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StartseiteVerbrauchertippFleischersatz oft gesünder und besser für die Umwelt26.09.2019

ErnährungFleischersatz oft gesünder und besser für die Umwelt

Fleischersatzprodukte sind vermehrt Vorwürfen ausgesetzt. So stehen Lebensmittel aus Soja wegen langer Transportwege in der Kritik, einige Fleischimitate sollen zu viele Zusatzstoffe enthalten. Doch im Vergleich zum tierischen Produkt fällt das Urteil immer noch zu ihren Gunsten aus.

Von Maike Strietholt

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Ein vegetarischer Burger von oben auf einem Holztisch (imago-images / Westend 61)
Vegane und vegetarische Fleischersatzprodukte werden immer beliebter. (imago-images / Westend 61)
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Je länger die Liste der Inhaltsstoffe, desto ungesünder das Lebensmittel? So pauschal könne man das nicht sagen, meint Christian Niemeyer vom Zusatzstoffmuseum Hamburg:  

"Die Länge der Zutatenliste sagt nicht besonders viel über die Bedenklichkeit aus. Man muss einzelne Stoffe betrachten und man muss überlegen: Wie funktionell ist dieses Lebensmittel, was ich da kaufe. In diesen Produkten findet man häufig bestimmte Funktionsgruppen immer wieder." 

Für die erst jüngst auf dem Markt erschienenen Fleischimitate, meist auf konzentriertem Weizen-, Erbsen- oder Sojaeiweiß basierend, seien dabei grundsätzlich mehr Zusätze nötig als für einen klassischen Gemüsebratling.

Zusatzstoffe umstritten

"Weil ich ja etwas nachformen will, sowohl vom Mundgefühl als auch von der Sensorik des Produkts und es muss sich dann ja so zubereiten lassen wie das klassische Schweineschnitzel zum Beispiel auch. Sie brauchen eine andere Eiweißquelle, das kann aus Erbsen, Milch oder Ähnlichem sein. Dann müssen Sie das verfestigen, da nutzt man Maltodextrine zum Beispiel. Zusätzlich haben Sie noch Aromen – Raucharomen, Fleischaromen für spezielle Produkte." Diese Lebensmittelzusätze seien alle zugelassen, sagt Niemeyer.

"Die Zusatzstoffe im Sinne von E-Nummern werden immer wieder diskutiert. Und die Menge, die erlaubt ist, wird immer mal wieder neu eingestellt. Es gibt Stoffe wie Polyphosphate, die noch reagieren, deshalb sind sie in den letzten Jahren in die Kritik geraten – weil sie Allergien fördern können, weil sie Erkrankungen der Lunge zum Beispiel fördern können."

In einem Labor spritzt ein Mitarbeiter eine Flüssigkeit in eine Tomate. (imago / View Stock) (imago / View Stock)Zusatzstoffe in Lebensmitteln: Kleiner Tropfen - große Wirkung
Sie machen unser Essen haltbar, süß, cremig oder auch bunt: Zusatzstoffe finden sich in vielen Lebensmitteln, vor allem in stärker verarbeiteten und in Fertiggerichten.

Rotes Fleisch steht unter Krebsverdacht

Letztlich sei jeder Mensch unterschiedlich empfindlich, ergänzt Biologe Niemeyer. Die beste Vorsorge für etwaige Probleme sei eine ausgewogene Ernährung, es gilt also dasselbe wie beim Fleisch: Zu viel ist schlecht. Das bestätigt auch Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Im Fleischbereich gibt es einiges zu kritisieren. Zum Beispiel der Antibiotika-Einsatz, wo immer noch Reste im Fleisch enthalten sein können. Dann sind im Fleisch auch relativ viele gesättigte Fettsäuren – zu viel rotes Fleisch steht unter Krebsverdacht, wenn man mehr als 500 Gramm in der Woche isst." 

Nährwerte vergleichbar

Die ungeliebten gesättigten Fettsäuren finden sich hier und da allerdings auch in Fleischersatzprodukten – meist in Form von Kokosöl. Die Nährwerte der beiden Produktgruppen sind durchaus vergleichbar, erklärt Silke Schwartau.

"Was den Salzgehalt angeht, was den Eiweißgehalt angeht, da gibt es sehr viele Übereinstimmungen. Bei den pflanzlichen Produkten haben wir häufig mehr Ballaststoffe, die gut für die Darmgesundheit sind. Also hier schneidet wieder der tierische Burger schlechter ab."

Sojaprodukte unbedenklich

Wer neben der eigenen Gesundheit auch die Umweltfolgen seiner Ernährung im Auge hat, könne beruhigt zu Fleischalternativen greifen, sagt Silke Schwartau – auch wenn Soja im Spiel ist:

"Der Sojaanbau kann problematisch werden, wenn zum Beispiel die Regenwälder durch den Anbau verdrängt werden – wir haben sehr viele Sojaimporte. Aber letztlich gehen die ins Tierfutter. Und das, was in die pflanzliche Ernährung geht, ist so gering, dass es praktisch keine Rolle spielt."

Ein Geier sitzt im Vordergrund auf einem Baum, im Hintergrund im Morgengrauen zu sehen die Siloanlagen für Soja des US-Konzerns Cargill in Brasilien (picture alliance/imageBROKER/Florian Kopp)Wegen der Ausweitung des Sojaanbaus werfen Umweltschützer US-Konzernen vor, für die Abholzung des Regenwaldes mitverantwortlich zu sein. (picture alliance/imageBROKER/Florian Kopp)

Es sind nur wenige Prozent der weltweiten Ernte, und die hier erhältlichen Sojalebensmittel kommen oft nicht aus Südamerika, sondern aus Frankreich oder Kanada. Lebensmittel-Soja ist außerdem in Deutschland nicht gentechnisch verändert. Im Gegensatz dazu steht das Soja-Tierfutter, denn das landet auch im Trog von Legehennen und Milchkühen.

Wer also Gentech-Soja vom Amazonas und industrielle Massentierhaltung konsequent vermeiden will, muss auf vegane Schnitzel und Buletten zurückgreifen. Die vegetarischen Varianten enthalten nämlich unter Umständen auch Eiweiß aus Kuhmilch oder Hühnerei.

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