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StartseiteKommentare und Themen der WocheNordkoreas Atompoker geht bislang nicht auf15.09.2021

Erneute RaketentestsNordkoreas Atompoker geht bislang nicht auf

Wirtschaftskrise, Naturkatastrophen, Mangelernährung - Nordkorea geht es schlecht. Kim Jong-un wolle die USA mit nuklearer Bedrohung zur Rücknahme von Sanktionen bewegen, aber die Strategie gehe bislang nicht auf, kommentiert Martin Fritz. Pjöngjang werde den Einsatz im Atompoker bald erhöhen.

Ein Kommentar von Martin Fritz

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New supersonic cruise missile South Korea's new supersonic cruise missile is test-fired in this photo released by the Ministry of National Defense on Sept. 15, 2021. The state-run Agency for Defense Development completed the development of the missile late last year to improve the nation's maritime defense capabilities, the ministry said. (PHOTO NOT FOR SALE) (Yonhap)/2021-09-15 19:41:42/ (picture alliance / Yonhap)
Südkorea antwortete Nordkorea mit eigenen Raketentests (picture alliance / Yonhap)
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Im endlosen Atompoker mit den USA spielt Nordkorea wieder neue Karten aus und erhöht damit gezielt die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Zunächst ließ Führer Kim Jong-un das Atomkraftwerk Yongbyon hochfahren. Für alle Satellitenaugen sichtbar ging die Anlage in Betrieb. Die Aufführung auf dieser Nuklearbühne soll Washington signalisieren: Achtung, wir produzieren wieder Plutonium für Atomwaffen, die euch treffen können. Dann testete das Regime nach eigenen Angaben mehrere Langstrecken-Marschflugkörper, die Südkorea und Japan erreichen könnten. Und heute schoss man zwei ballistische Raketen ab und verstieß damit zum wiederholten Male gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.

Nordkorea geht es nicht gut

Wie in der Vergangenheit verfolgt die Kim-Diktatur eine riskante Strategie, obwohl oder weil ihre Karten so schlecht sind wie lange nicht mehr. Die Wirtschaft liegt nämlich am Boden – zum einen als Folge der geschlossenen Grenze zu China wegen der Corona-Pandemie, zum anderen droht nach mehreren Naturkatastrophen verschärfte Mangelernährung. Wegen dieser Lage lehnt Kim das Angebot der USA ab, ohne Vorbedingungen über seine Atom- und Raketenrüstung zu sprechen.

Der Reaktor-Neustart und die Waffentests sollen Nordkoreas Gefährlichkeit unterstreichen. Parallel hat Kim die Beziehungen zu Südkorea wieder intensiviert. Dabei setzt er darauf, dass Präsident Moon Jae-in ein Atomgeschäft einfädeln will, bevor er im nächsten Jahr aus dem Amt scheidet. Zugleich vertraut Kim darauf, dass China ihm den Rücken freihält, weil Peking und Washington gerade im Clinch liegen.

Eine Frau geht mit einer Maske in Pjöngjang an Propaganda-Wandbildern vorbei (dpa / Kyodo / MAXPPP) (dpa / Kyodo / MAXPPP)Ein Land in doppelter Isolation
Nordkorea stecke in einem extremen Dilemma, sagte der Nordkorea-Experte Eric Ballbach im Dlf. Angesichts der Corona-Pandemie befinde sich das Land in einem strikten Lockdown. Zudem gebe es schon die strengen internationalen Sanktionen. Ein erster Ansatzpunkt für Kooperation könnten Impfstoffe sein.

Ziel, USA zum Einlenken zu bewegen

Sein Ziel: Die USA sollen die Wirtschaftssanktionen weitgehend lockern. Erst dann will sich Kim an den Verhandlungstisch setzen. Seine Atomwaffen würde der junge Machthaber jedoch niemals abgeben, sie sind seine Lebensversicherung. Die USA und Südkorea können auf dem Verhandlungsweg daher kaum mehr erreichen, als seine Rüstungsprogramme einzufrieren. Bislang genügt den USA dies nicht. Daher scheiterten die zwei Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un, deshalb gibt es jetzt keine neuen Gespräche.

Bislang scheint das Kalkül von Nordkorea nicht aufzugehen. Trotz der Tests bieten die USA weiter Gespräche an. Und Südkorea feuerte heute erstmals eine ballistische Rakete von einem getauchten U-Boot ab. Nordkoreas Gegner haben im Atompoker dazugelernt. Doch sie sollten sich keine Illusionen machen. Pjöngjang wird den Einsatz bald erhöhen.

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