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StartseiteVerbrauchertippKörpergerecht am Computer arbeiten14.04.2020

Ergonomische Tastaturen Körpergerecht am Computer arbeiten

Die Arbeit am Schreibtisch kann - zumindest von der Haltung des Körpers her - recht eintönig sein. Das kann sogar zu gesundheitlichen Problemen führen. Ergotherapeuten raten deshalb, spezielle, handfreundliche Tastaturen oder andere Hilfsmittel auszuprobieren.

Von Dieter Nürnberger

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Eine Frau benutzt an einem Schreibtisch in Berlin eine ergonomisch geformte Tastatur (dpa / Andrea Warnecke )
Eine ergonomische Tastatur im Büroeinsatz (dpa / Andrea Warnecke )

"Seit ungefähr sechs Jahren schreibe ich mit dieser Tastatur und sie unterscheidet sich insofern, dass sie breiter ist als andere Tastaturen. Und dass die Anordnung der einzelnen Buchstaben einen zwingt, die Ellenbogen etwas nach außen zu nehmen und somit macht man automatisch die Schultern breiter."

Kathrin Koeplin sitzt als Sachbearbeiterin fast täglich vor dem Computer. Die Berlinerin hat inzwischen nicht nur im Büro eine breitere Tastatur, sondern auch im derzeit so oft notwendigen Homeoffice. Auf die Idee, es einmal mit einer anderen Tastatur zu versuchen, brachte sie ein Kollege.

"Ich hatte Schmerzen im oberen Rücken- und Schulterbereich, auch die Oberarme taten oft weh und ermüdeten schnell. Seit ich mit dieser Tastatur arbeite sind diese Probleme wirklich verschwunden."

Anspannung ziehen bis in die Schulter

Erfolgsgeschichten wie diese sind Julia Runge, sie arbeitet als Ergo-Therapeutin, inzwischen vertraut. In ihrer Praxis liegt ein Schwerpunkt in der Handrehabilitation. Und Schreibtisch- oder Büroarbeit kann dazu beitragen, dass der Körper längere Zeit eine nicht natürliche Haltung einnimmt. Besonders betroffen: Die Hand.

"Die neutrale Stellung der Hände ist eben nicht, dass - wenn ich am Tisch sitze - die Handflächen auf den Tisch zeigen. Sondern eigentlich, dass die Handkante, da wo der kleine Finger ist, auf den Tisch zeigt. Weil dann Elle und Speiche in einer neutralen Position sind. Wenn aber die Handfläche auf den Tisch zeigt, sind sie zueinander verdreht. Und in dem Moment, wo etwas zueinander verdreht ist, habe ich eine Anspannung."

Eine Anspannung, die sich von der Hand über Unter- und Oberarm bis in die Schulter ziehen kann. In der therapeutischen Diagnostik geht es bei Julia Runge um einen ganzheitlichen Ansatz: Die komplette Bewegungskette eines Arms ist zu beachten, auch Nervensysteme und -kanäle und ebenso die Wirbelsäure können eine Rolle spielen. Neben physiotherapeutischen Übungen kommen auch ergonomische oder gesundheitsorientierte Hilfsmittel wie spezielle Tastaturen in Frage.

"Zum Beispiel eine aufrechte Maus, zum Beispiel eine Tastatur, die in der Mitte teilbar ist. So dass die Hände dann auf dem Tisch zwar immer noch liegen, aber weiter auseinander liegen. Man kann sie auch immer ein wenig anders hinlegen, denn dadurch verfalle ich nicht so in das Steife - immer nur in einer Position zu arbeiten."

Durch ergonomischen Arbeitsplatz weniger Krankheitstage

Ergotherapeutin Julia Runge empfiehlt ihren Patienten, diese Hilfsmittel einfach mal auszuprobieren. Das sei in vielen Fachgeschäften möglich.

"Die Problematik dabei ist: Man muss aus seiner Komfortzone heraus. Ich muss akzeptieren, dass vielleicht am Anfang Arbeitsabläufe nicht mehr so flüssig laufen, weil man sich umgewöhnen muss. Da muss auch eine Bereitschaft dazu da sein."

Auch gepolsterte Handballenauflagen können das Handgelenk schonen. In vielen Büros sind solche einfachen Hilfsmittel inzwischen öfter zu sehen, eine teilbare Tastatur ist da eher noch die Ausnahme. Doch geht die Ergotherapeutin aus eigener Erfahrung davon aus, dass auch immer mehr Arbeitgeber ihre Beschäftigten dabei unterstützen, einen ergonomischen Arbeitsplatz einzurichten. Die Folge seien ja meist weniger Krankheitstage.

Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist sogar arbeitsrechtlich vorgeschrieben, sagt Julia Runge. Betriebsärzte oder der Betriebsrat können erste Ansprechpartner sein. Umfangreiche Informationen gibt es zudem bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

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