Dienstag, 11.08.2020
 
StartseiteSternzeitUnd ewig grüßt Capella06.07.2020

Erinnerungen an kalte NächteUnd ewig grüßt Capella

Gegen Mitternacht findet man in diesen Nächten tief am Nordhimmel einen hellen Stern, dessen Licht selbst horizontnahe Dunstschichten durchdringt. Das ist Capella, der Hauptstern im Fuhrmann, der vom Winterhimmel her bekannt ist.

Von Hermann-Michael Hahn

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Der Stern Capella steht zurzeit um Mitternacht tief im Norden (Stellarium)
Der Stern Capella steht zurzeit um Mitternacht tief im Norden (Stellarium)

Capella ist der nördlichste Stern im Wintersechseck, das die helle Beteigeuze im Himmelsjäger Orion umgibt. Gerade diese Position ganz oben im Wintersechseck führt dazu, dass Capella auch mitten im Sommer am Nachthimmel zu beobachten ist. Der Stern steht so weit nördlich, dass er in unseren Breiten überhaupt nicht untergeht. Solche Sterne nennen Astronomen zirkumpolar, weil man sie auf ihrem Weg rund um den Himmelspol herum beobachten kann.

Noch gilt dies für Beobachter in ganz Deutschland, denn selbst vom südlichsten Zipfel aus schrammt Capella noch rund drei Grad über dem Horizont entlang. Allerdings vollführt die schief stehende Erdachse im Schwerefeld der Sonne eine langsame Kreiselbewegung.

Das Sternbild Fuhrmann mit dem Hauptstern Capella in einer historischen Darstellung (Bode)Das Sternbild Fuhrmann mit dem Hauptstern Capella in einer historischen Darstellung (Bode)

Diese "Präzession", wie Fachleute sagen, führt dazu, dass Capella im Süden der Republik in gut 2.300 Jahren erstmals untergeht, während sie weiter im Norden immer noch zirkumpolar bleibt. Auf der Höhe von Flensburg wird man Capella erst in gut 4.000 Jahren unter- und wieder aufgehen sehen.

In gut 13.000 Jahren steht Capella dann Anfang Juli um Mitternacht halbhoch am Südhimmel, knapp unterhalb vom Himmelsäquator – also ähnlich hoch wie derzeit die Gürtelsterne des Orion im Winter. Capella ist dann kein "Ganzjahres-Stern" mehr, sondern ein Gestirn des Sommers.

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