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StartseiteWirtschaft am MittagErklärwerk: Tenderverfahren der EZB09.02.2012

Erklärwerk: Tenderverfahren der EZB

Ein Instrument der Europäischen Zentralbank zur Steuerung der Geldmenge sind sogenannte EZB-Tender, wie sie bereits im vergangenen Dezember zum Einsatz kamen. Wie funktioniert das Tenderverfahren der EZB und wie wirkt es sich finanzpolitisch aus?

Von Stephan Beuting

Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt (AP)
Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt (AP)

Wenn die Zentralbank einen Tender auflegt, dann hat das nichts mit dem englischen Adjektiv tender für liebevoll, zärtlich zu tun, dann steht Tender für Ausschreibung, Angebot. Die Europäische Zentralbank in Frankfurt bietet den Geschäftsbanken - "Commerzbank, Sparkasse, Deutsche Bank, Postbank, Raiffeisenbank" - Geld an. Die Geschäftsbanken müssen dafür Sicherheiten in Form von Wertpapieren und Anleihen bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen.

Ob die Laufzeit eine Woche oder etwa drei Monate beträgt, ob der Zinssatz sich nach der Anzahl der Gebote richtet oder von vornherein festgesetzt wird, das ist je nach Tender unterschiedlich.

In der Finanz- und Wirtschaftskrise ist das Misstrauen zwischen den Banken gewachsen, sie leihen sich untereinander erheblich weniger Geld, hier springt die EZB ein. Um das zu kompensieren, hat sie im Dezember einen Tender mit ungewöhnlich langer Laufzeit aufgelegt. Sie beträgt drei Jahre. Ebenfalls ungewöhnlich niedrig: der Zinssatz. Er beträgt nur ein Prozent.

Frage:
Welchen Zweck verfolgt die EZB mit diesen besonderen Tendern?

Deutschlandfunk-Wirtschaftskorrespondentin Brigitte Scholtes:

"Die EZB sorgt dafür, dass die Banken mit frischem Geld versorgt werden, das sie sich am Markt derzeit nicht besorgen können, weil dazu das Misstrauen untereinander zu groß ist. Mit einem solchen Dreijahres-Tender haben die Banken Planungssicherheit. Sie sollten mit diesem billig geliehenen Geld dann auch der Wirtschaft weiter Kredite geben. Sie kaufen mit diesem Geld - so hofft die EZB jedenfalls - auch wieder Staatsanleihen, etwa von Spanien oder Italien, für die erhalten sie dann einen höheren Zins. Sie machen also ein gutes Geschäft. Man könnte nun kritisch anmerken: Das ist dann Staatsfinanzierung durch die Hintertür. Andererseits beruhigt es auch die Lage an den Finanzmärkten."

Eine Zahl:

489 Milliarden

Diesen Umfang hatte im Dezember der erste EZB-Tender mit dreijähriger Laufzeit. Finanzfachleute schätzen, dass der für Ende Februar angekündigte Tender mit dreijähriger Laufzeit den Umfang von 489 Milliarden noch einmal übertreffen könnte.

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