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StartseiteKommentare und Themen der WocheFlughäfen sollen die bauen, die sich damit auskennen31.10.2020

Eröffnung Flughafen BERFlughäfen sollen die bauen, die sich damit auskennen

Die Eröffnungsfeier des BER deutet daraufhin, dass die Verantwortlichen wenig aus dem Desaster um den Bau des neuen Hauptstadtairports gelernt haben, kommentiert Claudia van Laak. Die Lehre muss sein: Fachfremde Politikerinnen und Politiker sollten sich in Großbauprojekte nicht einmischen.

Von Claudia van Laak

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Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup (3.v.l.), Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, 3.v.r.), Easyjet-CEO Johan Lundgren (2.v,r.), Carsten Spohr (l), Chef der Lufthansa, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD, r) und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, 2.v.l.) klatschen bei der Zeremonie zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER).  (POOL/dpa/AFP/Tobias Schwarz/)
Eröffnungsfeier des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER) (POOL/dpa/AFP/Tobias Schwarz/)
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Nein, der BER ist keine Investitionsruine geworden. Vor wenigen Stunden sind die ersten beiden Flugzeuge am neuen Hauptstadtairport gelandet - und nun? Nun hoffen alle auf den Elphi-Effekt. Die Elbphilharmonie Hamburg eröffnete vor mehr als drei Jahren und war bis dahin - genau wie der BER - Sinnbild eines außer Kontrolle geratenen staatlichen Großprojekts. Doch es dauerte nicht lange und alle waren verzückt. Aus dem Ruder gelaufene Kosten bei der Elbphilharmonie, Bauverzögerungen? Egal. Wäre es doch bloß beim BER auch so, so träumen es sich die Verantwortlichen herbei.

Verantwortliche haben offenbar wenig gelernt

Die Eröffnungsreden heute haben es gezeigt: Von der unrühmlichen Vergangenheit will man nur wenig wissen. Mehr noch - der Airport hat heute tatsächlich diejenigen, die das Desaster mit zu verantworten haben, zu Sekt und Häppchen auf Abstand eingeladen. Frei nach dem Motto: Ist uns doch egal, dass ihr die Steuer-Milliarden verbrannt habt, wir stoßen gemeinsam an, ist ja nicht unser Geld. Prost. Das deutet daraufhin, dass die Verantwortlichen wenig aus dem Desaster gelernt haben und zu Wiederholungstätern werden könnten. Deshalb noch einmal langsam zum Mitschreiben:

Erstens: Ein Unternehmen, das einen Airport betreibt, kann noch lange keinen bauen. Das Beste wäre es also gewesen, den Bau des Hauptstadtflughafens in private Hände zu legen. Die maximalen Kosten festlegen, dazu ein Datum der Fertigstellung. Dann ein ordentliches Controlling aufsetzen mit Vertragsstrafen bei Nicht-Einhaltung - fertig. Der BER wäre auf diesem Weg mit Sicherheit schneller an den Start gegangen und sehr viel billiger geworden.

Fachfremde Politiker gehören nicht in den Aufsichtsrat

Und damit wäre auch der zweite große Fehler vermieden worden: Der BER war und ist ein durch und durch politisches Projekt. Fatal: Naive und fachfremde Politiker im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, die sich von Bauleitung und Geschäftsführung mehrfach belügen ließen, weil sie einfach keinen Durchblick hatten. Welcher Regierende Bürgermeister, welche Ministerpräsidentin hat schon die Zeit und die Fachkompetenz, sich in die Abgründe einer Großbaustelle einzugraben?

Und wenn das so ist: Warum lässt er oder sie sich dann zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats wählen? Klaus Wowereit zum Beispiel – erst drückte er während des Bauprozesses Änderungen durch, wie zum Beispiel ein Gate für das Großraumflugzeug A 380, das nie am BER landen wird. Dann ließ er sich von der Geschäftsführung hinters Licht führen, um nach der großen Absage 2012 den damaligen Flughafenchef und die Planer zu feuern. Der Flughafenchef klagte noch eine Millionenabfindung ein, die Planer nahmen ihre Unterlagen mit – schlimmer hätte es nicht kommen können.

Corona bremst Elphi-Effekt

Der Bund - also die Bundesverkehrsminister von der CSU - hielten sich auf Abstand. Gerne verschwiegen die Ramsauers, Dobrindts und Scheuers, dass dem Bund fast ein Drittel der Flughafengesellschaft gehört. Schuld am Desaster waren immer nur die anderen, also natürlich Berlin. Jetzt, wo der BER eröffnet ist, hat der Erfolg viele Väter und Mütter, und CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ließ es sich nicht nehmen, heute persönlich zu erscheinen.

Am BER sind nicht nur Millionen, hier sind Milliarden an Steuergeldern verbrannt worden. Dass der Aufschrei darüber nicht größer ist, liegt einzig und allein daran, dass fast alle Parteien abwechselnd an der Regierung waren. Dass der erwünschte Elbphilharmonie-Effekt so schnell nicht eintreten wird, ist ausnahmsweise nicht selber verschuldet. Corona wird dafür sorgen, dass der BER auf absehbare Zeit nicht aus den roten Zahlen herauskommt.

Liebe Politikerinnen und Politiker, lasst die Finger davon

Für das nächste Großprojekt sollte gelten: Liebe Politikerinnen und Politiker, lasst die Finger davon, bleibt draußen aus den Aufsichtsräten. Setzt die Leitplanken, aber mischt Euch möglichst wenig ein. Flughäfen sollen die bauen, die sich damit auskennen.

Claudia van Laak  (Deutschlandradio / Bettina Straub) Claudia van Laak (Deutschlandradio / Bettina Straub)Claudia van Laak, Jahrgang 1963, zog nach ihrem Studium von Germanistik, Journalistik und Wirtschaftswissenschaften in die "Noch-DDR". In Thüringen arbeitete sie beim MDR, wechselte dort als Landeskorrespondentin zum Deutschlandradio. Danach Korrespondentin in Brandenburg, jetzt Leiterin des Landesstudios Berlin.

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