165 Probanden wurde schon in den frühen 1990er-Jahren begonnen – mit spielerischen Experimenten im Alter von 14 Monaten. Die gleichen Probanden wurden dann im Alter von 15 Jahren und abschließend mit 26 Jahren nochmals untersucht und befragt. Dabei stellten die Forscher fest: Wer als Kleinkind ein gehemmtes Verhalten zeigte, war auch im Erwachsenenalter eher zurückhaltend und introvertiert. Das muss aber nicht zwangsläufig von Nachteil sein. Mit Blick auf Bildungserfolg, Beruf und Partnersuche zeigten sich keine besonderen Auffälligkeiten.

Quelle: PNAS


Zellen schützen ihre DNA vor mechanischer Belastung

Unsere Haut, unsere Muskeln und viele andere Gewebe sind ständig in Bewegung. Sie werden gedehnt, gezogen, gestaucht – und das passiert dann auch mit jeder Zelle darin. Diese mechanischen Kräfte können auch zu Schäden führen, etwa an der DNA im Zellkern. Forschende des Max-Planck-Instituts für die Biologie des Alterns in Köln haben entdeckt, wie die Zellen das verhindern. In Versuchen konnten sie nachweisen, dass gedehnte Zellen ihren Zellkern und das Erbgut darin zum einen gezielt so ausrichten, dass sie die Zugkräfte besser aufnehmen können. Zum anderen passen die Zellen auch die mechanischen Eigenschaften der DNA an die Belastung an. Das genetische Material wird gewissermaßen weicher und formbarer. Die Studie ist im Fachmagazin Cell erschienen.

Quelle: Cell


Ein gentechnisch veränderter Reis kann Hitze besser vertragen

Und als Nebeneffekt liefert er bei normalen Temperaturen auch noch einen höheren Ertrag. Das berichten Forschende aus China im Fachjournal Nature Plants. Hitze kann zu Schäden im sogenannten Photosynthese-Apparat in den Blattzellen von Pflanzen führen. Der Aufbau von Zuckern mit Hilfe der Energie des Sonnenlichtes ist dann gestört. Die Pflanzen können die Schäden aber auch wieder reparieren. Durch eine genetische Veränderung erreichten die Forscher bei Reispflanzen, dass diese Reparatur schneller abläuft. So konnten die Pflanzen simulierte Hitzewellen besser überstehen. Ganz unerwartet machten die Wissenschaftler aber noch eine weitere Beobachtung: Die Photosynthese der Pflanzen mit dieser Genveränderung war auch unter normalen Temperaturbedingungen effizienter. In Feldversuchen führte das zu Ertragssteigerungen von bis zu 20 Prozent.

Quelle: Nature Plants


Bei Elektrofahrzeugen ist leichter nicht zwangsläufig besser

Zumindest wenn man darauf schaut, welche Emissionen insgesamt mit der Elektromobilität verbunden sind. Denn die Emissionen hängen nicht nur vom richtigen Strommix ab, sondern auch davon, welche Werkstoffe für die Herstellung der Fahrzeuge verwendet werden. Eine Studie der Technischen Hochschule Ingolstadt zeigt, dass der Einsatz von Leichtbaumaterialien wie Aluminium bei Elektrofahrzeugen keinen Vorteil gegenüber dem etwas schwereren Stahl bringt. Die Herstellung von Aluminium ist im Vergleich zu Stahl mit deutlich mehr Energieverbrauch und Emissionen verbunden. Bei Autos mit Verbrennungsmotor gleicht sich das beim Fahren wieder aus, weil bei ihnen weniger Masse deutlich weniger Spritverbrauch bedeutet. Bei Elektro-Autos sieht die Rechnung laut der Studie aber anders aus. Da Elektromotoren einen höheren Wirkungsgrad besitzen und beim Bremsen auch viel Energie rückgewinnen können, kann ein Elektrofahrzeug in Stahlbauweise über den gesamten Lebenszyklus gerechnet weniger Emissionen verursachen als das gleiche Modell in einer Leichtbauvariante.

Quelle: TH Ingolstadt

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