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StartseiteSprechstundeFettsucht fördert viele Krebsarten26.06.2018

ErnährungFettsucht fördert viele Krebsarten

Immer häufiger erkranken Menschen unter 50 an Krebs. Ein Auslöser dafür könnte das Körpergewicht sein. Denn starkes Übergewicht fördert das Wachstum von Tumoren. In Deutschland liegen Fettsucht und Fehlernährung an Platz zwei der Risiko-Top-Ten. Was hilft, sind Sport und Bewegung.

Von Volker Mrasek

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Eine übergewichtige Frau in der Ernährungssprechstunde in der Klinik für Innere Medizin der Universität Leipzig; Aufnahme vom Oktober 2010 (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)
15 Prozent aller Krebserkrankungen schreiben Mediziner Fettsucht und Fehlernährung zu (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)
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Übergewicht und Adipositas, krankhafte Fettsucht, werden das Rauchen als wichtigsten Auslöser für Krebs bald überholen. Das war eine der Kernbotschaften auf dem Kasseler Ernährungskongress. So schnell wird das aber gar nicht geschehen. Hartmut Bertz, Professor für Innere Medizin und Krebs-Spezialist an der Universitätsklinik Freiburg:

"Ich könnte mir vorstellen: So in 20, 30 Jahren, sagen wir 'mal einfach 2050, werden wir das haben. Vielleicht in manchen Ländern schon früher."

Der Zigaretten-Konsum bleibt also noch eine ganze Weile Risikofaktor Nummer eins. Rund ein Fünftel aller Krebserkrankungen in Deutschland schreiben Mediziner dem Rauchen zu. Fettsucht und Fehlernährung liegen an zweiter Stelle, mit geschätzten 15 Prozent. Auch erhöht Rauchen das Krebsrisiko viel stärker als zu viel Fett auf den Rippen, wie Stephan Bischoff sagt, Professor für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim:

"Fünf- bis zehnfach beim Rauchen. Und zweifach vielleicht bei Adipositas."                                                   

Übergewicht begünstigt Tumorwachstum

Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied, und der ist in der Tat beunruhigend: Rauchen führt vor allem zu Lungenkrebs. Mit Fettsucht bringen Onkologen wie Hartmut Bertz aber zahlreiche und immer mehr Krebsarten in Verbindung.

Starkes Übergewicht löse zwar selbst keine Tumoren aus. Es begünstige aber ihr Wachstum. Entscheidend dafür seien in erster Linie Entzündungsprozesse in den Fettzellen und vermehrt ausgeschüttete Hormone wie etwa Östrogene bei Frauen: 

"Die sind verantwortlich für die Tumoren in Brust, in den Eierstöcken oder auch zum Beispiel in der Gebärmutter. Wir haben es vermehrt beim Magentumor. Wir haben es sicher beim Darmkrebs, dass dort eine Rolle spielt, dass das [bei]Übergewicht halt häufiger auftritt. Bauchspeicheldrüsen-Krebs - sicher auch dabei. Nierenkrebs. Beim sogenannten multiplen Myelom gibt's auch Daten dafür, dass die assoziiert sind mit Übergewicht. Ein Krebs des Lymphsystems."
 
50 bis 60 Prozent der Bundesbürger gelten heute als übergewichtig. Das ist also die Mehrzahl der Bevölkerung. Rund ein Viertel leidet sogar unter Adipositas und hat einen Body-Mass-Index oder BMI von über 30. In diese Standard-Messgröße fließen Körpergewicht und Körpergröße ein. Mit Sorge sieht Hartmut Bertz, dass Kinder und Jugendliche immer häufiger solche BMI-Werte aufweisen. Sie sind also nicht nur dick, sondern richtig adipös - fettkrank:

"Jetzt sagen wir eigentlich: So einen Tumor haben die meisten Menschen erst ab [dem] Alter 58, 62. Und wir haben bei den Übergewichtigen immer mehr jüngere Menschen, die schon ab 30, 40, 45 halt Tumorerkrankungen entwickeln. Je höher der BMI, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Tumor auch entwickelt im Laufe der Jahrzehnte."

Bertz verweist hier auf eine Übersichtsarbeit des US-Onkologen Nathan Berger, die kürzlich im Fachmagazin "Obesity" erschien. Demnach gibt es genügend Daten, die zeigen: Krebs tritt immer häufiger bei Unter-50-Jährigen auf, und das als Folge von zunehmendem Übergewicht in zahlreichen Ländern.

Bewegung als Krebsprävention

Manche Ernährungsmediziner sind noch nicht gänzlich überzeugt. Und natürlich gibt es auch viele Fälle, in denen Tumoren genetisch bedingt in einem frühen Lebensalter auftreten. Aber wenn es um ein mögliches Krebsrisiko geht, ist es bestimmt nicht verkehrt, über Präventionsmaßnahmen nachzudenken. Und die, die Hartmut Bertz und andere Ärzte vorschlagen, haben sicher noch niemandem geschadet:
 
"Eine einfache Methode ist, Sport zu treiben. Also jetzt nicht einfach nur 'mal spazieren gehen, um halt Zigaretten am Automaten zu holen, sondern 30 Minuten täglich leichtes Training oder leichten Sport zu machen. Oder dreimal pro Woche richtig 60 Minuten lang aggressivere körperliche Aktivität. Das senkt nicht nur das Körpergewicht, sondern wahrscheinlich auch die Entwicklung von Tumorerkrankungen."                                                                 

Und nicht nur das: Wer sich nach einer überstandenen Tumorerkrankung sportlich betätigt und gesund ernährt, der - sagen die Mediziner - hat auch ein geringeres Risiko, dass der Krebs erneut ausbricht.

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