Kommentare und Themen der Woche 04.02.2020

Ergebnisverzögerung bei US-VorwahlenVerlorene Chance in IowaVon Jan Bösche

Beitrag hören Der Bewerber um die demokratische Präsidentschaftskandidatur Pete Buttigieg (imago images / ZUMA Press / Brian Cahn)Das Caucus-Debakel der Demokraten in Iowa ist auch eine Chance, meint Jan Bösche (imago images / ZUMA Press / Brian Cahn)

Die US-Demokraten haben mit ihrem Unvermögen, ein Vorwahlergebnis im Bundesstaat Iowa zu präsentieren, ein Debakel im Rennen um die US-Präsidentschaft hingelegt, meint Jan Bösche. Die Panne bei der Auszählung sollte dazu genutzt werden, das Vorwahlsystem der US-Parteien grundsätzlich zu reformieren.

Die Demokraten stehen unter Druck: Eine Mehrheit der Amerikaner ist mit Präsident Trump unzufrieden, viele Wähler hoffen auf einen Kandidaten, der Trump ablösen kann. Die Demokraten müssen diesen Kandidaten, diese Kandidatin liefern - und sie sind mit einem Debakel gestartet.

Das Caucus-System in Iowa ist den Demokraten um die Ohren geflogen. Das ist nicht überraschend: Schon vor vier Jahren gab es Probleme. Vor acht Jahren riefen die Republikaner bei ihrem Caucus sogar zuerst den falschen Sieger aus. Das Verfahren in Iowa ist nicht belastbar genug. Das wäre egal, wenn es nur darum ginge, die Parteitagsstimmen von Iowa zu verteilen. Der politische Betrieb in den USA hat Iowa aber überhöht, zu einem Trendsetter und Stimmungsbarometer erklärt. Darum reisen im eisigen Winter tausende Journalisten und Politikberater in den Bundesstaat. Darum versenken die Wahlkampagnen hier Millionen Werbedollar.

Iowa nicht repräsentativ

Befürworter schwärmen von der einzigartigen Nähe zwischen Kandidaten und Wählern, in Wohnzimmern und Coffeeshops. Ein Realitätscheck, der nur in einem kleineren Bundesstaat möglich sei.

Warum aber muss dieser Realitätscheck ausgerechnet in Iowa stattfinden? Der Bundesstaat repräsentiert die USA nicht, er ist ländlicher und weißer. 29 Bundesstaaten haben mehr Einwohner als Iowa. Das reale Leben, mit dem die Kandidaten hier konfrontiert werden, ist nicht das reale Leben vieler anderer Amerikaner.

Schlimmer noch: Weil Iowa Trendsetter ist, bestimmen die Sorgen und Probleme der Wähler hier für Wochen die nationale Debatte. Wie gesagt: 29 Bundesstaaten haben mehr Einwohner - viele ihrer Probleme werden nicht so intensiv diskutiert.

Mut zu Reformen

Das Caucus-Debakel der Demokraten in Iowa ist auch eine Chance. Die Chance, das Vorwahlsystem der amerikanischen Parteien zu reformieren. Es gibt bereits mehrere Modelle, wie andere Staaten, andere Bevölkerungsgruppen mehr Einfluss gewinnen könnten. Die Parteien müssen jetzt den Mut haben, mit den Traditionen zu brechen.

Für den aktuellen Vorwahlkampf der Demokraten bedeutet das Debakel mehr Ungewissheit - und für den Sieger von Iowa eine verlorene Chance. Der Moment ist verpufft, in dem er oder sie eine flammende Rede halten konnte, mit nationaler Aufmerksamkeit. Jetzt bleiben Kandidaten weiter im Rennen, die nach einem Scheitern in Iowa vielleicht ausgeschieden wären. Jetzt gibt es mehr Hoffnung für Joe Biden, dessen Umfragewerte in Iowa nicht gut aussahen. Mehr Hoffnung auch für den Milliardär Michael Bloomberg, der in Iowa gar nicht angetreten war und erst später ins Rennen einsteigen will.

Das Problem der Demokraten: Je länger sich der Vorwahlkampf hinzieht, ohne dass es einen klaren Kandidaten gibt, desto länger beschäftigen sie sich mit sich selbst und weniger mit dem eigentlichen Ziel: Präsident Trump im November abzulösen. Das erwarten viele Amerikaner von der Partei. Sie muss sich jetzt zusammenreißen und liefern.

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