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StartseiteKalenderblattErlebnis Fotografie06.05.2010

Erlebnis Fotografie

Vor 60 Jahren fand die erste photokina statt

Vor 60 Jahren öffnete zum ersten Mal die photokina, die Weltmesse der Fotografie, in Köln. Sie ist – wie schon wenige Jahre später der damalige Bundespräsident Theodor Heuss sagte – untrennbar mit der Stadt verbunden. Neben Neuheiten aus der Fotoindustrie waren es 1950 vor allem die großen Bilderschauen, die das Publikum lockten.

Von Michaela Gericke

Ein Messebesucher schaut  auf der  "Photokina" in Köln auf eine Ausstellung der Firma Kodak. (AP)
Ein Messebesucher schaut auf der "Photokina" in Köln auf eine Ausstellung der Firma Kodak. (AP)

"Also, es ist eigentlich ein magisches Erlebnis, das die Fotografie bietet."

Und diese Magie wollte Leo Fritz Gruber, der leidenschaftliche Fotosammler, einem breiten Publikum nahebringen, als er am 6. Mai 1950 die erste photokina in Köln mit eröffnete.

Die Leistungsschau der deutschen Foto- und Filmindustrie hatte der Fotokaufmann Bruno Uhl, erster Vorsitzender der Agfa AG und des Photoindustrieverbandes, in die Wege geleitet und Leo Fritz Gruber als Organisator eingesetzt. Mit anfangs etwa 300 Firmen richtete sich die "Foto-Kino-Ausstellung" an Profis und Amateure. Zu den technischen Sensationen im Gründungsjahr gehörten beispielsweise der Kleinbildfilm und das elektronische Blitzgerät – damals noch so groß wie eine Schulmappe. Es ersetzte das bis dahin gebräuchliche Blitzpulver.

Leo Fritz Gruber organisierte zunächst sämtliche Bereiche der Messe, an der sich schon im zweiten Jahr Firmen aus aller Welt beteiligten. Das besondere Anliegen des Fotoliebhabers waren allerdings die sogenannten Bilderschauen: In großem Stil präsentierte er Werke bedeutender Fotografen:

"An der Spitze natürlich Edward Steichen, der große alte Mann der amerikanischen Fotografie, der ja mit seiner Ausstellung ‚The Familiy of Men’ einen Welterfolg hatte, aber auch Man Ray, den großen kleinen Mann, wie er einem erschien, der in Paris lebte, und natürlich Ansel Adams, den großen bedeutenden Landschaftsfotografen Amerikas; und ich habe Ansel Adams schon 1956 ausgestellt und viele andere auch. Eine andere Leistung der photokina war, dass wir auch vergessene Deutsche wieder in das Rampenlicht gerückt haben, an der Spitze August Sander oder Dr. Erich Salomon, 1956, er wäre damals gerade 70 gewesen, wäre er nicht von den Nazis ermordet worden."

Nach Erich Salomon, dem Pionier des modernen Bildjournalismus aus der Weimarer Zeit, ist seit 1971 ein Preis benannt, den die Deutsche Gesellschaft für Photographie regelmäßig auf der photokina verleiht: für eine "vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik". Leo Fritz Gruber, Gründungsmitglied der Gesellschaft, war davon überzeugt, dass Fotografie – wie auch immer sie ästhetisch gestaltet sein mag – in der Realität verankert sein müsse. Doch darüber hinaus hatte Gruber mit seinen internationalen Ausstellungen dem Medium zu einem neuen Stellenwert verholfen: Fotografie wurde jetzt auch verstanden als ein Teil der Bildenden Kunst. 1972 kaufte das Museum Ludwig Grubers umfangreiche Sammlung.

"... dass viele Positionen aus der deutschen Fotografie gezeigt wurden. Das ist spannend, das ist wichtig. Und man muss sagen, dass Fritz Gruber da viel draus gemacht hat - es gab ja keine andere Präsentationsform der künstlerischen Fotografie",

erinnert sich der Fotogalerist Rudolf Kicken. Mit der Retrospektive "Glanzlichter der Photographie" beschloss Leo Fritz Gruber 1980 seine Arbeit für die Weltmesse.

"Ich persönlich glaube, dass danach eh nichts mehr passiert ist, also nachdem Fritz weg war, war im Endeffekt die Bilderschau einfach das, was sie im Grunde von Anfang an von der Industrie erdacht war. Das war nur Beiwerk, das war einfach die Verpackung, das waren ein paar Schleifen und that’s it."

Zu den revolutionären technischen Entwicklungen, die auf der photokina in den vergangenen Jahrzehnten präsentiert wurden, gehörten der Durchbruch der Farbfotografie in den 50ern, die immer größere Lichtempfindlichkeit von Filmen, die Polaroid-Kamera Anfang der 60er-Jahre, oder Mitte der 70er-Jahre die "Imago 1:1", eine begehbare Kamera für lebensgroße Porträts. Die 90er-Jahre mit ihren Neuheiten der digitalen Fotografie und computergesteuerten Bildbearbeitung stellten einen Wendepunkt dar: Fritz Gruber betrachtete ihn mit Skepsis:

"Wir wissen heute, dass man Fotos völlig verfälschen kann; dass sie an Glaubwürdigkeit verlieren, das mag sein Gutes haben, indem man wunderbare Bilder für die Werbung schafft, aber es ist ein gefährlicher Wendepunkt, der eigentlich den Rückwärtsblick besonders liebevoll macht auf alles das, was die Fotografie bis jetzt geschaffen hat."

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