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StartseiteUmwelt und VerbraucherStudie zu Glyphosat warnt vor Gefahr für Bienen26.09.2018

Erhöhte SterblichkeitStudie zu Glyphosat warnt vor Gefahr für Bienen

Und wieder steht das das Herbizid Glyphosat in der Kritik: Einer Studie zufolge stört der Unkrautvernichter die Darmflora von Honigbienen und macht sie so anfälliger für Infektionen. Hersteller Bayer sieht dennoch keinen Grund für ein Verbot seines Produktes.

Georg Ehring im Gespräch mit Stefan Römermann

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Eine Honigwabe mit Arbeitsbienen (picture-alliance/ ZB)
Honigbienen können einer neuen Studie zufolge durch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Schaden nehmen (picture-alliance/ ZB)
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Auf welche Art schädigt Glyphosat die Bienen?

Glyphosat galt bisher als ungiftig für Menschen und Tiere, weil es ein Enzym blockiert, das nur in Pflanzen vorkommt. Erick Motta hat zusammen mit Forscherkollegen von der Universität Austin in Texas jetzt gezeigt, dass Honigbienen aber sehr wohl durch Glyphosat geschädigt werden können. Durch das Herbizid werden für die Bienen wichtige Darmbakterien abgetötet, dies wiederum macht die Tiere anfälliger für Krankheitserreger. Die Folge war eine deutlich erhöhte Sterblichkeit.

Was bedeutet das für die Praxis?

Das ist umstritten. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Bienen Glyphosat in solchen Mengen ausgesetzt wurden, wie sie auch im Freiland realistisch wären. Wenn das stimmt, könnte Glyphosat in Bienenvölkern unter Umständen großen Schaden anrichten.
Der Bayer-Konzern, der den Glyphosat-Hersteller Monsanto übernommen hat, hält dagegen: Ein Laborversuch mit wenigen Tieren sei nicht aussagekräftig. Mögliche Effekte in der Natur wären nur dann zu beurteilen, wenn entsprechende Versuche mit ganzen Bienenvölkern im Freiland durchgeführt würden.

Könnte Glyphosat die Ursache für das Bienensterben sein?

Die Ursache sicher nicht, denn es gibt andere. Wenn Bienenvölker zusammenbrechen, dann ist zumindest die unmittelbare Ursache fast immer die Varroamilbe, ein Schädling, der sich in Bienenvölkern explosiv vermehrt. Es kann aber sein, dass Bienen durch Pestizide bereits geschwächt waren und da kommt jetzt auch Glyphosat in Frage. Andere Pestizide aus der Gruppe der Neonikotinoide sind wegen ihrer Schädlichkeit für Bienen und andere nützliche Insekten im Freiland bereits verboten.

Welche Konsequenzen könnten die Forschungsergebnisse haben?

Die Debatte darüber hat gerade begonnen. Die deutschen Imkerverbände nehmen die neuen Erkenntnisse zum Anlass, erneut ein Verbot von Glyphosat zu fordern, von den Grünen im Europaparlament werden sie dabei unterstützt. Der Hersteller Bayer sieht dagegen keine neue Lage und damit keinen Grund für ein Verbot oder eine Einschränkung der Zulassung.

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