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StartseiteSprechstundeWas Kinder brauchen, um fit zu bleiben12.02.2019

ErnährungWas Kinder brauchen, um fit zu bleiben

Rund 20 Prozent der Elf- bis 13-jährigen in Deutschland sind übergewichtig oder adipös. Vorbeugende Ernährungskonzepte soll das neue Institut für Kinderernährung in Karlsruhe erarbeiten – auch gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie.

Von Anke Petermann

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Ein dickes Mädchen stochert in Hamburg) in seiner Nachspeise herum. (Markus Scholz, dpa picture-alliance)
Die WHO spricht von einer globalen Herausforderung von kindlichem Übergewicht. (Markus Scholz, dpa picture-alliance)
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Krankheiten wie Asthma und Altersdiabetes schon bei Kindern sowie entzündliche Prozesse - sie alle hängen mit Übergewicht oder Adipositas zusammen, also Fettleibigkeit. Derzeit sind etwa 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen übergewichtig oder adipös, bei den Elf- bis 13-Jährigen sogar 20 Prozent. Wahrscheinlich ist, dass aus ihnen dicke Erwachsene werden, mit erhöhtem Risiko auf Krebs und Herzerkrankungen. Früh anzusetzen, ist die Devise, sagt Petra Warschburger, Professorin für Beratungspsychologie der Universität Potsdam:

"Veränderung einer Adipositas oder auch des Essverhaltens, wenn es sich mal etabliert hat, ist enorm schwierig, weil es etwas sehr Automatisches ist, was sehr Stabiles ist. Es wäre besser, wenn wir dazu beitragen können, dass die Adipositas gar nicht erst entsteht."

Vorbild Frankreich

Stark gezuckerte Lebensmittel wie Limonade, Kakao, Joghurt, Pudding sowie Frühstückscerealien spielen als Dickmacher für Kinder und Jugendliche eine wichtige Rolle, und sie prägen den Geschmack bis ins Erwachsenenalter hinein, weiß Professor Anette Buyken vom Bereich Public Health Nutrition der Uni Potsdam. Die Ernährungswissenschaftlerin hofft, dass sich die Hersteller von Crunchies, Crispies und Cornflakes von der Bundesregierung auf die Nationale Reduktionsstrategie von Zucker, Fetten und Salz festlegen lassen – obwohl diese freiwillig ist. Was Verbraucherschutzorganisationen kritisieren. Machen Nestlé, Kellog's, Aldi, Norma und Co. mit, würde das bis 2025 dazu führen, "dass sich der Zuckeranteil auch in diesen Frühstückscerealien reduzieren könnte. 'Nutricsocre' wäre auch hilfreich."

Also die freiwillige farbliche Kennzeichnung von Lebensmitteln nach ihrem Nährwertprofil, und zwar in fünf Stufen von dunkel- und hellgrün über gelb, orange bis rot. Im Herbst 2017 begann Frankreich mit 'Nutriscore'. Über französische Lebensmittelhersteller wie Danone wird der farbige Front-Aufdruck 2019 auch in Deutschland Einzug halten. Was rot oder orange leuchtet, eignet sich nicht für den täglichen Verzehr. Die Warnfarben würden Eltern klarmachen, dass sie viele Frühstückscerealien eher als Süßigkeit bewerten und vom täglichen Speiseplan ihrer Kinder absetzen müssten, selbst wenn mit Vollkornanteilen geworben wird.

"Und genauso hilfreich wäre es zusagen, reduziert mal jedes Jahr um fünf Prozent, so wie das in England getan wurde."

Klare Ansage an die Hersteller. Plus Zuckersteuer, die nach Buykens Beobachtung die britische Lebensmittelwirtschaft dazu bringt, Rezepturen zu überarbeiten und damit die Kindergesundheit zu fördern. Informierte Eltern können dann die richtige Wahl fürs Familienessen treffen. Das ist besser, als Kindern Lebensmittel zu verbieten, betont die Beratungspsychologin Petra Warschburger: "Wenn man nicht will, dass die Kinder Limonade trinken, dann habe ich keine Vorräte, und dann stelle ich sie auf keinen Fall auf den Tisch."

Kinder besser informieren

Was die Kinder dann vom Taschengeld am Kiosk neben der Schule kaufen – eine andere Frage. Aber auch hier könnte man sie besser schützen, zum Beispiel durch Werbeverbote im Umkreis von Schulen, analog den Restriktionen für Zigarettenwerbung, findet Warschburger. Und: "Also, wenn die Schulen gesunde Nahrungsmittel anbieten, werden die Kinder sie auch annehmen. Das dauert vielleicht eine Weile, weil sie sagen, das ist anders, als ich das geschmacklich erwartet habe. Aber wenn man das so reglementiert und eine gesunde Alternative anbietet, dann ist das sicherlich ein guter Weg – ja."

Dass Kakao zum Frühstück besser für die Zähne sein soll als Mineralwasser - so warb die Landesvereinigung der Milchwirtschaft, kurz Milch NRW, bislang an nordrhein-westfälischen Schulen für Schokomilch. Künftig nicht mehr. Nach einer Abmahnung durch die Verbraucherorganisation Foodwatch gab der Branchenverband eine Unterlassungserklärung ab. Dass gezuckerte Kakaogetränke an vielen Schulen Nordrhein-Westfalens noch angeboten werden, und zwar vergünstigt, da subventioniert von der Landesregierung: weiterhin hoch umstritten.

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